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Kultur Mahlers Dritte als begehbare Sinfonie
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12:19 13.02.2013
Von Rainer Wagner
Gut Holz: Birkenstämme als Raum- und Zeitfüller im Bremer Opernhaus. Quelle: Landsberg
Bremen

Hannoversche Opernfreunde kennen das schon: dass sie statt im Zuschauerparkett auf der Bühne landen (aus „Intolleranza 1960“). Oder dass eine Sängerin allein zu Haus ist und im Zuschauerraum herumturnt (aus „La Traviata“). Benedikt von Peter, erfolgreicher Gastregisseur in Hannover und neuerdings „Leitender Regisseur Musiktheater“ am Bremer Theater, bleibt auch in seiner neuen Arbeit seinem Hang zu ungewöhnlichen Perspektiven treu: Er präsentiert die szenische Aufführung einer Sinfonie. In Bremen heißt das dann „Musiktheater mit Gustav Mahlers Dritter Sinfonie". Das Wörtchen „mit“ trifft es ganz gut.

In Bremen erlebt man eine begehbare Sinfonie – zumindest als Parkettkartenbesitzer. Wer im ersten und zweiten Rang sitzt, bleibt immobil auf seinen Plätzen und hört und sieht schlechter, aber der teilweise absichtlich verzerrte Sound plagt alle Zuhörer.

Zu Beginn senkt sich ein Lautsprecherturm herab: Mahlers Dritte beginnt als Hörspiel. Dann erst wird die Wand zerlegt, hinter der auf der Hinterbühne die Bremer Philharmoniker spielen. Der eiserne Vorhang zum Zuschauerraum öffnet sich. Man sieht ein Modell eines Mahlerschen Komponierhäuschens, das Bühnenbildnerin Natascha von Steiger aufgestellt hat. Auf Videowänden flimmert, was dem Produktionsteam an Assoziationen zum Stichwort Sommerfrische eingefallen ist, weil Mahler seine Sinfonien in den Sommerferien geschrieben hat. Und wahrscheinlich hat der Almauftrieb etwas mit Alma Mahler zu tun. Es werden per Projektion Lesefrüchte bei Marx, Nietzsche und Montaigne gepflückt, Zelte werden aufgebaut, und ein Bambi darf im Pool planschen. Der Regisseur nennt den Bilderreigen „eine Vermessung der Welt“. Was wohl doch vermessen ist. Eher gleicht es einem Chill-out mit Mahler.

Die Schauspielerin Nadine Geyersbach soll „das erlebende und den sinfonischen Raum produzierende Ich“ sein, produziert aber vor allem unscharfe Bilder mit der Handkamera, darunter auch asynchrone Bilder von Nadja Stefanoffs ausdrucksstarkem Altsolo, das im Komponierhäuschen erklingt.

Es werden viele Birkenstämme auf die Bühne und durch den Raum getragen, die Sinfonie dauert immerhin anderthalb Stunden, die gefüllt sein wollen.

Beim Schlussadagio hat dann die Musik das Sagen, wenn das Orchester ganz langsam nach vorne gefahren wird. Da klingen die Bremer Philharmoniker unter ihrem Generalmusikdirektor Markus Poschner größer, als sie sind. Und das große Kino im Kopf des Zuhörers ist spannender als alle Bebilderung in der „Kunstkirche“ im Bremer Opernhaus, in der sich das Regieteam verlaufen hat.

Wieder am 14. Februar und am 10. März. Kartentelefon: (04 21) 3 65 33 33.

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