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Kultur Kristofer Åström verzaubert in Hannover
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19:02 14.03.2012
Foto: Kristofer Åström aus Schweden.
Kristofer Åström aus Schweden. Quelle: Moschkau
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Hannover

Das Mephisto auf dem hannoverschen Faust-Gelände ist voll: Knapp 120 Fans sind an einem Montagabend zusammengekommen, um Kristofer Åström und Mattias Hellberg und ihren Tourmusikern zu lauschen. In dem kleinen Klub kommt die für die schwedischen Melancholie-Rocker gemütlich-intime Atmosphäre auf. Perfekt.

Hellberg eröffnet den Abend mit Countryfolk-Klängen am Banjo. Über eine Stunde verfolgt er diesen sanften Einstieg, wechselt zur Akustik- und Halbakustikgitarre und wird unterstützt von Jonas Kernell am Keyboard. Bei "Oh no" greift Hellberg zur Mundharmonika und singt mit dylan-gefärbter Stimme davon, dass er nichts besser kann, als vor Problemen wegzulaufen.

Ähnlich verzweifelte Gedanken präsentiert Kristofer Åström. Er verpackt Selbstzweifel, Liebeskummer, die Schwierigkeiten des Lebens und den Schmerz der Identitätsfindung in knappe, poetische Worte und romantische Mollharmonien. Mit grundsolider Indie-Rock-Instrumentierung begleiten ihn Fredrik Normark (Schlagzeug), Fredrik Moberg (Bass), Per Flamman Westling (Gitarre) und Kernell (Keyboard). Das Unverkennbare an Åströms Kompositionen sind die auf kleinsten Harmoniebruchstücken aufgebauten, elliptisch kreisenden Melodien in den Gitarren- und Keyboardparts. Das ist die sanfte Seite des Musikers, der mit seiner Hardcore-Rockband Fireside auch ganz anders kann. An diesem Abend steht Åström in sich gekehrt und mit gesenktem Blick auf der Bühne und überträgt seine gedankenschwere Melancholie über die Musik auf das Publikum. Die energiegeladenen Stücke im Stile des Grunge-Rock verströmen wiederum Hoffnung auf bessere Zeiten. Wenn Åström singt, ob es sich noch zu träumen lohne, möchte man antworten: Ja. Einfach: Ja.

Großer Applaus.

Jacqueline Moschkau