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Kultur J. K. Rowling: der tiefe Fall der „Harry Potter“-Autorin
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07:43 14.01.2022
Die Autorin J. K. Rowling.
Die Autorin J. K. Rowling. Quelle: Evan Agostini/Invision/AP/dpa
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London

Es ist ein idyllischer Abend in London. Die Schauspielerin Emma Watson betritt eine Buchhandlung im Zentrum der Stadt und zieht einen verstaubten Schmöker aus dem Regal. Darin befindet sich eine Karte, auf der steht: „Sie sind eingeladen zum 20. Jubiläum: Zurück nach Hogwarts“. Sie atmet auf, fast so, als wäre sie erleichtert, tatsächlich zu dem Event kommen zu dürfen.

Es ist eine der ersten Szenen aus „Return to Hogwarts“, einer dokumentarischen Rückschau auf die berühmten „Harry Potter“-Filme, die seit den frühen 2000er-Jahren eine ganze Generation begeistert haben. Ausgestrahlt wurde die Sendung für Fans Anfang des Jahres. Sie hat jedoch vor allem viel Aufmerksamkeit erhalten, weil eine Person nicht dabei war: die Autorin, deren Romane die Vorlage zu der Filmreihe waren, J. K. Rowling.

Doch wie konnte es so weit kommen? Tatsächlich hat Rowling in Großbritannien einen tiefen Fall erlitten: von der gefeierten Schriftstellerin zur höchst umstrittenen, ja allem Anschein nach geradezu geächteten Person. Der Grund: Sie fiel in den vergangenen Monaten immer wieder mit umstrittenen Äußerungen auf. Ein Thema, das die Gemüter dabei besonders erhitzt hat: das Verständnis von Geschlecht und Gender.

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Zuletzt unterstrich die 56-jährige Britin zum Beispiel Kritik daran, dass es in Schottland künftig Sexualstraftätern überlassen werden soll, welchem Geschlecht sie sich zuordnen und ob sie – in der Folge – in einem Frauen- oder eben einem Männergefängnis untergebracht werden. Rowling kommentierte dies auf Twitter mit einem erweiterten Zitat aus George Orwells antiutopischem Roman mit dem Titel „1984“: „Krieg ist Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Unwissen ist Macht. Die Person mit Penis, die dich vergewaltigt hat, ist eine Frau.“

Schulgebäude umbenannt

Darauf folgte ein Sturm der Entrüstung. Kritiker und Kritikerinnen sahen darin einen Angriff auf die Rechte von Transgenderpersonen. Bis heute wurde der Tweet rund 10.000-mal kommentiert und mehr als 43.000-mal geteilt. Der 37-jährige Modedesigner Daniel Lismore, den das „Vogue Magazine“ als „Englands exzentrischste Stilikone“ bezeichnet hat, warf Rowling vor, Hass gegen „eine ganze Gruppe schöner, unschuldiger Menschen“ zu stiften. Dies war aber nicht der einzige Vorfall. 2020 wurde sie bereits dafür kritisiert, dass sie sich auf Twitter offenbar über einen Artikel lustig machte, der versuchte, den Begriff „Frau“ zu vermeiden und stattdessen „Menschen, die menstruieren“ nutzte. Damals stellte die Autorin klar: „Ich kenne und liebe Transgender, aber das Konzept von Geschlecht aufzuheben, entfernt auch die Möglichkeit vieler, sinnvoll über ihre Leben zu diskutieren.“ Anfang Januar warf ihr dann auch noch US-Komiker und Moderator Jon Stewart Antisemitismus vor. Konkret richtet sich seine Kritik gegen die aus den „Harry Potter“-Filmen bekannten Kobolde, die nach seiner Meinung nach einem antisemitischem Vorbild erdacht seien. Rowling hat sich zu diesen Vorwürfen bislang nicht geäußert.

Anfang Januar zog eine britische Schule in Chelmsford in der Grafschaft Essex Konsequenzen. Dort wurde ein Gebäude umbenannt. Wie die Boswells School mitteilte, heißt der Bau nun nicht mehr Rowling-Gebäude, sondern Holmes-Gebäude – nach der britischen Läuferin und Olympiasiegerin Kelly Holmes. Schuldirektor Stephen Mansell begründete die Entscheidung so: Seine Einrichtung wolle eine „dynamische“ Schulgemeinschaft schaffen, „in der wir die Schüler ermutigen, unabhängige und selbstbewusste Bürger zu werden“.

Emma Watson und Daniel Radcliffe kritisieren Rowling

Rowling hat es laut eigenen Angaben nicht überrascht, dass man sie für ihre Äußerungen angegriffen hat. „Ich erwartete die Androhung von Gewalt“, schreibt sie auf ihrer Homepage. Sie begründet ihren umstrittenen Twitter-Kommentar unter anderem mit ihrer Sorge, dass es durch den Beschluss in Schottland keinen geschützten Raum mehr für Frauen gebe. Auslöser für ihre Bedenken seien persönliche Missbrauchserfahrungen.

„Ich möchte, dass Transfrauen sicher sind. Gleichzeitig möchte ich, dass Mädchen und Frauen, die dieses Geschlecht von Geburt an besitzen, nicht weniger sicher sind.“ Wenn man einem Mann, der sich für eine Frau hält, die Türen zu Toiletten und Umkleidekabinen öffne, dann gehe diese für alle Männer auf, die reinkommen wollen. „Das ist die einfache Wahrheit“, schreibt sie.

Das Äußern dieser „Wahrheit“, wie sie es nennt, hat auch dazu geführt, dass J. K. Rowling sogar persönlich bedroht wird. Im November berichtete sie auf Twitter, dass sie mit Morddrohungen mittlerweile ihr „Haus tapezieren“ könne. Sie kritisierte damals drei Transgenderaktivisten, die ihre private Adresse veröffentlicht hatten. In den sozialen Medien entbrannte derweil ein Streit darüber, ob man ihre Bücher angesichts ihrer Äußerungen überhaupt noch lesen dürfe. Viele Twitter-Nutzer und -Nutzerinnen teilten jedenfalls mit, dass sie die Lektüre nun nicht mehr genießen könnten.

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Auch die berühmten Darsteller aus den „Harry Potter“-Filmen, Emma Watson und Daniel Radcliffe, übten Kritik an der Schriftstellerin. Evanna Lynch, die Luna Lovegood spielte, betonte diese Woche jedoch, wie sehr die Stars Rowling weiterhin schätzten – unabhängig von dem, was sie denke. Sie unterstrich außerdem, dass Rowling keineswegs von der Jubiläumsshow ausgeladen worden sei: „Sie war einfach nur sehr beschäftigt.“

Von Susanne Ebner/RND

Der Artikel "J. K. Rowling: der tiefe Fall der „Harry Potter“-Autorin" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.