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Kultur Leander Haußmann und die Liebe zum Teenie
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06:00 05.07.2017
Tochter sein dagegen sehr: Vater Hannes Wenger (Jan Josef Liefers) und Mutter Sara (Heike Makatsch, r.) mit der von ihren Eltern überforderten Carla (Harriet Herbig-Matten). Quelle: Constantin
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Hannover

Die meisten Eltern trifft sie völlig unvorbereitet: die Pubertät. Gerade waren die Kleinen noch so lieb und niedlich. Und quasi über Nacht mutieren sie zum widerspenstigen Pubertier. Auch der Journalist Hannes Wenger (Jan Josef Liefers) kann nicht fassen, was aus seiner kleinen Prinzessin Carla (Harriet Herbig-Matten) geworden ist. Nicht nur die körperliche und psychische Veränderung nimmt er staunend und irritiert zur Kenntnis. Auch die Beziehung verändert sich von heute auf morgen. Er wird auf Distanz gehalten, kritisch beäugt, kommentiert und manchmal sogar bloßgestellt.

Väterliche Nähe wird als aufdringlich empfungen

Hannes beschließt, sich eine Auszeit zu nehmen, um seiner Tochter in dieser schwierigen Lebensphase beizustehen und zu erziehen. Er hat hochtrabende Pläne, möchte mit Carla ins Ballett und in Sinfoniekonzerte gehen, sie in die Welt der Philosophen einführen und nebenbei noch einen Roman schreiben. Das interessiert Carla natürlich alles überhaupt nicht. Sie wünscht sich zum 14. Geburtstag ein Smartphone und möchte künftig ohne Diskussionen mit zerrissenen Netzstrümpfen aus dem Haus gehen. Ehefrau Sara (Heike Makatsch) hat für die Projekte ihres Mannes nur ein sanftes Lächeln übrig. Sie ist fein raus, steigt wieder voll ins Arbeitsleben ein und beobachtet entspannt und mit vollem Vertrauen in ihre Tochter, wie sich die Lage zuhause so entwickelt.

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Basierend auf dem Bestseller „Das Pubertier“ von Jan Weiler, erzählt Regisseur Leander Haußmann aus der Sicht von Hannes von den Herausforderungen, die der Alltag mit einem Teenager bereithält. Zu Beginn ist das alles auch recht lustig. Mit Vergnügen schaut man Hannes zu, wie unangemessen er auf die Ablösungsbestrebungen seiner Tochter reagiert, wie gerne er die Zeit zurückdrehen möchte, wie wenig ihm das Loslassen gelingt.

Die Geschichte artet bin Klamauk aus

Doch dann artet die Geschichte vom Vaterversagen in ziemlichem Klamauk aus. Hannes klettert an der Hauswand hoch, um einen Blick in Carlas Zimmer zu werfen. Schließlich findet eine Party statt. Doch was sieht er? Statt sich Alkohol, Drogen und Sex hinzugeben, sitzen die jungen Leute ganz harmlos im Kreise und starren auf ihre Handys. Hannes dagegen stürzt mit großem Getöse ab und die Peinlichkeiten nehmen ihren aberwitzigen Lauf. In einer anderen Szene landet der hysterische Hannes unter dem Bett seiner Tochter Carla, während sie gerade einen Jungen zu Besuch hat.

Auch Hannes bester Freund Holger (Detlev Buck) ist völlig überfordert mit seinem pubertierenden Sohn. „Es ist das Grauen“, stöhnt er einmal verzweifelt. Aber fällt ihm, dem taffen Kriegsreporter, tatsächlich nichts anderes ein, als die Simkarte herunterzuschlucken, um den Sohn vom Handy fernzuhalten?

Der Regisseur übertreibt maßlos

Haußmann reiht die Fettnäpfchen aneinander und übertreibt dabei maßlos. Waren die Geschichten von Jan Weiler noch recht authentisch, schießt Haußmann über jedes Ziel hinaus. Es ist fraglich, wer sich beim Zusehen amüsieren soll. Dabei ist es Haußmann gelungen, einen tollen Cast um sich zu versammeln, dem man den Spaß und die Spielfreude bei den Dreharbeiten schon anmerkt.

Schade auch, dass er sich nicht für das Seelenleben des vom Umbau seines Gehirns gebeutelten Teenagers interessiert. Auch seine Nöte werden lächerlich gemacht, wenn es etwa um das erste Mal geht.

Am Ende dann die schönste Szene: Carla geht ins Ausland, Hannes hat sich überwunden und zugestimmt. Es gibt Tränen am Flughafen, aber auch eine spontane Session mit Musik, alle singen. „Wir sind frei“, sagen sich Sara und Hannes. „Wir könnten ja mal wieder etwas zusammen unternehmen.“ Warum daraus nichts wird, soll hier nicht verraten werden.

Von Claudia Palma/RND

Der Artikel "Leander Haußmann und die Liebe zum Teenie " stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

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