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19:27 05.08.2012
Bilderflut: Die „Arche“ der Kulturfiliale auf dem hannoverschen Marktplatz. Quelle: Steiner
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Hannover

Wer dieser Tage in Hannovers Altstadt unterwegs ist, wird am Platz vor der Marktkirche ins Stocken geraten. Ein Junge steht, mit Atemmaske und Schutzbrille, vor einem Haufen elektronischer Geräte und drischt mit einem Hammer auf Plastik und Metall ein. In der Nähe wurde etwas eingezäunt und mit schwarzen Transparenten abgeschirmt, die verkünden: „Hier ist die Krise!“ Daneben eine Bühne, auf der die aktuellen Zeitungen verlesen werden: Das gesellschaftliche System stecke in einer Sackgasse; die Wirtschaft befinde sich an einem Tiefpunkt; der Klimawandel entwickele sich zum Desaster. Sogar vom Weltuntergang ist im Jahr 2012 - mal wieder - die Rede.

Die derzeitige Lage der Weltbevölkerung scheint schwieriger denn je zuvor. Doch was ist wirklich dran an dieser Krise? Und: Gibt es Rettung? Das fragt sich die Kulturfiliale, eine freie hannoversche Theatergruppe, bestehend aus Esther Dandani, Katherine Halbach, Karoline Hoefer, Moritz Löwe, Ramona Rauchbach, Marco Storman, Tanya Weiler und Nils Zapfe. Wenn die Theaterhäuser Sommerpause haben, zeigt die Kulturfiliale ihre Projekte. Vor drei Jahren etwa bauten die Schauspieler in der Innenstadt einen Hochsitz, auf dem man einen Schauspieler besuchen konnte. Die Installation erinnerte an den Fall eines Arbeitslosen, der sich auf einem Hochsitz im Solling zu Tode gehungert hatte.

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Aktuell ist „Bugarach: Die Arche der Wurzellosen“ zu sehen: eine begehbare Installation mit Performance Acts und der Möglichkeit, über die Krise ins Gespräch zu kommen. Auf einem Bildschirm werden Passanteninterviews gezeigt, auf einem anderen Expertenmeinungen präsentiert. Im Vergleich wird deutlich, dass Bürger genau wie die Spezialisten die Krise auf sich immer wiederholende Kernthemen beziehen: Arbeitslosigkeit, Finanzmarkt, Euro, Kapitalismus, Politik, gesellschaftliche Verantwortung, Wegwerfgesellschaft und Klimawandel.

Auch der Hintergrund des Projektes wird in einem kurzen Dokumentarfilm erläutert: Die Reise der „Kulturfilialisten“ in das französische Dorf Bugarach, wo in einem Berg angeblich ein Ufo lagert, das die Menschen vor dem Weltuntergang retten soll.

Das Kernstück der - auf den ersten Blick provisorisch anmutenden, aber mit vielen liebevollen Details ausgestalteten - Arbeit bildet die „Arche“. Im Inneren des Bauzauns erwartet den einzelnen Besucher eine Reise zu sich selbst. Im Antrag auf einen Platz in der „Arche“ muss man eine Utopie formulieren: Nur wer eine Vorstellung hat, wie die Gesellschaft besser funktionieren könnte, hat ein Recht auf Rettung.

Und wer sich über all das Krisengefasel oder den Funken Hoffnung auf Rettung nicht den Kopf zerbrechen, sondern lieber bis zum Ende tanzen will, hat auch dazu Gelegenheit. In der „Apokadisko“, einem mit Thermofolie ausgekleideten und mit Diskokugel geschmückten Gewächshaus, läuft der Weltuntergangssoundtrack: Dazu gehört auch Europes „The Final Countdown“, jener Song, zu dem man den apokalyptischen Reitern ins Gesicht schreien möchte.

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