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Kultur Mick Jaggers alter Mythos bekommt neue Kratzer
Mehr Welt Kultur Mick Jaggers alter Mythos bekommt neue Kratzer
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14:51 17.10.2010
Kommt in den Memoiren von Keith Richards (r.) nicht gut weg: Rolling-Stones-Sänger Mick Jagger.
Kommt in den Memoiren von Keith Richards (r.) nicht gut weg: Rolling-Stones-Sänger Mick Jagger. Quelle: dpa
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„Unausstehlich“ soll er heute sein, ein „sexuelles Raubtier“ war er schon immer. Seine Ehefrau betrog er noch, als sie nach der Geburt des gemeinsamen Kindes an Depressionen litt. Und dazu soll er ein ziemlich „kleines Pimmelchen“ haben. Für Mick Jagger (67) kommt er derzeit ziemlich dicke. Binnen weniger Tage packten zwei seiner längsten und engsten Lebensbegleiter ihre Erinnerungen aus.

Besonders gut lassen sie den Rolling-Stones-Frontman nicht dastehen. Auf seinem Weg, endlich „Satisfaction“ - Zufriedenheit und Befriedigung - zu erlangen, waren Jagger die anderen oft scheinbar ziemlich egal. Falls man den Enthüllungen Glauben darf.

Fast wirkt es wie ein therapeutischer Bruch mit der Vergangenheit: Jahrelang hatte sie versucht, ihr Privatleben von der Öffentlichkeit abzuschirmen, doch am Wochenende brachte Jaggers Ex-Frau Jerry Hall (54) ihre Biografie heraus. Gleichzeitig ließ sie Kunstwerke aus ihrer gemeinsamen Zeit mit Jagger versteigern.

Als wäre der Schlag in Jaggers Gesicht noch nicht hart genug, stellte auch Bandkollege Keith Richards (66) Auszüge aus seinen Memoiren vor, die am 26. Oktober erscheinen. Beide halten sich nicht zurück und verpassen dem Mythos Jagger neue Kratzer.

Hall litt vor allem unter der Sucht nach Frauen, von der Jagger offenbar besessen war. „Ich hatte ihn von den Drogen weggebracht, also dachte ich, ich könnte ihm auch die Frauen abgewöhnen“, schreibt sie. Mehr als 20 Jahre lang nahm sie den Kampf auf sich. „Er war ein gefährliches sexuelles Raubtier, ich fühlte mich bei ihm nie sicher.“

Trotz der vier gemeinsamen Kinder und der Hochzeit, die das Paar 1990 zusammenschweißen sollte, war alle Seelenqual vergebens. 1998 ließ Hall sich scheiden, als bekanntwurde, dass Jagger ein Kind aus einer seiner Affären erwartete: „Das war einfach zu viel.“

Heute lebt die Texanerin mit den Kindern in London und scheint das Jagger-Trauma so langsam überwunden zu haben. 14 Kunstwerke aus ihrer Sammlung, zum Teil Erinnerungen an ihre Zeit mit dem Sänger, ließ sie am Wochenende bei Sotheby’s für 2,4 Millionen Pfund (2,7 Millionen Euro) versteigern. Für sie war das Ganze nach eigenem Bekunden eine Art „Ausmisten“ und „nach vorne schauen“.

„Ich glaube, es geht darum, die Vergangenheit ziehen zu lassen“, sagte sie in einem Sotheby’s-Magazin. „Wenn man ein bestimmtes Alter erreicht hat, will man einfach einige Dinge loswerden. Es ist sehr gut, spontan zu handeln und Dinge zu ändern. Ich habe keine Angst vor Veränderungen“, betonte die 54-Jährige.

Dass Jaggers Bandkollege, Rolling-Stones-Gitarrist Richards, heute noch vor irgendetwas Angst hat, darf bei einem Blick in seine Memoiren bezweifelt werden. Während Rock’n’Roller Jagger sich dem Sex verschrieben hatte, waren es bei Richards vor allem die „Drugs“.

Doch sein jahrzehntelanger Drogenkonsum hat seine Erinnerungen offenbar nicht getrübt. „Es war Anfang der achtziger Jahre, als Mick begann, unausstehlich zu werden“, schreibt er. „Ich glaube, Mick denkt, ich würde ihm gehören“, geht es weiter. Die Krönung: Jagger habe einen „tiny todger“, ein „kleines Pimmelchen“.

Hat Jagger das Buch schon gelesen, fragte eine Reporterin der „Times“ den Rockveteranen. Ja, antwortet Richards. Und seltsamerweise sei das einzige, was er habe streichen wollen, eine Passage über seine Stimm-Schulungen gewesen. Im Ganzen habe ihm die Lektüre vielleicht ganz gut getan, meint Richards. „Ich glaube, es hat seine Augen geöffnet.“

dpa