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Kultur Von Kängurus und Wanderhuren
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20:30 01.10.2014
Nichts fehlt an diesem Abend: Zum Schluss gibt es Impro-Comedy. Quelle: Tobias Kleinschmidt
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Hannover

„Du wirst mich röhren hören!“ – ein verheißungsvolles Versprechen. Sebastian Lehmann und Julius Fischer von der Lesedüne aus Berlin singen Katy Perrys Radiohit „Roar“ – nur eben auf Deutsch. Und dabei bleibt es nicht, die beiden Autoren interpretieren auch „Wrecking Ball“ von Miley Cryus: „Ich kam wie eine Abrissbirne!“, schmettert Lehmann.

Das Publikum im ausverkauften Großen Saal des Pavillons ist jung und amüsiert sich prächtig. Die insgesamt vier Autoren, die sich zur Lesedüne zusammengeschlossen haben – neben Lehmann und Fischer präsentieren auch Maik Martschinkowsky und Marc-Uwe Kling ihre Texte – sind alle um die 30, haben studiert und leben in Berlin.

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Die Lesedüne gibt es seit 2006, seitdem tragen die Autoren in einem Kreuzberger Klub zweimal im Monat ihre Texte und Lieder vor. Die vier gehen in unregelmäßigen Abständen auf Tour und sind deshalb in der Poetry-Slam- und Kleinkunstszene bekannt: Kling erhielt für seine Buchreihe „Die Känguru-Chroniken“ den Deutschen Radiopreis und den Deutschen Hörbuchpreis.

Fischer indes stand ein Rechtsstreit ins Haus, weil der Verlag Droemer Knaur einwandte, Fischers Satire „Die schönsten Wanderwege der Wanderhure“ könnte mit dem Original der Wanderhurenreihe verwechselt werden. Fischer reagierte in einem „Zeit“-Artikel nur scheinbar bestürzt: Er werde sich nun auf andere Themen wie „Die Wunderhaare der Wanderhure“ konzentrieren, um Irritationen zu vermeiden. So amüsant, wie es die Bücher der Autoren sind, ist auch ihr Bühnenprogramm: Gemäß dem Konzept der Lesebühne tragen die vier abwechselnd Kurzgeschichten vor.

Die Themen stammen aus ihrem Leben, dem der Generation Maybe: nervige Spieleabende, WG-Leben, der Gang zum Arbeitsamt trotz Studium – immer überspitzt formuliert, mit intelligentem Wortwitz und wohlplatzierten Pointen. „Ich bin nicht nur ‘ne Kuh, ich zieh’ auch selbst an meinem Euter“, singt Kling im „Lied für die digitale Bohème“ über Selbstausbeutung.

Nichts fehlt an diesem Abend: Zum Schluss gibt es Impro-Comedy. Aus Zurufen wie „Waschmaschine“, „Reggae“ und „Pony“ aus dem Publikum basteln die vier Geschichten, die sie am Ende der Show als Zugabe vortragen.
Die nächste Veranstaltung junger Comedyautoren im Pavillon ist „Wachstumsbremse Mensch“ von Nico Semsrott & Till Reiners am Mittwoch, 15. Oktober, um 20 Uhr.

Sabrina Mazzola

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