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Kultur London Philharmonic mit Solistentrio
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18:46 23.12.2012
Von Rainer Wagner
Solo zu dritt: Baiba Skride, Daniel Müller-Schott (Cello) und Lars Vogt. Quelle: Tobias Kleinschmidt
Hannover

Es roch nach Bildungsauftrag, doch serviert wurden Hochspannung und Spielfreude. Das Pro-Musica-Konzert im gut besuchten, aber nicht ausverkauften hannoverschen Kuppelsaal versprach klassische Routine und hielt viel mehr. Das traditionsreiche London Philharmonic Orchestra erfüllte die Erwartung, dass britische High-Class-Ensembles noch mit jedem Saal und jeder Akustik zurechtkommen (was die hiesigen Verantwortlichen nicht von der Aufgabe entbindet, den Kuppelsaal spätestens zu dessen 100. Geburtstag im Jahr 2014 nicht nur optisch, sondern auch akustisch verbessern zu lassen!).

Dirigent Christoph Eschenbach übernimmt immer mehr den Posten des Altmeisters, den Kurt Masur und Herbert Blomstedt allmählich freigeben, hat mit seinen 72 Jahren aber hörbar noch mehr Feuer zu bieten. Und für Beethovens „Tripelkonzert“ hatte man mit Baiba Skride, Daniel Müller-Schott und Lars Vogt drei jüngere Stars verpflichtet, die in ihrer bemerkenswerten Karriere Solidität und Schwung harmonisch kombinieren.

Schon die Wahl dieses Konzertes demonstrierte, dass man im Tempel der Klassik vor Altären dienen kann, die nicht überlaufen sind. Beethovens „Tripelkonzert“ ist im Konzertalltag eher selten zu hören, schon weil die Solistenfrage nicht einfach zu beantworten ist.

Christoph Eschenbach jedenfalls weiß, dass er in diesem Konzert Spielmacher und Schiedsrichter zugleich sein muss, dass er mit dem reaktionsschnellen Orchester Vorlagen geben und Rückpässe verwandeln muss, dass aber das Spiel entscheidend zwischen den drei Solisten läuft. Und dies funktionierte staunenswert. Pianist Lars Vogt (neuerdings auch Professor an der hiesigen Musikhochschule) markierte die Leitplanken, ohne zu sehr eingrenzend zu wirken. Cellist Daniel Müller-Schott gab den warmen Ton an, klang vor allem in den hohen Lagen eloquent bis betörend und fand mit der Geigerin Baiba Skride zu verständnisvollem Zusammenspiel. Dass da ein paar Geigentöne zu hoch einschwebten, war zu vernachlässigen bei einer Beethovendeutung, die markant, aber nicht übertrieben triumphal begann, das Largo zwar suchend, aber nicht raunend gestaltete, und im „Rondo alla Polacca“ mit großer Verve und selbstbewusster Virtuosität den Effekt suchte und fand. Für den herzlichen Beifall bedankten sich die drei mit dem rasant gespielten Finale „Rondo al’ Ongarese“ aus dem wohl bekanntesten der 41 Klaviertrios von Joseph Haydn.

Umrahmt wurde Beethovens Opus 56 von zwei Schumann-Kompositionen, die auch nicht zu den Repertoire-Hits gehören. Schumanns C-Dur-Sinfonie steht meist im Schatten der „Frühlingssinfonie“ und der „Rheinischen“ - von der romantisch übersteigerten Vierten ganz zu schweigen. Dagegen ist seine Zweite die klassischste, auch wenn Christoph Eschenbach und sein Londoner Orchester das Scherzo in Mendelssohn-Nähe rückten und nicht nur im Finale auf Brahms vorauswiesen.

Begonnen hatte das Konzert mit einer der seltener gespielten Schumann-Ouvertüren. Allerdings teilt diese Ouvertüre zu Schillers „Die Braut von Messina“ ihr Nischendasein mit dem „Trauerspiel mit Chören“, in dem es laut Untertitel um „Die feindlichen Brüder“ geht, die sich in ihre ihnen unbekannte Schwester verliebt haben. Auch wenn das Stück kaum einer mehr kennt, der erste Satz hat es in den Zitatenschatz gebracht: „Der Not gehorchend, nicht dem eignen Trieb“. Und ganz zum Schluss heißt es; „Das Leben ist der Güter höchstes nicht…“

Auch wer das alles nicht weiß, erfährt durch Schumanns Ouvertüre doch, wie hochdramatisch es in diesem Drama um Mord und Opfertod zugeht. Zumal Christoph Eschenbach und sein blendend aufgelegtes Orchester die Spannung genüsslich ausspielen.

Wie präzise bei diesem Orchester die Tuttischläge kommen, wie warm, rund und doch klar konturiert der Gesamtklang ist, war auch bei der Beethoven-Zugabe zu erleben. Auch die ein eher selten zu hörendes Stück: die Ouvertüre zu „Die Geschöpfe des Prometheus“.

Am Ende viel Beifall, auch vom Orchester für seinen Dirigenten, der auf das manchmal etwas albernd wirkende Ritual der Einzelhervorhebung seiner Solisten und Instrumentengruppen verzichtete. Es war schließlich ein Mannschaftssieg. Ein verdienter.

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