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14:35 17.07.2009
Lady Gaga: In München konnte sie kaum noch jemanden schockieren.
Lady Gaga: In München konnte sie kaum noch jemanden schockieren. Quelle: Sebastian Widmann/ddp
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Für den Auftritt von Lady GaGa hatten sich viele Fans stilecht dekoriert und GaGa-typische Accessoires gewählt. Die Meisterin der schrill-provokanten Selbstinszenierungen tauchte kurz nach 21 Uhr im Nebeldunst auf. Als lebendige Disco-Kugel, in einer Korsage aus kleinen Spiegelplättchen und mit Glitzermaske vor dem Gesicht, posierte die US-Popsängerin zunächst reglos auf einem Podest und brachte die rund 6000 Zuschauer allein dadurch zum Kreischen.

Die 23-jährige New Yorkerin, die eigentlich Stefani Joanne Angelina Germanotta heißt, startete in München ihre erste Solo-Tour durch Deutschland. Eine wilde Bühnenshow hatte sie angekündigt, und sie enttäuschte ihre Anhänger nicht: Die Kostüme waren gewagt-ausgeflippt und bedeckten nur die nötigsten Körperpartien: Mal erschien sie in roten Gummi-Hotpants und räkelte sich so auf einem Motorroller, mal zeigte sie sich in einem futuristischen neongelben Mini-Tutu mit überdimensionalen Schulterpolstern. Dreimal zog Lady GaGa sich um.

Begleitet wurde sie von sieben Männern - ihrer vierköpfigen Band und drei Tänzern. Gemeinsam mit ihnen heizte die Tochter aus einer wohlhabenden, katholischen Familie mit italienischen Wurzeln der Menge ein. Im vergangenen Jahr hatte sie ihr Debüt-Album „The Fame“ veröffentlicht und sich mit den millionenfach verkauften Elektro-Discopop-Songs wie „Paparazzi“, „Just Dance“, „Love Game“ und „Poker Face“ ihren Weg im Popmusikgeschäft gebahnt.

In München wirbelte Lady GaGa über die Bühne, sang freizügige Textzeilen und bewegte sich eindeutig dazu: rieb sich wahlweise an einem Tänzer oder spielte mit dem Mikrofonständer. „Ihr seid verrückt, aber das ist okay, weil ich verrückt bin“, kommentierte die 23-Jährige die Begeisterung der Menge. „Ich konnte es nicht erwarten, auf diese Bühne zu kommen, weil ihr das Blut seid, das durch mein Herz strömt“, rief sie.

Als ihr Vater ihre Show gesehen habe, sei er „traumatisiert gewesen“ und habe geweint, hatte Lady GaGa in Interviews eingeräumt. In München konnte sie kaum noch jemanden schockieren. Sogar erstaunlich viele junge Mädchen waren von ihren Eltern begleitet worden, die angesichts der Hitze im Saal das Spektakel teils recht gequält verfolgten.

Etwas irritiert reagierten Zuschauer auf kurze Pausen, die für die drei Kostümwechsel entstanden. Videofilme wurden in dieser Zeit gezeigt. Lady GaGa versteht sich, wie sie betont, nicht nur als Musikerin, sondern auch als Performance-Künstlerin, die ihre Inspiration aus der bildenden Kunst bezieht. Ihr „Haus of GaGa“, wie sie die Bühne nennt, sei als Reverenz an das Bauhaus zu verstehen. In Verehrung für Andy Warhol stellt sie sich in den gezeigten Videofilmen als „Candy Warhol“ vor.

Live überzeugen konnten sich die Fans in München von dem musikalischen Talent dieser exzentrischen Künstlerin. Nicht nur ihre stimmlichen Qualitäten stellte die Sängerin unter Beweis und sang ohne Begleitung „Willkommen“ aus dem Musical „Cabaret“. Auch am Klavier begleitete sie sich zu einer abgewandelten Version ihres größten Hits „Poker Face“ selbst - stellte sich auf den Klavierhocker, streckte dabei den spärlich bekleideten Hintern in Richtung Publikum und spielte mit einer Hand.

Schon mit vier Jahren soll Lady GaGa sich das Klavierspiel selbst beigebracht haben, sie komponierte mit 13 ihr erstes Lied und trat bereits ein Jahr später in New Yorker Clubs auf. Später komponierte sie zunächst für die Pussycat Dolls oder Britney Spears, bevor sie ihre eigene Karriere startete.

Den Song, mit dem ihr der große Durchbruch gelang, brachte Lady GaGa in München als großes Finale: „Poker Face“ brachte die Menge zum Toben. Enttäuschte Gesichter gab es allerdings, als die Künstlerin sich danach ohne Zugabe nach nur rund 70 Minuten verabschiedete. Mehr Hits hat sie bislang noch nicht. Mit ihrer Tour wollte Lady GaGa nach München in Köln (17. Juli) und Berlin (18. Juli) Station machen.

ddp

Martina Sulner 16.07.2009
16.07.2009