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Kultur Olli Dittrich und Katja Riemann spielen fünffach
Mehr Welt Kultur Olli Dittrich und Katja Riemann spielen fünffach
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10:25 26.05.2011
Von Martina Sulner
Relativ gestylt zur Vernissage: Katja Riemann und Olli Dittrich im neuen Kinofilm „Die Relativitätstheorie der Liebe“. Quelle: Handout
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Gleich in der ersten Szene erfährt der Zuschauer, was es mit der Liebe auf sich hat: In der Liebe nämlich, sagt Peggy mit Blick in die Kamera, sei der Spatz in der Hand eindeutig besser als die Taube auf dem Dach. Peggy arbeitet beim Gesundheitsamt und kontrolliert den Zustand von Kneipen. Ungeschminkt, unmodisch und mit monströser Brille ist die Singlefrau der Inbegriff der grauen Maus. Ausgerechnet bei der Arbeit, als sie in einem Imbiss das Fehlen einer Schutzspritzvorrichtung moniert, verliebt sie sich in den libanesischen Imbissbetreiber Youssef.

Wer’s nicht weiß, wird es kaum erkennen: Peggy wird gespielt von Katja Riemann und Youssef von Olli Dittrich. Und: In Otto Alexander Jahrreiss’ Komödie „Die Relativitätstheorie der Liebe“ spielen die beiden noch weitere Paare. Die Geschichten all dieser Männer und Frauen aus Berlin sind miteinander verwoben. Da gibt es zum Beispiel Frieder, den Chef einer Werbeagentur, der seit 15 Jahren mit der Schwester seiner Ehefrau ein Verhältnis hat. Die Schwester wiederum kennt die Soapdarstellerin Alexa, die einen sympathisch-abgehalfterten Rocker abschleppt, der sein Geld als Sprecher für Radiowerbung verdient – und dadurch wiederum Frieder kennt.

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Auch das Buch zu dem modernen Großstadtreigen stammt von Regisseur Jahrreiss, der mit den Kinofilmen „Alles Bob“ und „Zoom“ einigen Erfolg hatte. Zudem hat er in den vergangenen Jahren rund 300 Werbespots gedreht. Dazu zählt auch die erfolgreiche „Media Markt“-Kampagne, in der Olli Dittrich in unterschiedlichen Masken auftrat, hinter denen er kaum zu erkennen war.

Angeblich sind Regisseur und Darsteller die Idee für ihren Spielfilm bei der gemeinsamen Arbeit zu den Werbespots gekommen. Vorstellbar ist das, denn Dittrich ist die ideale Besetzung für eine Komödie, die von der Wandlungsfähigkeit der Darsteller lebt. Der Comedian, Musiker und Autor zeigt in seiner ersten Kinohauptrolle das, was er exzellent beherrscht: verschiedene Typen in ihrem Habitus, ihrer Mimik und Sprache genau zu treffen.

Noch überzeugender gelingt das Katja Riemann. Auch wenn sie vielfach ausgezeichnet ist und in Dutzenden von Kino- und Fernsehproduktionen gespielt hat, hat man manchmal fast vergessen, wie gut sie sein kann. Bei Jahrreiss spielt Riemann die unbeholfene Peggy ebenso auf den Punkt wie die Mittdreißigerin Alexa, die sich dringend ein Kind wünscht, wie Alexas Mutter Gabriela, ein gealterter Vamp und Temperamentsbolzen.

Doch so gekonnt das Spiel und so phänomenal die Arbeit der Maskenbildner auch ist: Das Drehbuch kann da nicht mithalten. Die Geschichten bleiben, trotz einiger netter Einfälle, konventionell, der Witz ist mitunter ranzig. Manchmal wirkt dieser Reigen sogar so gestrig, dass man sich zurückversetzt fühlt in die Zeit, als deutsche Beziehungskomödien wie „Stadtgespräch“ oder „Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit“ en vogue waren. „Die „Relativitätstheorie der Liebe“ ist ein netter Jux, doch eher etwas für den Sendeplatz des Mittwoch-Fernsehfilms als fürs Kino.
Tolle Schauspieler, klasse