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Kultur „Ich würde gern mal eine Metalband einladen“
Mehr Welt Kultur „Ich würde gern mal eine Metalband einladen“
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00:22 24.07.2014
Von Uwe Janssen
„Wir wollen ein breit gefächertes Programm“: Die Masala-Organisatoren Gerd Kespohl (r.) und Basti Hofmann.Foto: Hagemann Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Hannover

Masala ist seit 20 Jahren ein Weltmusikfestival. Sehr erfolgreich, aber: Ist der Begriff Weltmusik nicht völlig überholt?
Kespohl: Für mich war es immer eine Schublade. Der Begriff musste entstehen, weil damals die Plattenläden für diese besondere Musik eine Rubrik brauchten. Wenn man ihn heute noch braucht, dann aus demselben Grund. Wir könnten theoretisch auch Masala-Musikfestival heißen.
Hofmann: Und selbst in den Schubladen ist es noch schwer. Sortiert man moderne Elektromusik aus Chile unter Chile ein? Vielleicht spielt es ja gar keine Rolle, dass sie aus Chile kommt. Andererseits: Wir würden eigentlich keine Metalband aus China einladen, nur, weil sie aus China kommt. Wenn sie sich in ihrem Metal mit traditionellen, ethnischen Fragen auseinandersetzt, würde sie wieder gut hierher passen - und ich würde gern mal eine Metalband einladen. Der Begriff Weltmusik ist einfach nur eine Orientierungshilfe für die Besucher.

Brauchen die Besucher noch Orientierung? Oder muss man nicht mehr so viel erklären?
Hofmann: Man muss nicht mehr so sehr vermitteln. Es ist unglaublich viel passiert in den vergangenen Jahren. Das Internet spielt da natürlich eine große Rolle. Heute findet man Bands aus kleinsten mongolischen Dörfern, wenn man sich dafür interessiert. Früher war man viel mehr auf Festivals angewiesen, deren Macher solche Gruppen aufspüren, einladen und hier präsentieren.

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Hat das Internet auch die Musik verändert?
Hofmann: Sehr. Früher ging es bei Weltmusikfestivals um rein traditionelle Musik und eine Art exotischen Touch. Was heute in den Ländern der sogenannten Dritten Welt produziert wird, ist ganz selten noch rein traditionelle Musik. Die haben jetzt Zugriff auf alles, das spiegelt sich auch in ihrer Musik wider.

Deutschland ist ein Einwanderungsland geworden. Entsteht mittlerweile auch ein Teil der Weltmusik direkt vor der Haustür?
Hofmann: Klar. Nehmen wir Seeed oder den ganzen Russendisko-Komplex in Berlin - das basiert alles auf Migration. Obwohl die Musiker sich längst schon nicht mehr als Migranten sehen, weil sie hier geboren sind oder lange hier leben. Die Klubszene in den Städten beispielsweise ist komplett multikulturell. Und diese Leute bringen musikalisch Sachen mit, die „Biodeutsche“ nicht haben.

Multikulti sagte man früher. Was hat der Begriff heute für einen Klang für Sie?
Hofmann: Bisschen angestaubt. Klingt nach Achtziger, Birkenstock und Batikhemdchen. Man muss das, was Multikulti bedeuten sollte, heute nicht mehr bezeichnen. Das ist einfach die Realität. Und musikalisch ist das auch nicht mehr Ethno, sondern sehr Hip-Hop-geprägt und elektronisch. Das Berliner Radio Multikulti heißt jetzt Multicult 2.0.
Kespohl: Mit Multikulti war es wie mit Soziokultur und Weltmusik. Blöde Begriffe, das klang immer alles ein bisschen nach Müsli. Aber: Mir ist auch nichts Besseres eingefallen.

Gibt es trotz aller medialen Transparenz noch völlig unentdeckte Musik?
Kespohl: Es ist noch nicht alles vermarktet auf der Welt. Und neue Musikrichtungen entstehen ständig. Allein, was es in Afrika an wirklich guten Bands gibt, ist erstaunlich.
Hofmann: Der Arabische Frühling hat hat eine neue große elektronische Welle hervorgebracht, die in Tunesien groß ist und nach der ganz Kairo tanzt. Das ist hier außer in den arabischen Discos noch nicht angekommen.

Das Masala-Festival präsentiert immer einen Querschnitt, selten ein Schwerpunktprogramm. Warum?
Kespohl: Eine deutliche Musikfarbe haben wir noch nie in den Vordergrund gestellt. Mottoabende ja, aber wir wollten immer ein breit gefächertes Programm machen. Auch altersmäßig - bei den Künstlern und dann eben auch beim Publikum. Das führt einerseits dazu, dass bei den jungen Chupacabras plötzlich ältere Besucher mittanzen. Es gibt aber auch immer wieder mal Gäste, die sagen: Das ist doch nicht Masala! Was bei aller Mischung nicht fehlen darf, sind Highlights wie diesmal Manu Dibango.

Interview: Uwe Janssen

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