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Kultur Joe Bonamassa überzeugt in der Swiss-Life-Hall
Mehr Welt Kultur Joe Bonamassa überzeugt in der Swiss-Life-Hall
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00:16 11.03.2015
Joe Bonamassa zaubert auf der Bühne den Blues.
Joe Bonamassa zaubert auf der Bühne den Blues. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

Sonnabend. Abends. Nach einem martialisch-bombastischen Instrumental-Intro vom Band ist die Bühne in der hannoverschen Swiss-Life-Hall plötzlich in gleißendes blaues Licht getaucht. Ein Mann steht unbeweglich wie eine Statue in der Mitte, seine Finger verschwimmen zu unscharfen Schatten, während er der E-Gitarre kreischende, weinende, wimmernde, flehende Töne entlockt. Joe Bonamassa ist da. Mit Sonnenbrille und grauem Maßanzug sieht er aus wie der freundliche Banker von nebenan. Er spielt „Hey Baby“, ein Stück von Jimi Hendrix, und macht sofort klar, um was es heute Abend geht. Um Blues. Um nichts als den Blues.
Blues – das waren früher die Sklaven auf dem Mississippi, die von Liebe und Arbeit gesungen haben. Die Themen sind im Laufe der vergangenen 100 Jahre sehr viel vielfältiger geworden: Diskriminierung, Verrat, Verbrechen, Resignation, Arbeitslosigkeit, Hunger, finanzielle Not, Heimweh, Einsamkeit, Untreue – das alles ist traurig, das alles kann Blues sein.

Bonamassa gilt mit seinen 38 Jahren bereits als eine Legende unter den Bluessängern und -gitarristen. Und er lässt die knapp 3500 Zuhörer in der Swiss-Life-Hall auf eindrucksvolle Art und Weise an seiner schrecklich traurigen Sicht auf die Welt teilhaben. Er hat von allem etwas, der Mann mit den flinken Fingern. Manche Riffs sind erkennbar von den Beatles geklaut, manches erinnert an Eric Clapton oder auch an Alvin Lee. Wenn Joe Bonamassa singt, meint man fast schon, eine Reinkarnation von Gary Moore sei an den Maschsee in Hannover gekommen. Unterstützt wird er von drei Bläsern, dem hervorragenden Percussionisten Daniel Sadownick und dazu Tal Bergman am Schlagzeug und Carmine Rojas am Bass, zwei Musiker, die ihn seit Jahren begleiten. Trompeter, Saxophonist und Posaunist stehen hinter Retro-Pulten, an denen auch Max Greger seine Freude hätte.

Der Bonamassa-Sound ist fett, geradezu brillant für Swiss-Life-Hall-Verhältnisse. Die durch die Bank älteren Bluesfans kennen viele Songs, wippen mit, fühlen sich unter sich. Bonamassas Gitarrensound hat oft diesen eigentümlich singenden Ton, den man beispielsweise auch von Toto-Gitarrist Steve Lukather kennt. Otis Rush, Freddie King – kaum eine Legende, die er nicht zitiert und mit seiner Interpretation ihrer Stücke weit hinter sich lässt. „Hidden Charms“ von Howlin’ Wolf, inklusive Honky-Tonk-Piano und Stakkato-Bläsern, kommt in bester Blues-Brothers-Manier daher.
Bonamassa singt davon, wie er ängstlich am Fenster steht. Den Gesangseinsatz hätte nur Ol’ Blue Eyes Frank Sinatra noch weiter hinauszögern können. Nichts und niemand kann Bonamassas  wundes Herz heilen. Nichts als der Blues.

Als Zugabe gibt es noch einen Song von Muddy Waters. In „All Aboard“ wird ein Mann ohne Freunde immer wieder nur herumgeschubst. Joe Bonamassas Gitarre schreit, er selbst schluchzt, teilt Trauer und Wut mit all seinen Zuhörern. Von denen haben ohnehin viele wegen der so unglücklichen Niederlage von Hannover 96 den Blues. Wie so oft.

Michael Krowas

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