Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur Museumspreis für den "Speicher der Erinnerung"
Mehr Welt Kultur Museumspreis für den "Speicher der Erinnerung"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:07 07.01.2010
Von Simon Benne
Ausgezeichnet: Das Dokumentationszentrum in Bergen-Belsen. Quelle: AP (Archiv)
Anzeige

Seit 1992 fördert Niedersächsischen Sparkassenstiftung Museen. In diesem Jahr gingen die Preise an das Dokumentationszentrum Bergen-Belsen, das Residenzmuseum im Celler Schloss und die Städtische Galerie Wolfsburg

Das Geschäft wird mühsamer für die meisten Museen: Das Gros der Häuser verzeichnet leichten Besucherschwund, Sponsoren machen sich in Krisenzeiten rar. Ökonomische Zwänge und kulturelle Konkurrenz treiben Museumsmacher dazu, verstärkt auf Blockbuster-Ausstellungen zu setzen – mit der Gefahr, ausschließlich auf die Anforderungen des Infotainments zu schielen und das Sammeln, Forschen und Bewahren in den Wind zu schreiben, um bloß nicht als verstaubt zu gelten.

Anzeige

Vor allem jedoch greift eine Mentalität um sich, die den Wert von Museumsgut ausschließlich nach dessen Preis zu beziffern sucht: Skeptiker fürchten, mit groß angelegten Inventarisierungen, wie jüngst auch in Hannovers Museen, könnte auch die Versuchung wachsen, einmal taxierte Exponate zu Geld zu machen. So hat der Stiftungsrat der Hamburger Kunsthalle das Museum unlängst aufgefordert, eine Liste mit „entbehrlichen Kunstwerken“ zu erstellen. „Museen sollen als Kulturdienstleister nicht nach Gewinnmaximierung streben“, sagt hingegen Sabine Schormann, Stiftungsdirektorin der Niedersächsischen Sparkassenstiftung. Gleichwohl sollten sie erfolgsorientiert arbeiten: „Häuser, die diesen Balanceakt schaffen, sind die Avantgarde der Museumslandschaft.“

Seit 1992 fördert die Stiftung solche Einrichtungen mit dem alle zwei Jahre vergebenen Museumspreis. Jetzt hat sie drei Einrichtungen prämiert – und dabei gute Entscheidungen getroffen. Den mit 25 000 Euro dotierten Hauptpreis erhält das 2007 eröffnete Dokumentationszentrum in der Gedenkstätte Bergen-Belsen. Jährlich kommen rund 300.000 Besucher in das ehemalige KZ – etwa 30 Prozent mehr als vor der Umgestaltung.

Das Dokumentationszentrum, das die Geschichte des Lagers aufbereite, sei „Ort des Gedenkens, Speicher der Erinnerung und Archiv des Wissens zugleich“, heißt es in der Begründung der Jury. Ausgezeichnet werde vor allem die Weiterentwicklung von einer Gedenkstätte zu einem Museum, das sich auch dem Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln verschrieben habe und „erstklassige Arbeit von nationaler und internationaler Strahlkraft leiste“.

Mit 12 500 Euro prämiert die Sparkassenstiftung das von der umtriebigen Leiterin Juliane Schmieglitz-Otten geführte Residenzmuseum im Celler Schloss – ebenfalls eine kluge Wahl, zumal dort niedersächsische Geschichte besonders anschaulich, aber nie flach vermittelt wird. Die Jury würdigt das ebenfalls 2007 neu konzipierte Haus mit einem bemerkenswerten Satz: „Untypisch für Museen suchte man bei der Erarbeitung des Konzepts von Anbeginn sehr uneitel die Zusammenarbeit mit verschiedensten Einrichtungen.“ So sei es gelungen, in Niedersachsen ein neues landesgeschichtliches Zentrum zu etablieren, das sich auf elegante Weise an Besucher aller Altersstufen und sozialen Schichten wende.

Auch die Städtische Galerie Wolfsburg wird mit 12.500 Euro bedacht. Die Einrichtung, beheimatet im mittelalterlichen Schloss, habe bei der Vermittlung Bildender Kunst stringente Arbeit geleistet, heißt es seitens der Jury. Die Galerie habe sich „in einem engmaschigen kulturellen Umfeld ein starkes eigenes Profil“ geschaffen. Anders gesagt: Sie hat sich von den großen Kulturorten in der Nachbarschaft wie der Autostadt oder dem Kunstmuseum nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Sich zu behaupten, ohne sich zu verkaufen – wie das gelingt, könnte für viele Museen eine Zukunftsfrage werden.