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Kultur Leben ohne Sternenhimmel
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19:34 12.10.2012
Von Mathias Klein
Alle reden über das Wetter: Ulrich Bathmann, Sabine Schlacke, Daniel Lingenhoehl. Quelle: Körner
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Hannover

Es ist ganz einfach. Konrad Ott stellt nur eine Frage und schon hat er fast alle Zuhörer auf seiner Seite. „Die Farbe des Himmels würde sich verändern, wollen wir das wirklich?“, fragt der Professor für Umweltethik die Zuhörer des Herrenhäuser Forums der Volkswagen Stiftung rhetorisch. „Der Himmel wäre nicht mehr so blau“, sagt der Greifswalder Wissenschaftler. Er würde gräulich oder milchig aussehen, so als hätten wir ständigen Hochnebel. Und die Sterne wären nicht mehr zu sehen.

Die Diskussion am Donnerstagabend im Kleinen Sendesaal des NDR beschäftigt sich mit der Frage „Wem gehört das Wetter?“. Wissenschaftler arbeiten derzeit an Methoden, das Klima auf der Erde künstlich zu beeinflussen. Dabei geht es nicht um längst etablierte Verfahren, wie die Hagelflieger in Süddeutschland, die Wolken mit winzigen Silberjodidteilchen „impfen“, um die Folgen zerstörerischer Hagelschauer abzumildern.

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Es geht um erdumspannende Maßnahmen. Schließlich sei den Politikern nicht mehr zuzutrauen, die Folgen des Klimawandels einzudämmen. Um die Folgen des ständigen Temperaturanstiegs abzumildern, planen Experten, in der Stratosphäre - also in einer Höhe von etwa 15 bis 50 Kilometern über der Erde - mit Flugzeugen oder Raketen Schwefelteilchen zu verstreuen, um die Sonneneinstrahlung zu verringern. „Geo-Engineering“ nennen Wissenschaftler das. Jedes Jahr müssten rund fünf Tonnen Sulfat am Himmel verteilt werden, um den Temperaturanstieg zu begrenzen.

„Das wäre dann wie nach dem Ausbruch des Vulkans Pinatubo im Jahr 1991“, erläutert der Heidelberger Umweltphysiker Werner Aeschenbach-Hertig. Die aus dem Erdinnern in die Stratosphäre hochgeschleuderten Teilchen hätten damals eine Zeitlang für eine Abkühlung auf der Erde gesorgt.

Allerdings seien die Risiken von einer künstlichen Verteilung von Schwefelteilchen in der Atmosphäre unklar. Unterschiedliche Klimamodelle gingen zwar tatsächlich von einem Temperaturrückgang aus. Die Niederschlagsverteilung auf der Erde würde sich aber voraussichtlich gravierend verändern - mit erheblichen Folgen für die jeweilige Vegetation. „Wir können das komplexe System nicht beherrschen“, zieht Aeschenbach-Hertig das Fazit. Also solle der Mensch so wenig wie möglich eingreifen.

Dagegen macht sich der Warnemünder Meeresbiologe Ulrich Bathmann dafür stark, auf diesem Gebiet zumindest zu forschen. Nur so könne man die unterschiedlichen Möglichkeiten zur Klimabeeinflussung auch wissenschaftlich bewerten. Unterstützung bekommt er in diesem Punkt von der Bremer Juristin Sabine Schlacke. Sie sieht aber auch „massive völkerrechtliche Probleme“, falls mit wissenschaftlichen Mitteln in die Klimaentwicklung eingegriffen werde.

Ein bisschen zu kurz kamen an dem Abend die Fragen und Bedenken der Zuhörer im Kleinen Sendesaal. Die konnten aber immerhin nach der Veranstaltung noch den herrlichen Sternenhimmel über dem Maschsee genießen.

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