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Kultur Madonna – im Video zu „Dark Ballet“ brennt Jeanne D’Arc als Ikone der LGBTI-Bewegung
Mehr Welt Kultur Madonna – im Video zu „Dark Ballet“ brennt Jeanne D’Arc als Ikone der LGBTI-Bewegung
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15:10 07.06.2019
Ein Song für Jeanne D’Arc: Mit „Dark Ballet“ veröffentlichte Madonna jetzt das letzte der fünf Vorabvideos aus dem neuen Album „Madame X“, das am 14. Juni erscheint. Quelle: -/Universal Music/dpa
London

Mit dem neuen Song „Dark Ballet“ von Madonna ist es wie mit Afri Cola – irgendwie ist alles drin. In der Mitte hört man sogar eine – elektronisch verfremdete, mit Sprechstimme unterlegte – Passage aus Tschaikowskys „Nussknacker“: den „Tanz der Rohrflöten“. Freitagmittag veröffentlichte Madonna mit „Dark Ballet“ das letzte der fünf angekündigten Vorabvideos aus ihrem neuen Album „Madame X.

Inspiriert ist der Song vom Leben der Jeanne D’Arc. Im Mai 1429 hatte sie binnen zehn Tagen die Stadt Orléans von den Engländern befreit – was das französische Heer in den sechs Monaten zuvor nicht vermocht hatte.

Die oft als Jungfrau von Orleans betitelte, heiliggesprochene Freiheits- und Friedensikone wird vorab zitiert. „Ein Leben ist alles was wir haben und wir leben es, wie wir glauben es leben zu müssen. Aber zu opfern, was du bist, und ohne Glauben zu leben – das ist ein Schicksal, das schrecklicher ist als zu sterben.“ Es stammt (angeblich) aus dem Gerichtsprozess der 1431 auf dem Scheiterhaufen verbrannten Jeanne.

Im Video spielt der Rapper, Performancekünstler und LGBTI-Aktivist Mykki Blancos die Jeanne D’Arc. Das von dem niederländisch-ghanesischen Regisseur Emmanuel Adjej inszenierte sechsminütige Video zeigt ihn auf dem Scheiterhaufen, im Kerker. „Ich kann mich wie ein Junge anziehen, ich kann mich wie ein Mädchen anziehen“, singt Madonna.

Madonna – Transgenderaktivisten heben Jeanne auf ihren Schild

Die Zielrichtung ist klar. „Sie hat die Engländer bekämpft und sie hat gesiegt, dennoch waren die Franzosen nicht glücklich“, wird Madonna zitiert. „Immer noch haben sie sie verurteilt. Sie sagten, sie sei ein Mann, sie sagten, sie sei eine Lesbe, sie sagten sie sei eine Hexe. Am Ende haben sie sie an einem Pfahl verbrannt – und sie fürchtete nichts. Ich bewundere das.“

Die Transgender-Aktivisten der Welt sehen im Mythos von Jeanne d’Arc schon länger deren männliche Identität verkannt. Jeanne könnte ihrem sexuellen Selbstverständnis nach auch ein Jean gewesen sein. So wurde die mittelalterliche Heldin in den vergangenen Jahren zu einer Ikone derer die sich für die sexuelle und geschlechtliche Selbstbestimmung einsetzen.

Die amerikanische Biologin Joan Roughgarden beschreibt Jeanne D’Arc in ihrem Buch „Evolution’s Rainbow“ als Transgenderperson mit männlicher Ausrichtung, die sich bis zu ihrer Hinrichtung weigerte, die Männerkleidung abzulegen.

Madonna – Hinrichtung einer Popikone?

Und so wird sie auch im Video zu einer Ikone sexueller Selbstvergewisserung. Ihr Darsteller Mykki Blancos schlägt die Brücke vom historischen Stoff zur Gegenwart: „Ich bin über diese Erde gereist, schwarz, schwul und HIV-positiv, aber keine Transgression gegen mich war so mächtig wie die Hoffnung, die ich in mir trage.“

Freilich wird Jeanne auch von ganz anderen Seiten für ganz anderes vereinnahmt: Von den französischen Linken als Schutzpatronin der Armen und Außenseiter, von den Konservativen als Urahnin des französischen Nationalstolzes und – bizarr – von der extremen Rechten als Emblem für Immigranten- und Europahass.

Und für Madonna ist Jeanne auch von ihrer derzeitigen künstlerischen Situation die Identifikationsfigur der Stunde. Die Popheldin der Achtziger-, Neunziger- und Nullerjahre fuhr nach ihrem von vielen Medien als desaströs bezeichneten Auftritt beim ESC viele negative Vorabkritiken für ihr kommendes Album „Madame X“ ein. Das Album sei konfus, uneinheitlich und belanglos, war zu hören. Hinrichtung einer Popikone?

Madonna sieht die „New York Times“ als Patriarchatsbegründerin

Von einem persönlichen Porträt der „New York Times“ fühlte sich die Sängerin regelrecht „vergewaltigt“. Im Artikel „Madonna at Sixty“ beschrieb die NYT-Autorin die Sängerin als „Kaktus mit Stacheln“ und deutete an, dass Madonna im Alter Schwierigkeiten mit ihrer Identität als Popstar habe.

Für sie zeige sich in dem Porträt, dass die Zeitung zu den Begründern des Patriarchats zähle, schrieb Madonna bei Instagram. „Und ich sage: Tod dem Patriarchat, das tief in der Struktur unserer Gesellschaft verankert ist.“

Das Album „Madame X“ erscheint am Freitag

Von Matthias Halbig/RND

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