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Kultur Niedersächsische Verlage auf der Buchmesse
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19:00 10.03.2015
Von Martina Sulner
Wächst – fast – in den Himmel: Buchbaum auf dem Leipziger Messegelände.
Wächst – fast – in den Himmel: Buchbaum auf dem Leipziger Messegelände. Quelle: Jan Woitas/dpa
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Leipzig

Orbitor“, was im Deutschen so viel wie blendend bedeutet, heißt die Trilogie von Mircea Cartarescu. Blendend ist der Autor allemal, der heute Abend im Leipziger Gewandhaus mit dem Buchpreis zur Europäischen Verständigung geehrt wird. Mit diesem Preis zeichnet die Jury Autoren aus, die Brücken innerhalb Europas schlagen - und zu denen gehört der 58-Jährige, seit Jahren als Kandidat für den Literaturnobelpreis im Gespräch, ohne Zweifel. Die Preisverleihung an Cartarescu ist ein würdiger Auftakt der Leipziger Buchmesse, die von morgen bis Sonntag für alle Besucher geöffnet ist.

Brücken schlagen, für Literatur begeistern, Leser und Autoren zusammenbringen - dafür steht die Frühjahrsmesse. In diesen Tagen dreht sich in Leipzig alles ums Buch, egal, ob es sich um gedruckte, elektronische oder gesprochene Texte handelt. Mehr als 2000 Verlage stellen ihre Neuerscheinungen vor. Das ist weit weniger als die Ausstellerzahl der Frankfurter Buchmesse, die im Herbst 7000 Verleger zählt; doch in anderer Hinsicht ist Leipzig ungeschlagen: Das Lesefest „Leipzig liest“ ist seit Jahren das größte Europas - diesmal sind 3000 Veranstaltungen an 400 Orten der Stadt angekündigt. Und was ist sonst noch wichtig bei der Messe? Ein Überblick:

Die niedersächsischen Verlage:

Alle wichtigen Verlage stellen auf der Frühjahrsmesse aus. Auch der Göttinger Wallstein Verlag zeigt sein Frühjahrsprogramm, darunter der neue Roman von Steven Bloom, „Das positivste Wort der englischen Sprache“, Heinrich Deterings Gedichtband „Wundertiere“ und Essays des Schweizer Autors Lukas Bärfuss, Titel: „Stil und Moral“. Ebenfalls bei Wallstein ist Teresa Präauers Roman „Johnny und Jean“ erschienen, der für den Belletristik-Preis der Messe nominiert ist. Der Hildesheimer Gerstenberg Verlag stellt neue Kinder- und Kochbücher vor. Der Merlin Verlag aus Gifkendorf hat den Band „Jean Genet und Deutschland“, herausgegeben von Matthias N. Lorenz und Oliver Lubrich, im Gepäck.

Der Verlag zu Klampen aus Springe veranstaltet in Leipzig Lesungen:

Vorgestellt wird „Landpartie 15“; die aktuelle Werkschau des Hildesheimer Studiengangs Kreatives Schreiben ist bei zu Klampen erschienen. Und Marion Tauchwitz stellt ihre Selma-Merbaum-Biografie „Ich habe keine Zeit gehabt zuende zu schreiben“ vor. „Leipzig ist deshalb so irre, weil es ein so großartiges Lesefest ist“, sagt Verleger Dietrich zu Klampen. „Nirgendwo sonst kommen wir mit so vielen Kunden zusammen. Und das Gute ist: Die Attraktion der Messe nimmt überhaupt nicht ab.“

Die niedersächsischen Literaturhäuser:

Die Messe als Ort der Begegnung - das schätzen auch die Literaturbüros aus Braunschweig, Göttingen, Hannover, Lüneburg, Oldenburg und Osnabrück. Seit 2005 sind die Literatureinrichtungen mit einem gemeinsamen, vom Land und von der VGH-Stiftung geförderten Stand auf der Messe vertreten. „Das ist für uns ein gutes Forum, uns und unsere Arbeit vorzustellen“, sagt Kathrin Dittmer, Geschäftsführerin des hannoverschen Literaturhauses. Am 80 Quadratmeter großen „Stand der Niedersächsischen Literaturhäuser“, so der offizielle Titel, gibt es keine Lesungen: Dort sollen sich Autoren, Leser und Lektoren, Verleger und Veranstalter begegnen können - und den einen oder oder anderen Termin für Lesungen in Niedersachsen festzurren. In den vergangenen Jahren klappte das, so Kathrin Dittmer, sehr gut.

Die Stars:

Allein fürs Lesefestival „Leipzig liest“ sind rund 3000 Mitwirkende - die meisten davon Autoren - angekündigt. Die Nobelpreisträger Günter Grass und Herta Müller kommen nach Leipzig, die Krimistars Jussi Adler-Olsen und Sebastian Fitzek, ebenso der Regisseur und Autor Florian Henckel von Donnersmarck sowie Erfolgsautor Martin Suter. Beide sind am 16. beziehungsweise 19. März zu Gast beim Literarischen Salon in Hannover. Auch für die Messe angekündigt haben sich: Arno Geiger, Thomas Brussig, Sibylle Berg und Marica Bodrožic.

Die Ehrengäste:

Auch das Ehrengastland der Messe, Israel, ist mit vielen Autoren vertreten. Der prominenteste Schriftsteller des Gastlandes ist Amos Oz, der seinen gerade veröffentlichten Roman „Judas“ vorstellt. Ebenfalls in Leipzig auftreten werden in Deutschland erfolgreiche Autoren wie Lizzie Doron und Meir Shalev. Erstmals zeigt die Messe, auf der es seit Jahren einen großen Comic- und Mangabereich gibt, Comics aus Israel.

Die Probleme der Branche:

Die hohen Besucherzahlen und die ausgelassene Stimmung auf der Messe verweisen darauf: Leser wollen mit anderen Lesern zusammenkommen - und sie wollen Autoren treffen. Daraus entwickeln sich viele wunderbare Momente; ziemlich oft ist die vielbeschworene Magie der Literatur selbst in den wuseligen Hallen zu erspüren. Das ist die eine Seite von Leipzig. Die andere aber ist: Den digitalen Wandel der Branche, der Verlagen und vor allem Buchhandlungen zu schaffen macht, kann man auch auf dieser fröhlichen Messe nicht ignorieren. In mehreren Diskussionsrunden geht es denn auch um die Zukunft der Verlage in Zeiten von Selfpublishing, also dem verlagsunabhängigen Verlegen im Internet, und um die der Sortimenter in Zeiten des Internethandels. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels bietet in Leipzig regelmäßig „Sprechstunden“ an. Dort darf man auch ohne akute Beschwerden auftauchen.

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