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Kultur „Sammlung Gurlitt passt in kein Kunstmuseum“
Mehr Welt Kultur „Sammlung Gurlitt passt in kein Kunstmuseum“
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11:18 10.05.2014
Foto: Martin Roth (59) zählt zu den wichtigsten deutschen Museumschefs.
Martin Roth (59) zählt zu den wichtigsten deutschen Museumschefs. Quelle: dpa
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London

Die millionenschwere Bildersammlung von Cornelius Gurlitt passt nach Ansicht von Martin Roth, Chef des Victoria and Albert Museum London, in kein Kunstmuseum. Dagegen sprechen aus seiner Sicht historische und ethische Gründe, wie er im Interview der Nachrichtenagentur dpa sagte.

Die Gurlitt-Sammlung soll nach dem Willen des Erblassers ins Ausland gehen - ein Verlust für Deutschlands Kultur?
Von Verlust kann man nicht reden, ehe die Rechtsverhältnisse geklärt sind. Ich bin mir sicher, dass sich die Berner Verantwortlichen die Annahme des Erbes mit allen Pflichten behutsam überlegen. Dennoch sollten wir froh sein, dass die Kunstwerke wieder aufgetaucht sind. Wo diese ausgestellt werden, sollten die rechtmäßigen Besitzer nicht gefunden werden, wäre für mich sekundär.
Was halten Sie von Überlegungen, die Bilder als nationales Kulturgut zu deklarieren, um die Ausfuhr zu verhindern?
Es gibt klare Regeln für die Definition von nationalem Kulturgut. Es geht um einmalige (kunst)historische Objekte, hier geht es um einen einmaligen historischen und politischen Fall. Kulturgüterschutz kann nicht eine Rechtslage ersetzen.

Zur Person

Martin Roth (59) zählt zu den wichtigsten deutschen Museumschefs. Unter seiner Leitung eroberten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ihren Rang in der internationalen Liga zurück. Von 1991 bis 2001 war der Schwabe Direktor des Deutschen Hygiene-Museums Dresden, 1995 bis 2003 auch Chef des Deutschen Museumsbundes. Seit Herbst 2011 leitet er das Victoria and Albert Museum in London - er ist der erste Deutsche an der Spitze eines britischen Topmuseums.

Ist das Kunstmuseum Bern aus Ihrer Sicht der richtige Ort für die Kollektion, passt sie in die dortige Sammlung?
Es ist das älteste Schweizer Kunstmuseum, sehr solide. Aber die Frage stellt sich nicht: Aus historischen und ethischen Gründen passt die Sammlung in kein Kunstmuseum - vielleicht noch am ehesten als Dauerleihgabe ins Israel-Museum nach Jerusalem.
Ist das Berner Museum überhaupt in der Lage, das Erbe zu schultern und die nötige Provenienzforschung zu leisten?
Wie gesagt, wer auch immer die Verantwortung übernimmt, wird für lange Zeit traumatisiert sein. Ehe die Provenancen und die Rechtsverhältnisse geklärt sind, würde ich überhaupt nichts unternehmen. Aber: Die Bilder können für ihr Schicksal nichts, gegen eine Ausstellung einzelner Werke spricht gar nichts.
Sollte die Sammlung vielleicht auf Tour gehen?
Eine Gurlitt-Horror-Picture-Show, schreckliche Vorstellung.
Was würden Sie als Museumschef tun, wenn sie Ihrer Einrichtung vermacht würde? Wäre sie eher Last oder doch Bereicherung?
Jedes hochwertige Bild ist eine Bereicherung. Und dennoch muss der rechtliche und ethische Kontext geklärt sein. Während meiner Zeit in Dresden gehörte dies zu meinem Alltagsgeschäft - leider.
Ist die Sammlung künstlerisch so bedeutend und qualitativ, wie man vermuten, aber nicht gesichert wissen kann?
Ich kenne die Sammlung auch nur aus den Medien. Da der Kunstmarkt immer wieder eine frische Bluttransfusion braucht, ist der Wert sicherlich exorbitant.
Wie wird der Fall Gurlitt im Ausland gesehen, haben auch britische Museen unter Umständen Interesse an den Bildern?
Es passt in das Deutschlandbild von Neonazis und brauner Hinterlassenschaft. Die BBC nannte es eine Mischung von „Schatzfund und Gesetzesalptraum“. Sollte eines der Bilder im Besitz eines englischen Museums gewesen sein, dann gibt es sicher ein berechtigtes Interesse. Ich wüsste nicht, weshalb sonst.
dpa

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