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Kultur Konzert mit Fumiaki Miura
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06:15 13.06.2012
Von Jutta Rinas
Der japanische Geiger Fumiaki Miura erntete großen Applaus.
Der japanische Geiger Fumiaki Miura erntete großen Applaus. Quelle: Steiner
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Hannover

Knapp drei Jahre ist es her, dass der japanische Geiger Fumiaki Miura den Internationalen Violinwettbewerb Hannover gewonnen hat. Gerade einmal 16 Jahre alt war er damals - und die Eindeutigkeit, mit der er im Wettbewerb siegte, war bemerkenswert: Die Expertenjury, die Publikums- und die Kritikerjury hoben ihn aufs Siegerpodest.

Jetzt war Miura wieder in Hannover zu hören, in einer Art Abschiedskonzert, das zugleich in die Zukunft wies. Ein letztes Mal durfte der Geiger mit den auffällig strubbeligen Haaren im Richard-Jakoby-Saal der Musikhochschule die wertvolle Guadagnini-Geige streichen, die ihm die hannoversche Fritz-Behrens-Stiftung für drei Jahre geliehen hatte. Vom 13. Oktober an wird ein anderer Nachwuchsgeiger das Instrument wiederum für drei Jahre in den Händen halten: Dann ist der nächste Gewinner des Wettbewerbs, der seit Neuestem „Internationaler Joseph Joachim Violinwettbewerb Hannover“ heißt, ermittelt.

Der mittlerweile 19-jährige Fumiaki Miura hatte sich für den Beginn seines Konzertes Sergej Prokofjews Violinsonate in f-Moll op. 80 ausgesucht: eine mutige, aber vielleicht keine ganz so kluge Wahl. Miura hat beide Prokofjew-Sonaten im Frühjahr 2011 sogar schon mit dem phantastischen israelischen Pianisten Itamar Golan für Sony Japan eingespielt. Mit Boris Kusnezow, einem Studenten der Musikhochschule Hannover, der schon beim Deutschen Musikwettbewerb erfolgreich war, stand ihm auch in Hannover ein bemerkenswerter Duopartner zur Seite.

Prokofjews Sonate ist ein wunderbares, aber auch ein düsteres Stück. Der russische Komponist, der nach vielen Jahren im Ausland Mitte der dreißiger Jahren in die Sowjetunion zurückging, stellte es sieben Jahre vor seinem Tod fertig. Eine weltabgewandte, fahle Musik prägt den ersten Satz. Manchmal hört man nur Melodiefetzen, manche auf der Geige gestrichenen Töne klingen wie Wind, der an einem kalten Herbsttag durch die Bäume pfeift. Harte Akzente, dramatische, manchmal geradezu martialische Attacken folgen in den weiteren Sätzen Seelenlandschaften. Klangbilder von großer Kraft muss ein Geiger hier entwerfen, wenn er dem Stück gerecht werden will. Miura gelang das vor allem im 4. Satz, den er mit seinem kongenialen Partner Kusnezow mit glutvoller Intensität interpretierte.

Ludwig van Beethovens „Frühlingssonate“ bildete mit ihrem lieblichen Charakter einen starken Kontrast zu Prokofjew. Auch dort gab es Stellen, die man sich noch mehr in Musik verwandelt gewünscht hätte. Stattdessen blieb es manchmal bei einem Geigenspiel auf technisch und klanglich zweifellos hohem Niveau.

Edvard Griegs mit großer Leidenschaft vorgetragene Violinsonate c-Moll op. 45 und die beiden Zugaben - unter anderem Massenets wunderschöne „Thaïs“-Meditation - ließen aber keine Wünsche offen. Großer Applaus.

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