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Kultur James Blunt stellt in Hannover neue Single vor
Mehr Welt Kultur James Blunt stellt in Hannover neue Single vor
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00:00 06.11.2010
Von Uwe Janssen
Freitagabend beglückte James Blunt etwa 250 Fans bei einem exklusiven Minikonzert im Kleinen Sendesaal des NDR am Maschsee.
Freitagabend beglückte James Blunt etwa 250 Fans bei einem exklusiven Minikonzert in Hannover. Quelle: Martin Steiner
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Der Satz wirkt nach: „Ein alltägliches Leben zu führen, ist eine aufregende Sache.“ Wer so etwas sagt, dem ist es vermutlich vorher sehr schlecht gegangen. Der Satz stammt aber von James Blunt, und dem ist es in den vergangenen Jahren eher zu gut gegangen. Der britische Sänger und Songschreiber ist in den vergangenen fünf Jahren zum Weltstar geworden, hat von seinen beiden Alben knapp 20 Millionen Exemplare verkauft, hat riesige Hallen gefüllt, mit dem Lied „You’re beautiful“ ist er an die Spitze der amerikanischen Billboard-Charts gestürmt und hat seitdem den inoffiziellen Titel des musikalischen Weltschmusebärs nicht mehr hergegeben. Wenn man dann noch sein erstes Leben hinzurechnet, in dem der Soldatensohn als Offizier bei den Kfor-Truppen im Kosovo Nato-Dienst schob, ahnt man, was er mit dem aufregenden alltäglichen Leben meint.

Blunt verbringt das Wochenende in Hannover. Am Samstagabend wird der 36-Jährige bei „Wetten, dass ...?“ in der TUI Arena seine neue Single vorstellen, am Freitagabend bereits beglückte er etwa 250 Fans bei einem exklusiven Minikonzert im Kleinen Sendesaal des NDR am Maschsee. Im März kommt er dann wieder zum Maxikonzert in die große TUI Arena. Viel Programm, das aber einen Grund hat: „Some kind of Trouble“, das dritte Album, das am Freitag erschienen ist. Eine Spaßplatte, sagt Blunt. Den aufregenden Alltag, der ihn so faszinierte, hat er in London erlebt, er ist mehr oder weniger ein Jahr um die Häuser gezogen und hat seine Erlebnisse in Songs gegossen. Oder sich zumindest inspirieren lassen. „Energiegeladen“ seien dementsprechend die neuen Blunt-Songs, findet Blunt. Echter Alltag kann so anregend sein.

Addiert man nun die Beats-per-Minute-Tempoangaben der zwölf neuen Stücke, kommt man sicherlich zu dem Schluss, dass „Some kind of Trouble“ flotter ist als das Debüt „Back to Bedlam“ (2005) oder „All the lost Souls“ (2007). Wenn man sich also in den endlichen Weiten des James-Blunt-Universums bewegt, mag der Schmuse- zum Tanzbär oder Diskofuchs geworden sein. Schon die Folkpop-Single „Stay the Night“ deutete an, dass Blunt eine Schippe drauflegt und fürs Publikum sogar „Ohoho“-Chöre dabei hat. „So far gone“ oder „I’ll be your Man“ sind fröhliche, selbstironische Songs, „Turn me on“ am Ende ist eine veritable Glamrocknummer, die von 1973 stammen könnte.

Aber so richtig „Dangerous“, wie Blunt es im zweiten Song besingt, wird es natürlich nicht. Schon kurz darauf fallen schwermütige Pianoakkorde und Geigen und Chöre aus den Boxen, Worte wie „Light“ und „Shadow“ künden in „Best Laid Plans“ von der Last des Lebens, Blunt zieht das „Why“ wie vor fünf Jahren das „High“ ins Falsett, und die anonymen Melancholiker können sich beruhigt zurücklehnen. Das ist der alte James. Der weiche Riese. Ein Dutzend Ohrwürmer zwischen Folkpop und Popfolk, harmonisch, vollaromatisch, eine Art Krönung light des Mainstreampop. Das einzig Schräge ist Blunts hohe, leicht knarzige Stimme, an der sich weiterhin die Geister scheiden werden. Frauen finden das gefühlvoll, Männer heulsusig oder würden das Gegenteil zumindest nicht zugeben. Ein Zustand, mit dem man sicherlich leben kann, wenn man damit 20 Millionen Platten verkauft hat.

„Some kind of Trouble“ ist nicht nur eine sichere Nummer eins, sondern auch eine sichere Nummer sicher. Wer ins Radio will, muss genau solche Songs, solche Melodien, solche Hymnen schreiben. Und wer Radio hört, wird sich den Songs in den kommenden Monaten kaum entziehen können. Der Weltschmusebär verteidigt seinen Titel souverän.

James Blunt: „Some kind of Trouble“

Am 26. März gastiert Blunt in der TUI Arena Hannover. Karten gibt es unter (0511) 44 40 66.