Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur Musica assoluta ehrt Witold Lutosławski in der Galerie Herrenhausen
Mehr Welt Kultur Musica assoluta ehrt Witold Lutosławski in der Galerie Herrenhausen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:49 28.01.2013
Engagiert: musica assoluta in der Galerie Herrenhausen. Quelle: Tobias Kleinschmidt
Hannover

Witold Lutosławski ist einer der Komponisten, die im fulminanten Verdi- und Wagner-Jahr ziemlich untergehen. Dabei wäre der polnische Komponist und Dirigent in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Ein Grund zum Feiern – dachte sich das hannoversche Ensemble musica assoluta und widmete Lutosławski nicht nur ein Konzert, sondern gleich eine ganze „Lange Nacht der Musik“. Musica assoluta, unter der Leitung von Thorsten Encke, bewies in der Galerie Herrenhausen viel Mut zu einer gewagten Mischung aus unbekannter Musik, pädagogischen Elementen und dem Wohlfühlfaktor fürs Publikum.

Wenn polnische Gulaschsuppe in den Pausen auf differenzierte musikalische Ausführung im Konzert trifft, lässt sich sagen: Das ist ein gelungenes Rund-um-Kultur-Erlebnis, bitte mehr davon!
Statt Christiane Oelze, die kurzfristig wegen einer Stimmbandentzündung absagen musste, stand die ukrainische Sopranistin Olga Pasichnyk auf der Bühne. Mit Lutosławskis „Chantefleurs et Chantefables“ für Sopran und Orchester hatte Pasichnyk im Jahr 2004 eine preisgekrönte CD-Aufnahme veröffentlicht. Schnell wurde klar warum: Extrem kraftvoll und durchdringend – vor allem in den Sopran-Mittellagen – sang Pasichnyk und fühlte die Handlung des Textes außerdem spürbar mit. An einigen Stellen schauspielerte sie beinahe und ließ das Gesungene somit greifbar und lebendig werden.

Wenn in den kuriosen Texten vom Krokodil am Mississippi die Rede war, schwamm selbiges klangmalerisch durch die Fagottstimme. Das Kammerorchester konnte ebenso einen Schwarm Schmetterlinge oder Grashüpfer zum Leben erwecken. Musica assoluta und Solistin gingen hier eine überzeugende Verbindung ein. Wenn die Musik richtig umgesetzt wird, dann ist auch ein Komponist des 20. Jahrhunderts gut zugänglich.

In Lutosławskis „Danse Préludes“ sind zum letzten Mal volksliedhafte Anklänge aus Polen zu hören, bevor sich der Komponist in seinen späteren Werken neuen Techniken zuwendet. Klarinettist Ishay Lantner setzte die teils heitere, teils nachdenkliche Solomelodie schön um. In genauer Kommunikation mit dem Orchester verschwanden die weit ausgespielten Linien mal hinter dem Gesamtklang, um sich anschließend wieder frech vor die anderen Musiker zu stellen.
Umrahmt wurde das Programm von Maurice-Ravel- und Claude-Debussy-Stücken. Auch hier stellte musica assoluta wieder seine hohe Qualität unter Beweis.

Nicht nur das Programm rund um Lutosławski war gewagt, sondern auch die Finanzierung des Abends. Neben der Unterstützung durch Sponsoren und Stiftungen hatten die Musiker über eine Internet-Plattform zu privaten Spenden für die Veranstaltung aufgerufen. Auch durch dieses sogenannte „Crowdfunding“ hatte musica assoluta genügend Geld gesammelt, um nach dem Konzert noch die „Lange Nacht der Musik“ zu Ehren Lutosławskis zu beginnen. Dabei formierten sich die Musiker zu kleineren Ensembles und füllten den Barocksaal von verschiedenen Standorten aus mit weiterer Musik. Nach einem Konzert noch weiterzumusizieren zeugt nicht nur von Können, sondern auch von großer Motivation und viel Engagement.

Rebekka Sambale

Kultur „Weltausstellung Prinzenstrasse" - Ilija Trojanow zu Gast im Schauspiel Hannover

Die Reihe „Weltaustellung Prinzenstraße" im hannoverschen Schauspielhaus erkundet den Zustand der Welt: Die nächsten Veranstaltungen betreut Autor Ilija Trojanow, der jetzt schon mal für eine Lesung aus seinem Roman „EisTau" anreiste.

Martina Sulner 28.01.2013

Jeder neue Roman von Tom Wolfe ist ein Ereignis: Jetzt erscheint "Back to Blood" in Deutschland - die Geschichte des aus Kuba stammenden Polizisten Nestor Camacho, der sich in Miami zwischen alle Stühle setzt.

Rainer Wagner 27.01.2013

Swing im Getto: Jazzlegende und KZ-Überlebender Coco Schumann erzählte und spielte jetzt in der hannoverschen Villa Seligmann. Da ging es auch ums Aufeinandertreffen mit Louis Armstrong und Ella Fitzgerald.

Simon Benne 27.01.2013