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Kultur Klaus Florian Vogt eröffnet die Spielzeit
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18:46 07.10.2012
Von Stefan Arndt
Ein Lächeln vom Tenor: Florian Vogt gibt Autogramme. Quelle: Herzog
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Hannover

Der Intendant lässt sich Zeit. Seelenruhig wartet er, bis sich auch die letzten Zuhörer durch die gefüllten Reihen zu ihren Plätzen gedrängt haben. Die Saaldiener schließen die Türen, und Michael Klügl sagt: „So, jetzt sind wir ausverkauft.“ Es klingt, als sei eine Falle zugeschnappt. Dabei ist es nur die Begrüßung, mit der Klügl das Benefizkonzert für die Stiftung Staatsoper Hannover und damit auch die neue Spielzeit im frisch renovierten Opernhaus eröffnet. Tatsächlich scheint die Oper unter Klügls Leitung immer mehr Publikum anzulocken: In den vergangenen Jahren waren bei der traditionellen Veranstaltung immer noch einige Plätze leer.

Der Andrang mag aber auch am Solisten des Abends liegen: Der Stern von Klaus Florian Vogt strahlt schließlich immer heller am Sängerhimmel. Kein deutscher Sänger ist derzeit gefragter als der Tenor. Vor allem als Wagner-Sänger macht Vogt Furore. In Bayreuth, wo seine Karriere als Stolzing in Katharina Wagners „Meistersinger“-Inszenierung Fahrt aufgenommen hatte, war er zuletzt als Lohengrin zu hören. Beide Partien stellte er nun auch in Hannover vor: die „Meistersinger“, weil die im Sommer in einer Version des „Traviata“-Regisseurs Benedikt von Peter zum hannoverschen Repertoire gehören werden; und „Lohengrin“, weil wohl keiner die Gralserzählung so wunderbar ätherisch singt wie Vogt.

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Tatsächlich ist der Sänger mit der astreinen Haarmatte zwar optisch fast schon das Klischee eines Tenors - stimmlich aber ist er ein Ausnahmefall. Weit entfernt vom klassischen Heldentenor hat seine Stimme eine geradezu instrumentale Reinheit: Manchmal scheint er mehr zu flöten als zu singen - ein erstaunlicher Effekt, der auch zu handfestem Operettenschmalz wie Lehárs „Dein ist mein ganzen Herz“ passt.

Im hannoverschen Ensemble dominieren dagegen künftig andere Stimmen. Die neuen Ensemblemitglieder, die sich in dem Konzert vorstellten, gehören allesamt zum schweren Fach. Bassist Per Bach Nissen wird von April an als hörbar empfindsamer Freund des „Eugen Onegin“ auf der Bühne stehen. Und als Boris weckt er schon jetzt Vorfreude auf Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“, die in zwei Wochen Premiere hat. An seiner Seite wird dann auch Bassbariton Daniel Eggert singen, der den Sprung von der Jungen Oper in das große Ensemble geschafft hat. Der dritte neue Tieftöner ist Michael Dries, der gleich unter Beweis stellte, dass er als Don Alfonso die Gefühlsverwirrung in Mozarts „Cosi fan tutte“ (ab Dezember im Spielplan) souverän wird lenken können.

Stefan Adam erinnerte als Posa aus „Don Carlo“ (Wiederaufnahme im Januar) daran, dass es bereits wunderbare Bassisten im Ensemble gibt. An guten Frauenstimmen herrscht ebenfalls kein Mangel: Monika Walerowicz beherrscht (als Eboli) die große Oper ebenso überzeugend wie den Kammerton von „Cosi“. Und Dorothea Maria Marx gab als Fiordiligi einen Vorgeschmack darauf, dass sie ihr bei Mozart eine ebenbürtige Partnerin sein wird.

Geleitet wird all das von der in dieser Spielzeit viel beschäftigten Generalmusikdirektorin Karen Kamensek, nur in „Eugen Onegin“ wird der Erste Kapellmeister Ivan Repusic dirigieren, bevor er Hannover im kommenden Jahr Richtung Berlin verlässt. Dorthin hatten sich zuletzt schon die hannoverschen Dramaturgen aufgemacht. Klaus Angermann bewies aber mit seiner unterhaltsamen Moderation, dass er viel mehr ist als nur Ersatz. Nach drei Stunden Opernkonzert gab es daher etwas erschöpften, aber höchst begeisterten Beifall im prall gefüllten Saal. Der Andrang wird wohl so schnell nicht abreißen.

07.10.2012
Hannah Suppa 06.10.2012