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Kultur Martin Stadtfeld spielt Bach im Funkhaus Hannover
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07:22 29.11.2012
Von Stefan Arndt
Seine Töne laufen wie im Uhrwerk, mechanisch klingen sie nicht. Martin Stadtfeld spielte im Funkhaus Hannover. Quelle: dpa
Hannover

Kein Klavierschüler kommt um die beiden nacheinander ausgeklappten Haltetöne im Bass und die gebrochenen Akkorde in der rechten Hand herum. Wer hier noch etwas Unerhörtes zum Vorschein bringen will, muss über außergewöhnliche musikalische Vorstellungskraft verfügen.

Für Martin Stadtfeld ist das offenbar kein Problem - seine Version des Stückes beim umjubelten Pro-Musica-Konzert im Funkhaus Hannover ist ebenso schlicht wie wirkungsvoll. Nicht ein einziges Mal rückt er vom anfangs gewählten Tempo der durchgehenden Sechszehntel ab. Es gibt keine Agogik, kein Hinsteuern auf einen harmonischen Schwerpunkt oder gar ein Innehalten, wenn ein Zwischenziel erreicht ist. Die Töne laufen bei Stadtfeld regelmäßig wie ein Uhrwerk. Nur mechanisch klingen sie dabei nicht. Es ist fast schon ein Wunder, wie der Pianist dem Werk trotzdem Leben einhaucht: allein durch die Lautstärke. Mit der langsamen Steigerung wird die Musik immer intensiver, bis sie fast zu glühen scheint. Und dass sie dabei nie wankt oder wackelt, macht diesen „Bolero“-Effekt nur noch größer.

In Hannover steht das kurze Stück allerdings nicht am Beginn des „Wohltemperierten Klaviers“, sondern es eröffnet eine eigene Zusammenstellung des Pianisten. Stadtfeld hat eine Auswahl der Präludien mit dem ersten Zyklus der Etüden von Frédéric Chopin kombiniert. Auf ein Bach-Vorspiel folgt so statt der üblichen Fuge jeweils eine Chopin-Etüde in derselben Tonart.

Was sich nach einem interessanten Experiment anhört, erweist sich im Funkhaus nicht als Glücksgriff. Auffällig an Stadtfelds Spiel ist vor allem sein silbrig heller, fast gläserner Klang, der wunderbar zu seinen transparenten Barockinterpretationen passt. Schreitet sein Repertoire jedoch weiter in die Romantik vor, ist ein solcher Klang deplatziert: Ihm fehlt Wärme und Geschmeidigkeit. Entsprechend leblos tönen dann auch die Chopin-Etüden, deren technische Herausforderungen Stadtfeld meistert, ohne wirklich souverän zu wirken. Auf die Dauer ist der ständige Wechsel zwischen den Komponisten daher kontraproduktiv: Vor einem schwachen Chopin vermag auch ein tiefenscharfer Bach kaum noch zu fesseln. Die konventionelle Lösung wäre hier wohl die interessantere Version gewesen. Im kommenden Jahr wird Stadtfeld dann auch mit der üblichen Kombination aus Präludien und Fugen auf Tournee gehen.

Diesmal jedoch hatte er noch mehr romantische Musik im Gepäck. Robert Schumanns „Waldszenen“ tönen dabei ganz und gar unidyllisch. Nicht nur dem „Abschied“ fehlte der melodische Fluss, und die „Freundliche Landschaft“ passierte Stadtfeld in einem derartig rasanten Tempo, dass es kaum überrascht, wenn er keinen Blick für ihre Schönheit hat. Selbst Felix Mendelssohns strengen „Variations sérieuses“ erging es an diesem Abend nur geringfügig besser. Das Konzert von Stadtfeld, der als deutscher Hoffnungträger der Klassik gilt, ist so streckenweise vor allem eins: langweilig. Bei einem Musiker, der sich auch außerhalb der Konzertsäle so leidenschaftlich und medienwirksam für die Klassik einsetzt, schmerzt das doppelt.

Bunt, spektakulär, rauschhaft, spielerisch, mit kindlicher Freude: Was die Akrobaten, Musiker und Tänzer auf der „Immortal“-Tourproduktion auf die Beine und alle möglichen anderen Körperteile stellen, hätte auch Michael Jackson selbst gefallen.

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