Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur „Minna von Barnhelm“ am Schauspiel Hannover
Mehr Welt Kultur „Minna von Barnhelm“ am Schauspiel Hannover
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:07 13.01.2013
Von Stefan Arndt
Nimmt ihr Glück selbst in die Hände: Franziska (Carolin Eichhorst) geht ihrer Herrin Minna (Julia Schmalbrock) und dem zögerlichen Tellheim (Thomas Mehlhorn; von links) voran. Quelle: Ribbe
Hannover

„Die Ehre ist – die Ehre“: Es klingt fast ein wenig schnippisch, wie diese Frau ihren widerspenstigen Verlobten in die Schranken weist. Was ist schon die Ehre? Nur ein Wort. Da kann Major von Tellheim doch nicht ernsthaft seine Liebe opfern, nur weil er sich nach einer Demütigung durch den Arbeitgeber seiner Minna nicht mehr würdig fühlt? Das ist doch lächerlich.

Tatsächlich gibt es viel zu lachen an diesem am Ende auch heftig beklatschten Abend im hannoverschen Schauspielhaus. Gotthold Ephraim Lessing hat sein Lustspiel „Minna von Barnhelm“ 1767 als Vorbild für eine „wahrhafte“ deutsche Komödie verstanden. Und Regisseur Hasko Weber, derzeit noch Schauspielchef in Stuttgart und ab Sommer Intendant des altehrwürdigen Nationaltheaters in Weimar, zeigt als Gast in Hannover auf vorbildliche Weise, dass dieses klassische Muster noch heute bestens funktioniert.

Er verzichtet auf eine direkte Aktualisierung des Stoffes und setzt ganz auf den Sprachwitz des Autors und die Virtuosität der hannoverschen Schauspieler. Fast scheint es, der zeitlose Hotelraum, den Thilo Reuther ganz vorn an die Rampe gebaut hat, genügt schon, um den Zuschauern das Stück nahezubringen. Zeitbezüge gibt es trotzdem genug, schließlich geht es um eine Schuldenkrise – wenn auch um eine private. In den Wirren des Siebenjährigen Krieges hat Major von Tellheim sein Vermögen verloren und ist zudem unehrenhaft aus der Armee entlassen worden. Nun glaubt er, sich nicht mehr mit der unbescholtenen Minna von Barnhelm vermählen zu können. Der sind diese Umstände aber gleichgültig, und es gelingt ihr wortgewandt und trickreich, ihren Verlobten zurückzugewinnen.

Dass Geld hier Nebensache ist, begreift man in Hannover leicht: Am Ende wird es schubkarrenweise achtlos auf die Bühne gekippt. Und auch die Liebe spielt keine große Rolle. Sie wird einfach als gegeben vorausgesetzt. Statt um große Gefühle geht es eher um den pragmatischen Umgang damit. Beispielhaft verhält sich dabei Minnas Mädchen Franziska, die ihr Glück in die Hand nimmt und kurzerhand selbst um die Hand des Wachtmeisters anhält, nachdem der alle dezenteren Hinweise übersehen hat.

Aljoscha Stadelmann gibt diesen Werner als wortkargen, treuherzigen Mann und ist damit eine Ausnahme unter den eloquenten Figuren des Abends. Und dass Thomas Mehlhorn als Tellheim etwas miesepetrig und blass wirkt, passt nur zu gut zu diesem hypochondrischen Liebhaber: Der Ruhm, der bei ihm vorausgesetzt wird, bleibt genauso Behauptung wie die (vorübergehende) Schmach, der er sich ausgesetzt sieht.

Die eigentlich starken Figuren sind hier die Frauen. Julia Schmalbrock ist eine kluge, entschlossene und (trotz Rokokokleid) verblüffend moderne Minna, der der alte Soldat Tellheim nie recht gewachsen ist. Und mit ihren wasserfallartigen Reden in thüringischer Mundart hat Carolin Eichhorsts Franziska nicht nur den Wirt (wunderbar halbseiden: Andreas Schlager) fest im Griff, sondern ist auch Tellheims Diener Just weit überlegen, den Janko Kahle angemessen derb spielt.

Der kurze Auftritt des Grafen von Bruchsal ist den beherzten Kürzungen des Stücks zum Opfer gefallen. Aus den verbliebenen kleinen Nebenrollen macht Florian Hertweck umso entschiedener große Auftritte. Als Feldjäger brüllt, marschiert und prustet er als grelle Soldatenkarikatur, und für die unsinnigen Sprachschnörkel des Riccaut de la Marlinière verbiegt Hertweck seinen Körper ebenso grotesk und virtuos wie dieser das Französische.

Maßlos albern sind diese Einlagen und doch genau richtig dosiert: Sie fügen sich in Webers Inszenierung perfekt in das ausbalancierte Geflecht aus Ernst und Heiterkeit, das auch Lessing in seinem Stück erreichen wollte. „Das Possenspiel will nur zum Lachen bringen; das weinerliche Lustspiel will nur rühren; die wahre Komödie will beides“, schrieb der schon 1754. In Hannover ist dieses Wollen nun Wirklichkeit.

Weitere Vorstellungen am 15., 19., 23. und 30. Januar sowie am 2., 8., 22 und 28. Februar. Kartentelefon: (0 511) 99 99 11 11.

Kraftwerks musikalischer Einfluss gilt vielen als epochal. In ihrem Düsseldorfer Kling-Klang-Studio werden die Anfänge der elektronischen Musik verortet. Nach mehr als 20 Jahren trat die Gruppe nun erstmals wieder live in ihrer Heimatstadt auf – im Museum.

13.01.2013

Oscar-Preisträger Christoph Waltz (56) hat Kult-Regisseur Quentin Tarantino (49) als Erneuerer für die Wagner-Festspiele in Bayreuth vorgeschlagen. „Quentin wäre jemand für ein neues Bayreuth, absolut“, sagte Waltz dem Magazin „Focus“. „Aber er müsste sein eigenes Bayreuth schaffen.“

14.01.2013

Am 2. April eröffnen die Movimentos Festwochen in der Wolfsburger Autostadt. Rammstein wird mit zwei Konzerten am 4. und 5. Mai mit von der Partie sein und dem Publikum mächtig einheizen.

Ronald Meyer-Arlt 13.01.2013