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Kultur Martin Suter: „Bücher sind keine Selbsttherapie“
Mehr Welt Kultur Martin Suter: „Bücher sind keine Selbsttherapie“
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20:10 02.11.2012
Von Heinrich Thies
„Ich versuche immer, den Text auf das Wesentliche zu reduzieren“: Martin Suter in Hannover. Quelle: Kleinschmidt
Hannover

In der „Business Class“ kennt er sich aus. Fast zwei Jahrzehnte spottete Martin Suter Woche für Woche in der gleichnamigen Kolumne über die Spitzen der modernen Geschäftswelt und stützte sich dabei auf Erfahrungen, die er als Werbetexter gemacht hatte. Heute ist er selbst in der „Business Class“ unterwegs. Denn der 64 Jahre alte Schweizer hat sich mit seinen Romanen, Erzählungen und Kolumnen reich geschrieben und pendelt zwischen seinen Häusern in Zürich, Guatemala und auf Ibiza. Am Freitag führte ihn der Weg nach Hannover, wo er in der NDR-Talkshow „Tietjen und Hirschhausen“ auftrat - und zuvor in Kastens Hotel Luisenhof einen Zeitungsreporter empfing.

Einige Wochen zuvor bewirtete er bereits ausgewählte Journalisten zwischen Olivenhainen und Weinstöcken auf seiner Finca auf Ibiza. Natürlich nicht ganz uneigennützig. Denn Ende September ist sein neuer Roman „Die Zeit, die Zeit“ (Diogenes, 296 S., 21, 90 Euro) erschienen. Startauflage: 200.000 Exemplare. Steht da dem finanziellen Ertrag nicht ein ungeheurer Erfolgsdruck gegenüber? Der Mann mit den streng zurückgekämmten, gelglänzenden Haaren schüttelt sanft den Kopf. „Der Druck liegt beim Verlag, nicht bei mir.“ Natürlich versuche er, so viele Leser wie möglich zu erreichen, fügt er hinzu. „Aber ich mache keine Konzessionen. Ich schreibe immer so, wie ich es selbst gern lesen würde.“

Seine Stärke liegt darin, auch schwierige Themen mit Leichtigkeit und Lakonie zu behandeln. Dahinter aber stecke harte Arbeit, sagt er. Drei bis fünf Seiten an einem Achtstundentag - mehr nicht. „Und es bleibt nie so stehen, wie ich es geschrieben habe. Ich versuche immer, den Text auf das Wesentliche zu reduzieren.“ Dabei helfe es ihm auch, dass er seine Bücher fernab von den Schweizer Handlungsorten schreibe: auf Ibiza und in Guatemala. „Diese räumliche und zeitliche Distanz hilft mir, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.“

In seinem neuen Roman „Die Zeit, die Zeit“ geht es um das Thema Tod und den Versuch, die Zeit außer Kraft zu setzen, um einen geliebten Menschen quasi aus dem Jenseits zurückzuholen. Vor drei Jahren verlor Suter seinen damals dreijährigen Adoptivsohn Antonio, der beim Essen erstickte. Doch Suter betont, das Romanprojekt sei viel älter, einen direkten Zusammenhang gebe es - anders als in den Medien behauptet - nicht. Ob ihn die Arbeit an dem Buch geholfen habe, mit seiner Trauer fertigzuwerden? „Um Himmels Willen, nein“, sagt er. „Da denke ich mehr an den Leser. Bücher schreiben ist für mich keine Selbsttherapie.“ Es ärgere ihn, wenn er merke, dass andere Autoren um ihr Ego kreisten.

Anders als seine Romane sprüht der Autor nicht eben vor Witz und Lebensfreude. Fast könnte man meinen, der Mann in dem dunkelgrauen Anzug und dem weißen Hemd mit der dunklen Krawatte käme gerade von einer Trauerfeier. Und er spricht auch so: meist leise, bedrückt, grüblerisch. Nein. Martin Suter macht kein Hehl daraus, dass der Tod seines Sohnes sein Leben verändert hat. „Das ist für mich nicht Vergangenheit, das erschüttert mich immer noch jeden Tag“, sagt er. „Es gibt ein Vorher und ein Nachher.“ Aber dann bittet er darum, das Thema zu wechseln.

Gegenwärtig, verrät er, arbeite er gerade an einer Fortsetzungsgeschichte seiner Krimi-Reihe um den Gentleman-Gauner Johann Friedrich von Allmen - zumeist auf Ibiza, aber auch im Hotel. Warum plötzlich ein Serienkrimi? „Ich habe die Autoren immer beneidet, die einen Serienhelden haben“, gesteht Suter. Es sei immer traurig, sich nach einem abgeschlossenen Roman von seinen Figuren verabschieden zu müssen. „Wenn man alte Bekannte hat, weiß man, wie sie reagieren, und kann auf diese ganze Exposition verzichten.“

Seine Bücher haben Millionenauflagen erreicht, sind in viele Sprachen übersetzt, und sie sind verfilmt worden - zuletzt „Der Teufel von Mailand“ (im ZDF am 5. Januar 2013 zu sehen). Suter ist damit einer der erfolgreichsten Autoren im deutschsprachigen Raum. Erfolg, sagt er, bedeute für ihn das Gegenteil von Druck. Unabhängigkeit eben. „Wenn man immer aus dem letzten Loch pfeift, muss man einfach zu viele Konzessionen machen.“ Das Geld versetze ihn nicht nur in die Lage, in der „Business Class“ zu fliegen, er könne es sich auch leisten, Leute zu bezahlen, die seine große Finca auf Ibiza in Schuss hielten. Trotz seines Reichtums aber sei er ein Linker geblieben, betont er schmunzelnd. „Die Linke will ja nicht, dass alle arm sind, sondern dass es allen gut geht.“

Mit seinen Büchern allerdings verfolge er keine politischen Absichten, sondern wolle vor allem unterhalten: „Menschen aus ihrer Wirklichkeit entführen und für diese kurze Zeit zu untauglichen Mitgliedern der Gesellschaft machen“. Ein guter Roman zeichnet sich aus seiner Sicht dadurch aus, dass der Leser im Wechsel überrascht und bestätigt wird. Ein Erfolgsrezept hat natürlich auch Martin Suter nicht. Bisweilen, sagt er, sei ihm ein Buch sogar schon mal gründlich misslungen. Zu Recht etwa habe der Diogenes-Verlag sein erstes Buch - einen Entwicklungsroman über einen älteren Herrn - abgelehnt. Auch die Fortsetzungsgeschichte von „Small World“ sei ihm missglückt. „Da habe ich angefangen, ohne zu wissen, wie es endet. Das mache ich nie mehr.“

Seine weiteren Pläne für den Rest des Lebens? „Ich will einfach weiterschreiben“, sagt er. „Schriftsteller werden ja nicht pensioniert, und ich habe noch eine lange Liste von Ideen.“

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