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Kultur Kraftwerk mit erstem Live-Auftritt nach mehr als 20 Jahren
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10:10 13.01.2013
Kraftwerk boten dem Publikum ein zweistündiges Klang- und Bildgewitter. Quelle: dpa
Düsseldorf

„Wir sind die Roboter.“ Eine Raumstation schwebt in den Zuschauerraum und stürzt scheinbar in die Reihen, Roboter marschieren als 3-D-Illusion. Dazu abwechselnd das experimentelle Gezwitscher eines Synthesizers und wummerndes Bass-Stakkato. Als ein Stück lebendiger Musikgeschichte ist die Gruppe Kraftwerk am Freitagabend zum ersten Mal seit gut 20 Jahren in ihrer Heimat Düsseldorf aufgetreten. Ein zweistündiges Klang- und Bildgewitter versetzte die Zuschauer in Entzücken.

Im hautengen Ganzkörperanzug stehen die Musiker wie immer ästhetisch streng hinter ihren Keyboards. Aus der Ur-Formation ist nur noch Mastermind Ralf Hütter dabei. Er besorgt den Gesang. Unzweifelhaft sind die Musiker es diesmal selbst und keine Roboter, keine Menschmaschinen, die durch den Abend führen.

1970 ist in Düsseldorf eine Kunstszene von Weltruf beheimatet. Im Bahnhofsviertel der Stadt richten sich Ralf Hütter und Florian Schneider ihr legendäres Kling-Klang-Studio ein. Sie erfinden eigene Musikinstrumente und grenzen sich ästhetisch und inhaltlich scharf von der Rockmusik ab.

Ihr Album „Autobahn“ von 1974 ist der erste Exportschlager deutscher Popmusik in die USA. Da rollt in der Videoanimation ein alter VW-Käfer mit dem Kennzeichen D-KR 70 über die Autobahn, während die Musik aus dem nächsten Jahrtausend scheint. Das Stück Radio-Aktivität von 1975 ist inzwischen als 3.0-Version um die Reaktorkatastrophe von Fukushima ergänzt.

Ob Computerwelten und Roboter-Maschinenparks - die Kraftwerk-Visionen der 1970er und 80er Jahre sind im Jahr 2013 Realität. Was die musikalische Gegenwart angeht, hat Kraftwerk sie kräftig mitgestaltet: „An meinem Computer steh’ ich hier und programmier’ die Zukunft mir“, singt Hütter.

Im 43. Jahr ihres Bestehens ist der weltweite musikalische Einfluss der Gruppe unbestritten. Ihre Retrospektive wird in den bedeutenden Kunstmuseen der Welt aufgeführt. Nach der Uraufführung im New Yorker Museum of Modern Art und dem Konzertreigen in der Kunstsammlung NRW, ist bald die Londoner Tate Modern an der Reihe. 870 Zuschauer dürfen sich in Düsseldorf zu den Auserwählten zählen. Zehntausende hatten versucht, eines der Tickets zu ergattern, die binnen Minuten vergriffen waren.

In der Kunstwelt wird Kraftwerk neben Mondrian und Kandinsky zwischen Minimalismus und Konstruktivismus sortiert. So eingängig ihr digitaler Sound, ihre Rhythmen und Melodien heute sind, so revolutionär und unerhört waren sie es in den 1970er Jahren. Inzwischen hat Kraftwerk sich durch die opulente 3-D-Animation auch visuell als Gesamtkunstwerk vollendet.

Davon zeugt auch die Fotoschau im nahen NRW-Forum mit den Bildern von Peter Boettcher. Er hat die „Menschmaschine“ Kraftwerk in Detroit, New York, Paris, Turin und Wolfsburg fotografiert. Doch die Porträts bleiben maskenhaft, die scheinbar sichtbaren Musiker verborgen: „Es sind alles Roboter“, sagt Boettcher über sein Bildwerk. 

dpa

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