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Kultur J.J. Abrams gelingt mit „Star Trek Into Darkness“ eine furiose Fortsetzung
Mehr Welt Kultur J.J. Abrams gelingt mit „Star Trek Into Darkness“ eine furiose Fortsetzung
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23:04 09.05.2013
Von Martina Sulner
Ziemlich beste Feinde: John Harrison (Benedict Cumberbatch) und James T. Kirk (Chris Pine). Quelle: Paramount
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Hannover

Das ist eine ganz heiße Kiste: Ein Vulkan bricht aus und sprüht Lava, was das Zeug hält. Mittendrin in der glühend roten Masse steht ein Mann mit spitzen Ohren und breitet die Arme aus, als heiße er die Lavamassen willkommen und sei bereit, sich von ihnen zerstören zu lassen. Doch da prescht ein Raumschiff heran und rettet den Kerl. Mr. Spock hat überlebt, mithilfe seines Commanders James Kirk. Gott sei Dank, die beiden wichtigsten Figuren des „Raumschiff Enterprise“-Universums haben nahezu unbeschadet den Kampf mit Außerirdischen und auch die Naturkatastrophe überstanden.

Da sind gerade mal ein paar Minuten von J. J. Abrams’ Film „Star Trek Into Darkness“ vorbei, doch der Zuschauer hat schon reichlich Abenteuer zu sehen bekommen. Der Regisseur folgt einem gängigen Muster der Hollywood-Blockbuster: Gleich zu Anfang, ohne lange zu fackeln oder gar zu erklären, lässt er es krachen. Um dann, wenn der Zuschauer gerade so richtig wach geworden ist, etwas Tempo herauszunehmen und die Hauptgeschichte zu entwickeln.

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Wobei: Allzu viel Erklärung ist hier auch nicht nötig – die Figuren sind einem vertraut. Selbst wer kein ausgesprochener „Star Trek“-Fan ist, kennt die Besatzung der „Enterprise“: Captain Kirk und Spock, Scotty und Dr. McCoy, Uhura und Sulu gehören zu unserem popkulturellen Inventar. Nach mehr als 700 Folgen der Fernsehserie und einem Dutzend Kinoversionen kann die „Enterprise“-Crew vielleicht noch in weit entfernten Galaxien für Staunen sorgen. Auf Erden sind die drahtigen Leute in ihren adretten Pullis mit V-Ausschnitt bestens bekannt.

Nichts gegen gute alte Bekannte – nur stellt sich die Frage, was man in einem weiteren Kinofilm über die Haudegen noch erzählen kann. Irgendwie sind schon eine ganze Menge Planeten, auf denen kriegerischen Wesen hausen, entdeckt worden. Regisseur Abrams und seine Drehbuchschreiber schildern deshalb auch die Geschichte vor der Geschichte, also die Erlebnisse, als Kirk und Spock noch junge Kerle sind. Von ihrem ersten Aufeinandertreffen hat der Regisseur bereits 2009 in seinem Kinofilm „Star Trek“ erzählt, an den er jetzt anknüpft.

Abrams, Regisseur von „Mission: Impossible III“ und „Super 8“ sowie Autor und Produzent einiger Science-Fiction- und Mystery-Projekte, arbeitet mit denselben Darstellern wie bei seinem ersten „Star Trek“-Film: etwa Chris Pine als Kirk, Zachary Quinto als Spock, Simon Pegg als Scotty und Zoe Saldana als Uhura. Neu dabei ist Benedict Cumberbatch, der in Deutschland als Sherlock Holmes in der tollen BBC-Serie „Sherlock“ bekannt geworden ist. Cumberbatch spielt jetzt eine Art intergalaktischen Terroristen namens John Harrison – und bringt die Handlung von „Stark Trek Into Darkness“ richtig in Gang. Harrison sorgt erst dafür, dass weite Teile Londons in die Luft fliegen, später greift er die „Enterprise“ an. Und da versteht Captain Kirk keinen Spaß: Die Crew ist seine Familie, und wer die Familie attackiert, muss im amerikanischen Kino mit unerbittlicher Gegenwehr rechnen.

Die Geschichte ist eher abgegriffen, und man spürt deutlich, wie wichtig Regisseur Abrams weitere Erzählstränge sind: Langsam entwickelt sich eine Freundschaft zwischen dem überkorrekten Spock und dem eher lockeren Kirk. Das eine oder andere Liebesgeplänkel gibt es auch noch auf der „Enterprise“. Trotz alledem jedoch hält sich der Film an das alte Muster: Ein unbedarfter Jüngling muss zahlreiche Abenteuer bestehen, bis er zum verantwortungsvollen Mann gereift ist, der seine Schwächen erkennt. Moderne Filmhelden – siehe James Bond und Iron Man – zeigen heutzutage auch Schwächen.

Das Pathos mildert Abrams mit einer Portion Lässigkeit; es gibt eine ganze Reihe witziger, ironischer Dialoge. Die wirken zeitgemäßer als all die zerberstenden Raumschiffe, die zwar effektvoll, aber nie wirklich spektakulär über die Leinwand fliegen. Etwas seltsam ist, dass in dieser hochtechnisierten Zukunftswelt doch immer wieder Mann gegen Mann ganz altertümlich zum Faustkampf antritt. Der böse John Harrison ist allerdings eine Art Supermann, an dem Schläge abprallen. Mehr als 300 Jahre ist er alt (und sieht dafür fantastisch aus), und der Brite Cumberbatch spielt ihn schön böse und hinterhältig. Chris Pine als Kirk kann ihm wenig entgegensetzen. Der Hollywood-Beau mit den ordentlich frisierten Haaren ist zwar gut in Form, aber nicht eben ein schauspielerisches Schwergewicht.

Und dass er als Captain Kirk aus dem Raumschiff klettern muss, um auf dem Dach des Flugobjekts irgendetwas zu reparieren, wirkt kurios. Der Weltraum, unendliche Weiten – und Kirk frickelt auf der „Enterprise“ rum wie andere Männer an ihrem Golf.

Kirk und Spock lassen es ordentlich krachen: Galaktisch gutes Abenteuer.

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