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Kultur „Roh, voller Emotionen“
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18:15 02.07.2014
Von Jutta Rinas
HannoverMusikerin Isabelle van Keulen, eine der berühmtesten Geigerinnen(Foto/Rainer Surrey) Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Viele Jahre hat die Geigerin Isabelle van Keulen mit ihren beiden Kindern in London gelebt - und ist von dort aus zu Konzertreisen rund um die Welt aufgebrochen. In Luzern wohnt die Weltenbürgerin immer dann, wenn sie unterrichtet: Die 47-Jährige, die seit fast 30 Jahren zu den Stars des Klassikbetriebs gehört und regelmäßig mit den großen Orchestern der Welt auftritt, ist dort seit 2012 Professorin.

Seit einiger Zeit kann man die Geigerin, die - was selten ist - auch begeistert Bratsche spielt, aber auch häufiger in Hannover antreffen. Und zwar nicht nur als Solistin in den hiesigen Konzertsälen wie beispielsweise in der kommenden Saison mit dem Bratschenkonzert von William Walton im NDR-Funkhaus. Sie ist auch privat in Linden unterwegs oder im Aspria am Maschsee, wo die sportbegeisterte Geigerin sich fit hält.

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Die Musikerin, die so typisch holländisch aussieht - groß, blond, mit strahlenden blauen Augen -, lebt mittlerweile in Hannover. Der Liebe wegen. Und es ist ihrem neuen Lebensmittelpunkt zu verdanken, dass der Weltstar am Sonntag von 19 Uhr an in einem Benefizkonzert im „Cavallo“ in der List zu hören ist. Mit ihrem Tangoquartett spielt Isabelle van Keulen Werke des großen argentinischen Tangomusikers Astor Piazzolla. Das Konzert ist der Auftakt zu einer Tournee, die die vier Musiker, darunter van Keulens Lebensgefährte Rüdiger Ludwig, Kontrabassist bei der NDR-Radiophilharmonie, unter anderem nach Holland ins altehrwürdige Amsterdamer Concertgebouw führen wird.

Isabelle van Keulen liebt Piazzollas Musik, seit sie ein Kind ist. „Meine Mutter hat mir schon in den siebziger Jahren, lange bevor Piazzolla in Europa in Mode kam, eine Schallplatte mit seinen Tangos geschenkt“, erzählt sie. „Ich habe sie schon als Kind stundenlang gehört.“ Während sie weiter vom Tango Nuevo schwärmt, scheint die Abendsonne durch eine eindrucksvolle Fensterflucht in dem Loft auf dem Lindener Hanomag-Gelände, in dem van Keulen mit ihrem Lebensgefährten wohnt. Eine ungeschminkte, zutiefst ehrliche Musik sei das, „nicht verpackt und mit Schleifchen dekoriert, sondern roh, voller Emotionen“. Sie könne bei diesen Stücken zudem Geige spielen, wie sie es in ihrem alltäglichen Mozart- und Beethoven-Leben eben nicht könne und dürfe. „Ich kann nach ganz anderen, viel raueren Klangfarben suchen, auch rhythmisch bin ich viel freier als sonst.“

Wieso nahm sie Piazzollas Tangos dann erst jetzt auf? Dass sie 2011 endlich Zeit für ein Tango-Projekt gefunden habe, sei reiner Zufall gewesen, erzählt Isabelle van Keulen und lacht. 2011 habe sie drei Konzerte in der Philharmonie in Haarlem gegeben, unter anderem mit der Pianistin Ulrike Payer. Die konzertierte schon sehr lange mit dem Bandoneonspieler Christian Gerber: „Da haben wir einfach bei einem der Konzerte ein Tango-Programm gemacht.“

Die Musiker schnitten das Konzert zudem mit, und als Isabelle van Keulen mit ihrem niederländischen Musiklabel Challenge Records über eine Prokofjew-CD verhandelte, legte sie den Mitschnitt einfach ebenfalls vor. Mit großem Erfolg: 2013 erschien die von der Kritik gefeierte, erste CD „Tango!“ mit van Keulens Quartett, eine zweite soll demnächst herauskommen.

Für das Konzert am Sonntag, 6. Juli, um 19 Uhr im „Cavallo“ gibt es noch Karten unter Telefon (05 11) 76 82 11 25 oder per E-Mail an tango@crossover-marketing.de.

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