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Kultur Kunst im Hügel am Maschsee
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16:45 03.06.2009
Von Johanna Di Blasi
Hinauf zum Olymp der Kunst: Das Sprengel Museum Hannover, als Bau das Kind einer Antihaltung. Quelle: Ralf Decker

Das am 7. Juni 1979, also vor 30 Jahren, eröffnete Sprengel Museum in Hannover hat sich hervorragend etabliert, ist ein großartiges Kunstmuseum und eine der ersten Adressen für moderne und zeitgenössische Kunst der Republik. Als Bau aber ist es eklatant gescheitert, und zwar an den eigenen Ansprüchen der Architekten.

Um ja nicht monumental zu wirken, haben sie ihren Betonbau in einem künstlich errichteten Hügel eingegraben, doch dieser erweckt erst recht das Gefühl, auf den Olymp hinauf zur Kunst steigen zu müssen. Was oben herausragt ist gewissermaßen nur die Spitze des Eisberges. Der Architekturhistoriker Wolfgang Pehnt hat das Haus wohlwollend mit einem „halb verborgenen Dampfer“ verglichen, „dessen Aufbauten über die Deichkrone lugen“. Aber wo sind die Sturmfluten, vor denen man sich mit Deichen schützen müsste? Der Maschsee ist nicht eben für Tsunamis bekannt.

Mit der „Museumsstraße“ im Inneren des Hauses sollte Offenheit zur Straße hin demonstriert werden, doch dass der hohe Bau auf den Mann von der Straße einladend wirkt, werden die wenigsten behaupten wollen. Ihr Museum sollte offener, einladender, freundlicher wirken als herkömmliche Museen. Wieso aber haben die Architekten, das Büro Trint, Trint und Quast aus Köln und Heidelberg, es dann derart gegen sein Umfeld abgeschottet? Zum Maschsee hin, zur Panoramaseite, macht es die Schotten dicht. An einer der exponiertesten und schönsten Stellen Hannovers igelt sich der Bau ängstlich ein.

Man merkt dieser Architektur an, dass sie das Kind einer Antihaltung ist: In den späten Siebzigerjahren wurde die Institution des Museums angezweifelt, zumal des bürgerlichen „Kunsttempels“. Man sehnte sich nach völlig neuen, offenen Orte: für eine zwanglosere, demokratischere Begegnung mit Kunstwerken. Sie fänden schon allein das Wort „Kunstmuseum“ schrecklich, schrieben damals die Architekten in einem „offenen Brief an einen noch unbekannten Museumsdirektor“.

Das erklärt einiges vom Verkorksten dieses Baus. Etwa die Raumverteilung: Ursprünglich nahmen Flächen für die Begegnung und Belehrung sogar fast so viel Platz ein wie die Räume für die Kunstpräsentation. Extra für die pädagogische Besucherbetreuung mittels Multimedia wurden fensterlose Kabinette eingerichtet – doch Menschen sind keine Filme, die für ihre Entwicklung Dunkelkammern brauchen. Noch heute nimmt Pädagogik breiten Raum ein. Doch ist es nicht absurd, dass in dem inzwischen in schlimme Platznöte geratenen Haus ausgerechnet die Belle Etage für Kreativgruppen reserviert ist?

Weder nach außen hin noch im Inneren kann von Transparenz wirklich die Rede sein: Die verschachtelten, unübersichtlichen Raumstrukturen könnte man bestenfalls als traumartig bezeichnen. Die Struktur aus Etagen, Halbetagen und Kabinetten erschließt sich einem auch nach wiederholten Besuchen nicht wirklich. Vor allem aber ist die Reformarchitektur von einst viel schneller veraltet, als sich seine Erbauer das wohl vorgestellt haben. Den Anforderungen des zeitgenössischen Museumsbetriebs kann dieses Haus nur unzureichend genügen.

Das zeigt sich gerade jetzt, wo das Sprengel Museum mit „Marc, Macke und Delaunay“ (200.000 Besucher werden erwartet) in einer neuen Liga mitzuspielen versucht, aber weite Teile des Hauses in die Großbespielung gar nicht einbeziehen kann. Man stelle sich einmal vor, was passieren würde, wenn Besuchermassen wie bei „Marc, Macke und Delaunay“ – also mehrere Tausend Leute an Wochenenden – in die engen, labyrinthischen Räume im Untergeschoss geschleust würden, wo die Architekten extra keine Wegführung vorgaben, um Besucher nicht zu „bevormunden“. Es wäre das reinste Chaos.

So ist es zum Teil ein hausgemachtes Problem, wenn nun, dreißig Jahre nach dem ersten Bauabschnitt, der 27, 5 Millionen Mark gekostet hat, und 17 Jahre nach dem 40 Millionen Mark teuren zweiten Bauabschnitt, ein 25 Millionen Euro teurer dritter Bauabschnitt kommen – und das Museum etwas mehr als 4000 Quadratmeter Fläche dazubekommen soll. Noch vor der Sommerpause wird der Rat der Stadt über die Ausschreibung des internationalen Architektenwettbewerbs für die Erweiterung des Sprengel Museums entscheiden. „Wir sind im Moment dabei, eine Liste mit Namen zu erstellen und möchten ebenfalls noch vor der Sommerpause die teilnehmenden Architekten bekannt geben“, sagt Marlis Drevermann, Hannovers Kulturdezernentin.

Ein Teilnehmer ist bereits bekannt: das Architekturbüro Kay Trint und Hanno Kreude aus Köln, Kay Trint ist der Sohn von Peter und Ursula Trint, den Architekten des Sprengel Museums. 65 Architektenbüros werden sich am Wettbewerb beteiligen, 15 davon sind ausdrücklich dazu eingeladen.

Wenn heute das Sprengel Museum dringend eine Erweiterung braucht (auch die Depots sind inzwischen verstopft), so hat das also auch mit Planungsfehlern aus der Vergangenheit zu tun. Aber ausgerechnet das einstmals museumsskeptisch eingestellte Architekturbüro Trint dringt auf die Musealisierung des eigenen Baus. In Gesprächen mit der Stadt habe man vereinbart, dass es für den Erweiterungsbau einen „eindeutigen Schnitt“ geben wird. Bebaut werde nur der Parkplatz, Eingriffe in das alte Gebäude seien nicht gestattet.

Dabei müsste man jetzt den Architekten, die sich schon bald an den Schreibtisch setzen werden, um Lösungen für das Sprengel Museum zu entwickeln, eigentlich alle Freiheiten geben.

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