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19:34 09.11.2016
In neuer Rolle: Aeham Ahmad ist jetzt Pianist des Welcome-Board-Ensembles. Foto: Körner Quelle: Alexander Körner
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Hannover

Zerstört, verloren oder gar nicht erst mitgenommen: Wenn Musiker aus Krisengebieten wie Syrien fliehen müssen, lassen sie ihr Instrument meist zurück - und damit auch eine Möglichkeit, ihren Beruf im fremden Land damit auszuüben. Das sogenannte Welcome Board, eine Initiative der Organisation Musikland Niedersachsen, will sich um sie kümmern. Geschäftsführer Markus Lüdke begreift das Projekt als „Servicestelle für ankommende Musik“. Seit sechs Monaten unterstützt sein Team geflüchtete Musiker darin, einen Weg in die hiesige Musiklandschaft zu finden.

„Unser erstes Anliegen war, überhaupt erst einmal zu erfahren, wer da zu uns gekommen ist“, sagt Lüdke. 100 000 Flüchtlinge waren es im vergangenen Jahr in Niedersachsen, mit über 70 von ihnen, die als Musiker, Musikpädagogen und Musikproduzenten gearbeitet hatten, sind seine Mitarbeiter derzeit im Gespräch. Das Beschaffen eines Instruments ist dabei nur ein kleiner Aspekt: „Wir wollen den Musikern dabei helfen, sich eine eigene Existenz aufzubauen“, sagt Lüdke. Das Welcome Board soll beim Spracherwerb helfen und Übungsräume oder Praktika in Theatern, Museen und anderen Institutionen vermitteln.

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Service

Kontaktinformationen für die Zusammenarbeit mit geflüchteten Musikern gibt es hier.

Im Welcome Board arbeitet als Praktikant der 20-jährige Jan Youssef, der vor einem Jahr aus Syrien nach Deutschland gekommen ist. Auf der Jahreskonferenz von Musikland Niedersachsen, bei der am Dienstag und Mittwoch mehr als 200 Musikschaffende im Pavillon über das Thema „Vielfalt, die ankommt“ diskutiert haben, steht er mit neun weiteren Musikern auf der Bühne: als das Welcome-Board-Ensemble.

Koordinatorin Jamila Al-Yousef hat dafür deutsche und geflüchtete Musiker zusammengebracht. „Wir haben festgestellt, dass überall der Wunsch an erster Stelle steht, Leute zu treffen, um gemeinsam Musik machen zu können“, erklärt sie. „Man lernt schnell und viel mit solchen Leuten“, sagt der junge Syrer Jan Youssef über die Zusammenarbeit mit den Profimusikern und meint damit neben der Musik auch die Sprache.

Einer dieser Musiker ist der Pianist Aeham Ahmad, der durch seine Auftritte im syrischen Flüchtlingscamp Jarmuk bekannt geworden ist. Dort hat er gespielt, um Kinder von ihren Traumata abzulenken. In Hannover engagiert er sich in der Reihe „Dance The Tandem“ am Schauspielhaus, ebenfalls ein Projekt der Initiative.

Das Ministerium für Wissenschaft und Kultur will das Welcome Board weitere zwei Jahre lang unterstützen, sagt Lüdke. Und er weiß auch schon genau, wie es weitergehen soll: Zum einen ist geplant, mit dem Center for World Music der Universität Hildesheim eine Instrumentensammlung anzulegen, in der neben westlichen auch arabische Instrumente ausgeliehen werden können. Zum anderen sind Workshops geplant, in denen die Musiker etwas über die Institutionen, die Verbandsstrukturen und die finanziellen Möglichkeiten in der Musikszene erfahren. Und einige müssten sich nachqualifizieren, damit ihre Abschlüsse auch für so seltene Instrumente wie die Langhalslaute in Deutschland anerkannt werden.

Jamila Al-Yousef wünscht sich vor allem, dass die Kompetenzen als solche anerkannt werden - anders als etwa in dem von ihr erwähnten Fall einer Theaterwissenschaftlerin, der nahegelegt wurde, sich zur Friseurin umschulen zu lassen. „Das kann Biografien total kaputt machen.“ Dabei könne man so viel voneinander lernen.

Von Katharina Derlin

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