Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur Peter Jackson schickt den Hobbit auf Reisen
Mehr Welt Kultur Peter Jackson schickt den Hobbit auf Reisen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
03:11 14.12.2012
Von Stefan Stosch
Kleiner Mann, ganz abenteuerlustig: Bilbo Beutlin wird von Gandalf mit den Zwergen in ein Abenteuer geschickt. Quelle: Warner Bros.
Hannover

Es ist nicht ganz leicht, einen gut genährten Hobbit aus seiner Höhle zu locken: Eine geschlagene Kinostunde dauert es, bis Bilbo Beutlin seinem so bequemen Leben Adieu sagt. Bis dahin schlemmt und singt und qualmt in seiner gemütlichen Bude eine Zwergenschar und stellt seine Großzügigkeit als Gastgeber gehörig auf die Probe. Der Zuschauer beginnt sich schon zu fragen, ob Bilbo versehentlich in einem besonders skurrilen Beitrag der Berlinale-Spezialreihe „Kulinarisches Kino“ gelandet oder ein geschrumpfter Gerard Depardieu alias Obelix unter all den bärtigen Vielfraßen versteckt ist.

Doch dann stützt sich Bilbo Beutlin (Martin Freeman) endlich in das große Abenteuer, das Autor J. R. R. Tolkien für ihn in seinem Roman „Der kleine Hobbit“ von 1937 ausgemalt hat. Denn nun ist Regisseur Peter Jackson noch einmal nach Mittelerde aufgebrochen. Knapp drei Milliarden Dollar spielte seine „Herr der Ringe“-Trilogie (2001 - 2003) ein. So etwas hat Folgen: Hollywood glaubt an nichts so sehr wie an die Wiederholung des Erfolgs - und sei es auch nur auf der Grundlage eines gut 300 Seiten starken Jugendbuches, das die Vorgeschichte des Hauptwerkes erzählt: Bilbo Beutlin hilft Zauberer Gandalf (Ian McKellen) und den 13 Zwergen, den vom bösen Drachen Smaug geraubten Goldschatz zurückzuholen.

Allerdings darf man Jackson getrost unterstellen, dass ihm sein „Hobbit“-Dreiteiler eine Herzensangelegenheit ist. Der Neuseeländer übernahm den Stab vom Regiekollegen Guillermo del Toro, als dieser nach diversen Verzögerungen absprang. Jackson ließ sich weder von hartleibigen Tolkien-Erben noch vom Finanzierungshickhack beim Studio MGM abschrecken. Dass die simple Abenteuergeschichte nun auf gleich drei Filme zerdehnt wird, ist eine ganz andere Geschichte. Jackson folgt der dreisten Linie der „Twilight“- oder „Harry Potter“-Reihen, in denen die Handlung auch zerschnipselt wurde, um noch mehr Geld in die Kasse zu spülen.

Die überlange Exposition des ersten Films mit dem Titel „Eine unerwartete Reise“, gestern zum ersten Mal in Deutschland präsentiert, zeigt zugleich die Stärke und die Schwäche dieses Ansatzes: Wohl selten hat sich ein Fantasy-Regisseur so viel Zeit nehmen dürfen, seine Figuren auszupinseln - und wohl selten war er mangels Erzählmasse auch so sehr dazu verdammt. Das Misstrauen von Oberzwerg Thorin (Richard Armitage) gegenüber Bilbo Beutlin beispielsweise muss Jackson künstlich köcheln lassen - einfach damit die Figurenkonstellation ein bisschen Spannung abwirft.

Knapp zwei Kinostunden bleiben nach dem Besuch in der Hobbithöhle immer noch für das eigentliche Spektakel: Grässliche Orgs, zähnefletschende Wölfe, edle Elben und majestätische Adler begleiten die Kämpfe der Zwerge. Die ganze Show spielt sich ab in wahrlich opulenten Landschaften - man kann schon verstehen, dass die Neuseeländer die eine halbe Milliarde schwere Produktion mit rund 100 Millionen bezuschusst haben. Die Tourismusindustrie auf der anderen Seite unseres Erdballs dürfte mit dem Ergebnis zufrieden sein.

Auch die Wiederbegegnung mit alten Helden wie Cate Blanchett als Elbin Galadriel oder Christopher Lee als Zauberer Saruman gehört zu Jacksons Plan - im „Hobbit“-Buch tauchen die beiden gar nicht auf. Für dieses epische Großprojekt wurden alle mobilisiert, die nicht schnell genug nein sagten. Selbstverständlich ist auch Andy Serkis als Gollum dabei. Dem halbnackten Höhlenwesen mit den spitzen Ohren und dem schlechten Gebiss kommt schließlich die Aufgabe zu, an Bilbo den Ring zu verlieren, der später in Frodos Händen in „Herr der Ringe“ eine entscheidende Rolle spielen wird. Das absurde Ratespiel auf Leben und Tod zwischen Bilbo und Gollum am unterirdischem See ist die schönste Szene dieses Films und eine Ring-Parabel ganz eigener Art. Fantasy und allzu menschliche Schlitzohrigkeit gehen eine wunderbare Verbindung ein.

Umstritten war schon im Vorfeld Jacksons technische Neuerung, statt mit den üblichen 24 Aufnahmen mit 48 pro Minute zu filmen. Das Verfahren namens HFR („Higher Frame Rate“), also eine höhere Bilderrate, sorgt für eine größere (Tiefen-)Schärfe, reinigt die Bilder sozusagen porentief - doch zeigt es auch die Grenzen der Computerkunst auf: Bewegungen, die bislang wegen ihrer Schlieren und Schleifspuren noch gerade so als glaubwürdig durchgingen, wirken gerade wegen ihrer Perfektion künstlich.

Am Ende des Film schlägt der Drache Smaug endlich die Augen auf - inmitten eines Goldschatzes, der Dagobert Duck neidisch machen dürfte. Die beiden restlichen Teile der Trilogie sind zum großen Teil bereits abgedreht und schon fürs Kino terminiert (Starttermine: Dezember 2013/Juli 2014). Nach dem ersten Drittel lässt sich so viel sagen: Eine DVD mit Bonusmaterial braucht es nicht. Alle Extras sind bereits im Kinofilm enthalten.

Kultur Hannes Malte Mahler - Digital Drawings auf dem iPad

Wie viele Künstler schätzt auch der in Hannover lebende Hannes Malte Mahler die Explosion als künstlerische Geste. Gerade läuft eine Ausstellung von ihm an der Uni Bonn; ihr Titel: „Sprengpunkte und Haftpunkte.

Ronald Meyer-Arlt 13.12.2012

Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat den Ehrentitel „Europäer des Jahres 2012“ erhalten. Die Dänische Europäische Bewegung (Europabevægelsen) hat dem 85 Jahre alten Schriftsteller die Auszeichnung zuerkannt.

13.12.2012

Die Peking-Oper, der argentinische Tango und der italienische Geigenbau haben es schon geschafft. Jetzt könnten auch deutsche Bräuche unter Unesco-Schutz kommen. Wie Kulturstaatsminister Bernd Neumann mitteilte, beschloss das Kabinett am Mittwoch den Beitritt.

12.12.2012