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Kultur Jugendbuchforscher kritisiert Literaturkritik als „scheinheilig“
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20:41 02.02.2013
In der Debatte um umstrittene Begriffe in Kinderbüchern wie „Negerlein“ hat der Jugendbuchforscher Hans Heino Ewers der Literaturkritik „Scheinheiligkeit“ vorgeworfen. Quelle: dpa (Symbolfoto)

In der Debatte um umstrittene Begriffe in Kinderbüchern wie „Negerlein“ hat der Jugendbuchforscher Hans Heino Ewers der Literaturkritik „Scheinheiligkeit“ vorgeworfen. Zeitgemäße sprachliche Anpassungen wie bei Otfried Preußler oder Astrid Lindgren seien wichtig. „Bis zum Alter von neun Jahren beziehen Kinder abwertende Begriffe wie "Neger" noch auf sich selbst. Wer dunkelhäutig ist, fühlt sich dann verletzt“, sagte der Direktor des Instituts für Jugendbuchforschung an der Universität Frankfurt in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

„Ich frage mich, wo bleibt der Respekt für Kinder zum Beispiel aus bi-kulturellen Familien“, sagte der Germanistik-Professor an die Adresse von Literaturkritikern, die sich in den vergangenen Wochen über die Veränderungen empört haben. Anlass war die Ankündigung des Stuttgarter Thienemann Verlags, in Preußlers Büchern wie der „Kleinen Hexe“ rassistisch besetzte Begriffe wie Neger oder Negerlein durch unbelastete Worte auszutauschen. Bei Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ wurde schon vor einigen Jahren der „Negerkönig“ zum „Südseekönig“.

Zu den Traditionalisten zählte auch der ARD-Literaturkritiker Denis Scheck. Für Irritationen hat sein jüngster Auftritt in der ARD-Sendung „Druckfrisch“ gesorgt, als er aus Protest gegen die Veränderungen mit schwarz geschminktem Gesicht auftrat.

„Es ist völlig deplatziert, hier von Zensur zu reden“, sagte Ewers. Er verwies darauf, dass Autoren ihre Manuskripte oft mehrfach bearbeiteten. Bei historischen Editionen sei eine Aufbereitung unverzichtbar. „Treue zum Text kann in Einzelfällen ein adäquates Textverständnis verhindern.“

Ewers sagte, dass Zehn- oder Elfjährige sehr wohl schon unterscheiden könnten, dass der Wortgebrauch in Büchern aus einer anderen Zeit stammen kann. „Dann muss die Vorsicht nicht mehr gelten.“ Nach Ansicht von Ewers' wäre es auch beschönigend, rassistische Worte etwa in Kolonialromanen aus dem späten 19. Jahrhundert zu streichen. „Aber dazu zählen Otfried Preußler und Astrid Lindgren nicht.“

dpa

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