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Kultur Jesse und Celine treffen sich in „Before Midnight“ erneut
Mehr Welt Kultur Jesse und Celine treffen sich in „Before Midnight“ erneut
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17:30 12.02.2013
Von Stefan Stosch
Berlin

Das siebte Jahr gilt für Paare gemeinhin als das verflixte, das neunte aber kann ein magisches sein - jedenfalls für das amerikanisch-französiche Kinopaar Jesse (Ethan Hawke) und Céline (Julie Delpy). In diesem Rhythmus sind sich die beiden jeweils für wenige Stunden begegnet, das erste Mal in Wien („Before Sunrise“, 1995), das zweite Mal in Paris („Before Sunset“, 2004), und nun ist es in „Before Midnight“ im Süden Griechenlands wieder so weit. Allerdings haben sich die Voraussetzungen gründlich gewandelt.

Die ersten beiden Filme waren solche über die Liebe in der Möglichkeitsform, über nie gestillte Sehnsüchte und verpasste Chancen. Das ist nun anders. Céline und Jesse sind vor neun Jahren doch nicht einfach so auseinandergegangen: Sie haben zwischenzeitlich geheiratet - und in Paris Zwillinge bekommen, die sie ziemlich in Trab halten. Zudem hat Jesse noch einen Sohn aus seiner früheren Beziehung drüben in Chicago, keine ganz einfache Vater-Sohn-Beziehung. Er ist immer noch Schriftsteller, sie hat beruflich mit Windkrafträdern zu tun.

Damit, so sollte man meinen, hat sich das charmante Kinkonzept erledigt: Die Ausnahmesituation, in wenigen Stunden alles über das Leben im Allgemeinen und die Liebe im Besonderen auszutauschen, ist aufgehoben. Jesse und Céline haben einen gemeinsamen Alltag. Und doch tun sie bei ihren griechischen Freunden im Urlaub so, als ließe sich der alte Zauber im erweiterten Gesprächskreis noch einmal beschwören. Das wirkt zunächst reichlich gekünstelt - auch wenn das gemeinsam mit Regisseur Richard Linklater entwickelte Drehbuch wieder Amüsantes und Biestiges über Mann und Frau bietet.

Aber dann wird den beiden ein Abend ohne Kinder in lauschiger Umgebung geschenkt. Und da ist sie wieder, die Ausnahmesituation. Plötzlich geht es ums Eingemachte, um echte Paarprobleme, um schlechten Sex, Lügen und Halbwahrheiten, um die Unvereinbarkeit von Karriere und Familie - und bei all dem suchen die beiden nach der alten Romantik.

Beim Zuschauer stellt sich wieder das Gefühl ein, das auch die ersten beiden Teile ausgezeichnet hat: Zwischen dem Leben der Hauptdarsteller und der Leinwandfiguren ist die Trennlinie fließend. Das macht diese Filmtrilogie ja gerade so wahrhaftig, dass sich echte Erfahrungen in fiktionalisierter Form darin spiegeln.

Was aber auch heißt: In neun Jahren könnte der vierte Film folgen. Oder etwa nicht? Am Besten man fragt die Hauptdarsteller selbst. Sie sitzen in einem Hotel am Berliner Gendarmenmarkt. Wer ihnen zuhört, weiß manchmal nicht recht, ob nun Ethan und Julie oder Jesse und Céline sprechen.

„Wir wollen nicht in die Zukunft der Charaktere schauen“, sagt Julie Delpy. „Die beiden leben genau wie wir in der Gegenwart.“ Und Ethan Hawke sagt: „Nach dem zweiten Film waren wir uns sicher, dass es einen dritten geben würde. Jetzt hat die Geschichte eine Art Auflösung gefunden. Aber eine erstaunliche Lebensarbeit wäre es schon, diesen Roman fürs Kino immer weiter fortzusetzen. Wir würden alle neun Jahre beleuchten, ob und wie es mit der Liebe der beiden weitergeht.“

Er habe sogar schon eine Idee, sagt Hawke. Aber da fällt Delpy ihm ins Wort: „Verrat sie nicht.“ In spätestens neun Jahren wissen wir mehr.

In den wenigsten Berlinale-Filmen ist wie bei „Before Midnight“ ein Romantikfaktor eingebaut. In dem von Pia Marais gewiss nicht. Ihr mit viel deutschem Geld finanzierter Wettbewerbstbeitrag „Layla Fourie“ spielt in Südafrika. Der Job von Titelheldin Layla (Rayna Campbell) ist es, die Zuverlässigkeit von Jobbewerbern mit dem Lügendetektor zu prüfen - eine offenbar übliche Einstellungmethode. Doch dann gerät die alleinerziehende Mutter selbst in Bedrängnis, überfährt einen Mann, lädt den Toten auf der Müllkippe ab. Und sie weiß selbst am besten: Von nun an zieht eine Lüge die nächste nach sich.

Ein bisschen überkonstruiert ist dieser Thriller. Zu viele Zufälle müssen zusammenkommen, um die Story (mit August Diehl als Laylas Gegenspieler) zuzuspitzen. Überzeugend aber zeigt Regisseurin Pia Marais, die in Südafrika aufwuchs und mittlerweile in Berlin lebt: Die Kurve der Angst schlägt heftig aus am Kap, wo die Menschen sich hinter Gittern verbarrikadieren und jede Begegnung auf der Landstraße eine tödliche Falle sein könnte.

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