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Kultur Museum bei Neapel vernichtet Kunst
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13:35 18.04.2012
Foto: Das CAM in Neapel will mit einer Protestaktion auf fehlende Gelder aufmerksam machen.
Das CAM in Neapel will mit einer Protestaktion auf fehlende Gelder aufmerksam machen. Quelle: dpa
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Neapel

Das Museum in der neapolitanischen Provinz hat seine Drohung wahrgemacht: Mit der spektakulären Verbrennung von Kunstobjekten protestiert das auf Zeitgenössisches spezialisierte „CAM“-Museum gegen seine finanzielle Not und fehlende Aufmerksamkeit.

Ein Acrylbild der französischen Künstlerin Séverine Bourguignon mit dem Titel „La Promenade“ war das erste Werk, das der Direktor des Privatmuseums, Antonio Manfredi, am Dienstagabend im kampanischen Casoria in Brand steckte. Er sprach von einem „Opfer zum Wohle von Kunst und Kultur“, berichtete der Mailänder „Corriere della Sera“ am Mittwoch. Manfredi sieht sich als Vorreiter gegen die Kunstkrise. Denn auch andere Kunstmuseen in Italien stecken in Schwierigkeiten.

Den ganzen Dienstag über habe er zuvor noch auf ein Zeichen der Unterstützung von staatlicher Seite gehofft, sagte der Leiter. Dem Museum fehle es an allem, an Geld und an Räumen für die Kunstwerke. Doch das Kultusministerium in Rom erklärt sich für nicht zuständig und hat im übrigen mit den Problemen der staatlichen Museen zu tun.

Die Malerin des Bildes, das eine rosa Blume zeigte und bis zu 10.000 Euro wert gewesen sein soll, war während der Verbrennung über Skype zugeschaltet. Sie nannte die Verzweiflungstat des Museums eine notwendige politische Aktion. Am Mittwochabend wollte die Künstlerin Rosaria Matarese aus Neapel als nächste eines ihrer Werke anzünden.

Wöchentlich sollen nun drei Werke verbrannt werden. Das Museum der 80.000-Einwohner-Stadt hat dafür ein Dutzend Werke internationaler Künstler ausgesucht, darunter eines der Deutschen Astrid Stöfhas. Alle Künstler seien während der Aktion anwesend oder via Internet dabei. Man mache weiter, bis Hilfe komme, sagte Manfredi. Er sei die Spitze eines Protestes und setze auf die Unterstützung „europäischer Künstler, die dieselben wirtschaftlichen Probleme haben wie wir“.

Eine tiefe Krise der zeitgenössischen Kunst im Italien der wirtschaftlichen Rezession beklagt die Amaci-Vereinigung, die 27 Kunsteinrichtungen dieses Sektors vertritt. Das Maxxi-Museum für die Kunst des 21. Jahrhunderts in Rom solle wegen finanzieller Probleme stärker staatlich kontrolliert werden. In Trient beschneide die Kommune die Mittel für die Galleria Civica, und ein Museum in der sardischen Hauptstadt Cagliari warte seit Monaten auf einen Leiter. Auch in Palermo und Neapel kämpften Museen mit Problemen. Der Verband dringt nun darauf, von Regierungschef Mario Monti angehört zu werden.

„Ohne Investitionen ist es besser, die Kunstwerke zu zerstören“, hatte das CAM (Casoria Contemporary Art) genannte Museum in Casoria nördlich von Neapel seinen ungewöhnlichen Schritt begründet. Er folge auf viele vergebliche Hilferufe an nationale und europäische Stellen, erklärte das Museum. „Die 1000 internationalen Kunstwerke unserer zeitgenössischen Sammlung würden sowieso wegen der Gleichgültigkeit der Institutionen vor der Zerstörung stehen“, erläuterte Manfredi.

Das CAM-Museum hatte sich 2011 auch an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt, um zu verhindern, „dass ein bedeutendes kulturelles Erbe verloren geht“. Er bitte um politisch-kulturelles Asyl für seine Sammlung in der Bundesrepublik, schrieb Direktor Manfredi damals.

Nach Manfredis Darstellung hat das 2005 gegründete Museum zwei Jahre der Drohungen und des Vandalismus hinter sich. Er führte diese feindseligen Akte auf Ausstellungen zur Mafia, zur Immigration, zu Zensur und Pädophilie zurück. Das nicht subventionierte Museum ist nach den Angaben auf einer Fläche von etwa 3000 Quadratmetern in einer ehemaligen Schule entstanden. Rund 1000 Kunstwerke seien dort zu sehen. Sie stammten von Künstlern aus über 60 Nationen.

dpa

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