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Kultur Paul Panzer hetzt in Hannover gegen Braunschweig
Mehr Welt Kultur Paul Panzer hetzt in Hannover gegen Braunschweig
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19:31 14.04.2013
Von Tatjana Riegler
Vorsicht Apokalypse: Paul Panzer.Wilde
Vorsicht Apokalypse: Paul Panzer. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Zwischendurch hagelt es heftige Pfiffe. „Olli, warum sollte ich nicht sagen, dass du Braunschweig-Fan bist?“, ruft Paul Panzer ins Dunkel der voll besetzten Swiss Life Hall. Olli ist sein Lichttechniker und die Reaktion des Publikums in der 96-Stadt so sicher wie Panzers Pointe: „Nachher kann sich jeder ein Stück von Olli mitnehmen.“ Braunschweig-Witze gehen immer in Hannover, 1:0 für Panzer.

Doch Fußball ist gar nicht das Thema an diesem Sonnabend. Es geht hier nicht um Nebensachen, sondern um Großes. Um Grundlegendes: um den Untergang und wie man ihn umschifft. „Hart backbord - Noch ist die Welt zu retten!“ hat der Kölner Komiker sein Programm genannt, mit dem er seit Herbst 2011 durchs Land tourt. Er wagt dabei den Blick auf die Wetterkarte nahender Weltkatastrophen: Erderwärmung und Umweltsünden, Medienmüll und Methanausstoß, digitale Partnersuche und Plastikflut, Fleischkonsum und „Fatzebuck“ - Käpt’n Panzer segelt durch raue See und reißt mit seinen verbalen Verrenkungen die etwa 4000 Zuschauer zu Lachanfällen hin.

Schon der Auftakt verheißt Abgründiges: Der Bug eines Piratenschiffes dominiert die Bühne, eine düstere Stimme begrüßt zu apokalyptischen Klängen und Nebelschwaden das Publikum, und dann ist er auch schon da: der Comedian mit dem hässlichen Blumenhemd, der markanten Hornbrille und dem nervigen Sprachfehler. Panzer spricht das „s“ wie ein „tz“ aus und trennt Silben mit Vorliebe falsch - weshalb Ehefrau Hilde ja auch mit „Haschprä“ die „Otzonschicht“ zerstört.

Panzer ist kein Denker, aber im Gegensatz zu seinem vorherigen, turbulenteren Bühnenprogramm „Endlich Freizeit“, das eher ums Alltägliche kreiste, macht er sich nun Gedanken zu den großen Themen unserer Zeit. „Platzik“ sieht er als Grundübel für den Planeten, und seit Fukushima kann man statt Glühbirnen „den Hering direkt inne Fassung schrauben“. Panzer wehrt sich gegen großmütterliche Mahnungen, den Teller für schönes Wetter leer zu essen („Lieber Hagel statt Herzstillstand“), er predigt der Null-Bock-Jugend lieber: „Sprache und Bildung ist wichtig!“ Und dass die Fische nicht größer werden, wenn man an der Aquariumscheibe Daumen und Zeigefinger auseinander zieht.

Zwei Stunden lang gibt der Comedian den gefühlsduseligen Weltenretter und überzeichnet seine Ausführungen mit gespielt naiver Art so extrem, dass selbst die Katastrophe ins Komische gerät. „Es ist nicht so, wie ich gesagt habe“, ruft Paul Panzer am Ende in die Halle, „es ist in Wirklichkeit viel schlimmer.“ Die Laune konnte er seinen Gästen damit nicht verderben. Im Gegenteil.

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