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22:02 21.12.2014
Von Reinhard Urschel
Udo Jürgens – der Sänger, Komponist und Entertainer – begeisterte sein dankbares Publikum mit großen Hits wie „Griechischer Wein“, „Aber bitte mit Sahne“ und „Merci, Cherie“.  Quelle: imago
Zürich

Udo Jürgens ist tot. Er ist bei einem Spaziergang in Gottlieben im Schweizer Kanton Thurgau zusammengebrochen. Sofort eingeleitete Wiederbelebungsmaßnahmen waren vergeblich. Udo Jürgens starb im Alter von 80 Jahren um 16.25 Uhr im Kantonsspital Münsterlingen.

Welchen Stellenwert Udo Jürgens in der Welt des Showbusiness eingenommen hat, lässt sich nur schwer festmachen, schon weil er natürlich ein Schlagersänger war, aber auch Chansons schrieb und ein Musical. Irgendwann ist ein findiger Boulevardjournalist auf die Idee gekommen, ihn den „deutschen Frank Sinatra“ zu nennen, aber auch das stimmt nicht so genau, weil Jürgens von Geburt Österreicher war und schon lange auch die Schweizer Staatsbürgerschaft besaß.

Die Deutschen haben Udo Jürgens vereinnahmt; das Besondere daran ist, dass er selbst bei Jugendlichen leidlich gelitten war, die den härteren Sound von Rock und Beat für sich bevorzugten. Auf Udo Jürgens und seine Musik konnten sich die Generationen halbwegs verständigen.

„Seine Musik“, das ist bei ihm wörtlich zu nehmen, denn er hat seine Lieder selbst geschrieben, wieder etwas, was ihn meilenweit über viele, viele andere Schlagersänger erhebt. Mehr als tausend Lieder sollen es gewesen sein, darunter auch Hits für Shirley Bassey und Frank Sinatra.

Auch in Amerika bekannt

Den ganz großen Sprung über den großen Teich hat Jürgens nicht geschafft, obwohl er den Amerikanern durchaus kein Unbekannter war. Dass er, wie in einem seiner Hits behauptet, „noch niemals in New York“ gewesen sei, konnte schon deshalb nicht stimmen, weil er dort seine zweite Frau Corinna geheiratet hat.

Der gebürtige Klagenfurter, der mit bürgerlichem Namen Udo Jürgen Bockelmann hieß und einen langjährigen Frankfurter Oberbürgermeister zum Onkel hatte, hat es verstanden, seine Lieder so eingängig zu schreiben, dass man sie mitsingen konnte, ohne dass sie gleich zu Gassenhauern verkommen sind. Wer heute älter als vierzig ist, wird bei entspannter Gitarrenbegleitung ohne Weiteres ein paar Strophen von „Merci Chérie“ (dem Eurovisions-Sieger-Hit von 1966), von „Siebzehn Jahr, blondes Haar“ und von „Griechischer Wein“ mitsingen können.

Gerade dieses Lied ist aber ein Beispiel dafür, dass dieser Chansonnier eben kein bloßer Discobrüller war, sondern im Laufe seiner Karriere eine Botschaft entwickelte: Toleranz zu üben gegenüber den Einwanderern, die seinerzeit noch Gastarbeiter hießen, und den Spießbürgern Paroli zu bieten. Man höre noch einmal das „Ehrenwerte Haus“.

Kein Schwiegermuttertyp

Obwohl sein Privatleben nicht gerade nach dem Vorbild eines Schwiegermuttertypen verlief (neben zwei ehelichen Kindern hat er auch zwei uneheliche und ein paar weitere mögen es auch gerne sein), hatte er bei den reiferen Damen seinen dicksten Stein im Brett.

Wenn Udo am Ende eines Konzertes, während dem er reichlich Kamillentee aus der Thermoskanne zu trinken pflegte, im weißen Bademantel auf der Bühne erschien für die Zugaben, schmolz dieser Teil des Publikums förmlich dahin.
So einen wie ihn hat es auf den deutschsprachigen Showbühnen nicht noch einmal gegeben, weder kann man ihn mit seinem Landsmann Peter Alexander vergleichen, dessen Schmalz und Schmäh Udo Jürgens fernlag, noch mit den Hossa-Hossa-Dudlern der Hitparaden.

Vielleicht am nächsten kommen ihm die Franzosen, Gilbert Becaud oder Charles Aznavour. Den Fehler, diese nachahmen zu wollen, hat Udo Jürgens nie gemacht, sein Publikum mochte ihn weniger artifiziell. Er blieb immer ganz bei sich.

„So viele Konzerte habe ich in Hannover erlebt“

Es ist noch nicht einmal vier Wochen her, da bringt Udo Jürgens in der ausverkauften Tui-Arena noch die Fans zum Toben. Alt klingt seine Stimme, kein Wunder mit 80 Jahren. Der kraftvolle Schmelz früherer Jahre ist weg, aber mit seinem Klavierspiel, mit den Refrains seiner Lieder, reißt er die Menge immer noch mit.

Hannover und Udo Jürgens – das ist eine lange Geschichte, eine, die Udo, der Charmeur, der Frauenheld und
mit 80 Jahren immer noch der hoch­professionelle Entertainer, auch in seinem letzten Konzert in der Landeshauptstadt gebührend zelebriert „So viel haben wir erlebt, so viele Konzerte.
Danke schön“, so leitet er seinen Auftritt in der Tui-Arena ein. Am Ende, nach einem zweieinhalbstündigen Auftritt, nimmt er – wie schon so viele Male vorher – im weißen Bademantel die Ovationen seiner Fans entgegen und gibt allein am Klavier sitzend zwei Zugaben: „Siebzehn Jahr, blondes Haar“ und „Merci Chérie“.

Die erste Kritik zu ihm erschien in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung am 25. September 1967. Als Chansonnier wird Udo Jürgens damals bezeichnet. Schon jetzt ist sein Programm zweieinhalb Stunden lang, schon jetzt singt er „Merci Chérie“, und schon jetzt ist von einem „beinahe fanatischen Publikum“ die Rede.

Immer wieder ist der Entertainer seitdem in Hannover aufgetreten, viele Male im Kuppelsaal, in der Tui-Arena, in den Herrenhäuser Gärten. Im Goldenen Buch der Stadt hat er sich verewigt. Am 11. November 1989, zwei Tage nach dem Mauerfall, tritt er in der Eilenriedehalle auf. In Berlin, am Brandenburger Tor, hat er nach einem Konzert in der Deutschlandhalle bis 5 Uhr morgens gefeiert. „Wir sind trotzdem nicht müde“, ruft er in Hannover die Menge: „Ich weiß auch nicht, wieso.“

2001 tritt er beim 53. Presseball im Kuppelsaal neben Verona Feldbusch auf, mehr als eine Stunde unterhält er die Gäste. 2012, mit 77 Jahren, erinnert er in der Tui-Arena an die Anfänge in Hannover im GOP-Varieté mit 19 Jahren. Es sei noch lange nicht Schluss, sagt sein Manager damals. „Mitten im Leben“ heißt die Tour 2014. Jetzt ist es, sehr plötzlich, doch zu Ende.     

Von Jutta Rinas

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