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Kultur Nomadin im Herzen
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16:14 18.11.2013
Von Jutta Rinas
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London

Als sie am 11. Oktober 2007 den Literaturnobelpreis zugesprochen bekam, da hielten es viele Experten für viel zu spät. Denn Doris Lessing, damals bereits 87 Jahre alt, wurde vor allem für ein Buch geehrt, das Jahrzehnte alt war: „Das goldene Notizbuch“.

1962 in England erschienen (in Deutschland erst 1978), erzählt Lessings größter Erfolg die Geschichte einer weiblichen Identitätssuche und wurde zu einem der meistgelesenen Bücher der modernen Frauenbewegung. Doris Lessing, Ikone des Feminismus, obwohl sie sich gegen diese Einordnung immer wieder zur Wehr setzte, ist gestern 94-jährig in London gestorben.

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Immer wieder war die große alte Dame der englischen Literatur nach dem Erfolg des „Goldenen Notizbuches“ für den Nobelpreis gehandelt worden, immer wieder hatte man ihn ihr verwehrt. Angeblich, so erzählte sie in einem Interview, habe ihr das Nobelpreiskomitee in den Sechzigern sogar persönlich ausrichten lassen, dass sie den Preis „nie bekommen werde“.

Rüde reagierte sie, als sie ihn dann erhielt: „Sie können den Nobelpreis keinem Toten geben“, sagte sie. „Deshalb haben sie wahrscheinlich gedacht, ihn mir besser jetzt zu geben, bevor ich abkratze.“ Das Lessing-Zitat klingt nicht nur spröde, widerborstig. Es macht auch eine besondere Qualität der Autorin deutlich. Sie ließ sich nie vereinnahmen, nicht vom Feminismus, auch nicht vom Kommunismus, von dem sie sich nach Jahren als Kommunistin distanzierte. Am 22. Oktober 1919 im heutigen Iran geboren und in Simbabwe aufgewachsen, fühlte sich die seit den fünfziger Jahren in England lebende Schriftstellerin immer als Außenseiterin.

Es war wohl dieses Lebensgefühl, das es ihr möglich machte, so viele, verschiedene Bücher zu schreiben. Seit ihrem Debüt mit „Afrikanische Tragödie“ hat sie mehr als fünfzig Bücher veröffentlicht. Viele Romane, aber auch Dramen, Gedichte, Essays, Reiseerzählungen. Nicht alle hatten Weltklasseniveau, aber Lessing differenzierte stets genau, warf einen selbstkritischen Blick auf ihre Biografie und ihre Arbeit. Fast ein Jahrhundert ist im gewaltigen Werk dieser „Nomadin im Herzen“, wie sie auch genannt wurde, enthalten. Es lohnt sich, darin zu lesen.

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