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Kultur Nanotechnologie wird große Zukunft vorausgesagt
Mehr Welt Kultur Nanotechnologie wird große Zukunft vorausgesagt
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08:39 12.12.2012
Von Felix Klabe
Wolfgang Heckl ist Generaldirektor des Deutschen Museums in München. Quelle: dpa
Hannover

Herr Heckl, die Nanotechnologie ist verantwortlich für den Lotoseffekt. Er lässt Wasser und Schmutz von Motorhauben einfach abperlen. Das klingt neu und innovativ. Doch ist die Nanotechnologie so frisch, wie sie den Menschen verkauft wird?

Den theoretischen Überbau der Nanotechnologie, der Wissenschaft der winzigen Zwergenteilchen, gibt es schon seit mehr als 50 Jahren. Geprägt wurde der Begriff von Richard Feynman in seiner Silvesterrede vor Studenten der Technischen Hochschule Kaliforniens vor 53 Jahren. Mit Blick auf den atomaren Aufbau von dem, was die Natur zusammenhält, stellte er fest: „There’s plenty of room at the bottom“ - also viel Spielraum nach unten.

Und hat man den Grund mittlerweile erreicht?

Mit der Nanotechnologie können wir ganz genau hinschauen. Sie hilft uns zu verstehen, wie Werkstoffe bis hin zum biologischen System funktionieren. Die Auswirkungen der Nanotechnologie werden die Menschen in der Zukunft beeinflussen. Durch die Untersuchung dieser winzigen Teilchen in Nanoabmessung können wir etwa festere Materialien entwickeln. Es ist einiges möglich. Mir ist es mithilfe dieser Technologie gelungen, das kleinste Loch der Welt zu bohren. Mit der Spitze eines Rastertunnelmikroskops, mit dem man einzelne Atome verschieben kann, habe ich es geschafft, ein einzelnes zu entnehmen. Somit habe ich das kleinste Loch der Welt gebohrt. Doch die Nanotechnologie bedeutet auch, Teilchen hinzuzufügen und so die Eigenschaften einer Struktur zu ändern.

Mit dem bloßen Augen kann man diese Zwergenteilchen nicht sehen. Wie viele von ihnen passen in einen Fingerhut?

Darauf gibt es eine recht einfache Antwort. Etwa ein Mol - also sechs mal zehn hoch 23 Teilchen. Das ist eine Eins mit 23 Nullen. Also eine schier unvorstellbare Menge.

Die Bundesregierung fördert die Nanotechnologie jährlich mit rund 400 Millionen Euro. Wer profitiert davon?

Die Nanotechnologie ist eine Querschnittstechnologie, von der verschiedenste Bereiche - wie die Medizin, Halbleiterelektronik oder die Herstellung neuer Materialien - profitieren. Doch vor allem wir Menschen, weil wir die Natur besser verstehen lernen und die vor uns liegenden Herausforderungen besser meistern können. Ich spreche dabei von Bereichen wie Energie und Ressourcennutzung. Nanomaterialien haben zum Beispiel erst den Bau effektiverer Dieselrußfilter ermöglicht. In einer Produktausstellung im Deutschen Museum in München zeigen wir, wie Gewebe von Kleidung durch Nanotechnologie strapazierfähiger werden kann.

In der Krebsbekämpfung wird Hoffnung in die Nanotechnologie gesetzt.

Sie heilt keinen Krebs. Das wäre ein falsches Versprechen. Aber ohne ein Verständnis der molekularen Ursachen von Krankheiten werden wir niemals in der Lage sein, Krankheiten zu verstehen und zu heilen. Auch gibt es für bestimmte Fälle erste vielversprechende Aussichten, gerade in Deutschland mithilfe einer Nanopartikel basierten Krebstherapie.

Vor gut zehn Jahren kam auch die Idee auf, einen Fahrstuhl an einem Nanoseil hoch in den Weltall fahren zu lassen. Ein Hirngespinst, oder wird daran tatsächlich gearbeitet?

Im Prinzip ist alles möglich, was nicht gegen die Naturgesetze verstößt. Ein solches Seil würde aus vielen verknüpften Kohlenstoff-Nanoröhrchen bestehen, die in ihrer Gesamtheit weitaus strapazierfähiger und leichter als Stahl sind. Hätte Jules Verne nicht über die Mondlandung geschrieben, wäre vielleicht niemand auf die Idee gekommen, dorthin zu fliegen. Wissenschaft ist eben auch die Vorstellung. Am Ende jedoch steht immer die Frage, ob es umsetzbar und sinnvoll ist. Da muss die Gesellschaft mitreden, schließlich muss Forschung und Entwicklung finanziert werden.

So schön die Vorstellung von einer Fahrstuhlfahrt ins All, noch weißerer Wandfarbe und reißfesteren Pullovern auch ist, ganz geheuer ist die Nanotechnologie vielen Menschen nicht. Sie fürchten ein Gesundheitsrisiko.

Die Technologie ist zukunftsweisend, blauäugig darf man sie aber nicht betrachten. Wie jede andere neue Technologie auch wird sie auf ihre Risiken geprüft. Und die Nanotechnologie steht auf einem härteren Prüfstand als die Gentechnik ihrer Zeit. Was die Menschen fürchten, ist, dass Kleinstpartikel, die einem Produkt neue, vielleicht bessere Eigenschaften geben, aufgrund ihrer Größe körpereigene Grenzen durchbrechen, in den Körper gelangen und dort Schaden anrichten.

Ein Beispiel?

Es gibt Nanoröhrchen, die eine lange und spitze Form haben, vergleichbar mit der Form des schädlichen Asbests. Wenn solche einzelnen freien Nanoröhrchen in den Körper gelangen würden, besteht eine Gefahr. Doch im Gegensatz zum früheren Umgang mit Asbest, hat man heute diese Gefahr erkannt. Bei der Produktion von Nanoröhren wird genau darauf geachtet, dass sie nicht in die Luft gelangen werden. Zum Teil werden sie in Mikrochips eingeschlossen, stellen dann keine Gefahr mehr dar. Ein großes Missverständnis ist auch die Sonnencreme. Sie enthält Nanopartikel. Jedoch ist uns kein Fall bekannt, bei dem Menschen gestorben sind, weil sie die Creme nutzten. Eher weil sie sie nicht nutzten und an Hautkrebs erkrankten. Angstmache und Hype sind immer schlechte Ratgeber. Aber sie zeigen, dass Redebedarf besteht.

Wenn die Verträglichkeit von Nanopartikeln noch nicht endgültig geklärt ist, sollte man dann nicht den Verbraucher darauf hinweisen, wenn solche Teilchen in Essen, Kleidung oder Sonnencreme stecken?

Das finde ich problematisch. Zunächst ist ein solcher Beschluss vom EU-Parlament in Brüssel bereits im vergangenen Jahr gefasst worden. Doch den Supermarkt hat es noch nicht erreicht. Eine solche Plakette ist etwas Negatives. Weise ich jeden Artikel aus, in dem Teilchen von Nanogröße enthalten sind? Dann prangt praktisch überall ein Aufkleber. Sinnvoller wäre es, Inhaltsstoffe, Herstellungsorte und Verfahren in einer frei zugänglichen Datenbank für den Bürger transparent zu machen. Geht es bei der Auszeichnung nur um funktionelle Nanoteilchen, bei deren Hinzufügen eine neue Funktionalität entsteht, sind es weit weniger. Auch Aspirin, wie fast jedes Medikament, enthält solche Teilchen, weil es ja gerade auf der molekularen Skala seine Wirkung entfaltet. Ist Aspirin richtig eingenommen schädlich? Jeder freut sich doch, wenn der Kopfschmerz verschwindet. Noch gibt es keinen klaren Weg, wie man mit der Ausweisung umgeht.

Was erwarten Sie von der Diskussion mit anderen Experten hier in Hannover?

Dass über die Technologie geredet wird. Dass Nutzen und Risiko nicht verschwiegen, sondern diskutiert werden.

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