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Kultur Ironischer Höhepunkt des Vampir-Booms
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02:45 11.05.2012
Foto: Johnny Depp spielt in Tim Burtons „Dark Shadows“ den Vampir Barnabas.
Johnny Depp spielt in Tim Burtons „Dark Shadows“ den Vampir Barnabas. Quelle: Warner Bros.
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Berlin

Johnny Depp treibt es auf die Spitze. In Tim Burtons Grusel-Komödie „Dark Shadows“ spielt er den wohl elegantesten und komischsten Vampir aller Zeiten. Nach der nach Tiefsinn schürfenden „Twilight“-Reihe oder TV-Serienhits wie „Vampire Diaries“ und „True Blood“ könnte Burtons Werk den ironischen Höhepunkt des Vampirfilm-Booms markieren. Zumindest gab es seit Roman Polanskis „Tanz der Vampire“ (1967) sicher keinen lustigeren Blutsauger-Film mehr.

Der kleine Barnabas zieht im Jahr 1752 mit seinen Eltern von England in die USA, um ein neues Leben zu beginnen. Zwei Jahrzehnte später scheint das geglückt zu sein: Barnabas ist reich und mächtig - bis der Frauenheld einer Hexe das Herz bricht und die ihn in einen Vampir verwandelt und lebendig begräbt. Durch einen Zufall wird Barnabas 200 Jahre später befreit und findet sich im Jahr 1972 wieder. Regisseur Tim Burton („Mars Attacks!“, „Batman“) besetzte sein aktuelles Werk erneut prominent: neben Johnny Depp als Barnabas spielen Michelle Pfeiffer, Eva Green und Helena Bonham Carter mit.

Sönke Wortmanns „Hochzeitsvideo“ - eine etwas derbe Wohlfühlkomödie

Pia (Lisa Bitter) und Sebastian (Marian Kindermann) kennen sich zwar gerade mal wenige Monate, wollen aber heiraten und ihr junges Glück festhalten - auf einem Hochzeitsvideo. Dumm nur, dass dieses Erinnerungsstück, gedreht während der letzten Vorbereitungen, so manche Peinlich- und Heimlichkeit dokumentiert. Und plötzlich sind auch noch die Ringe verschwunden, Pias Ex-Freund, ein Pornodarsteller, taucht auf und Pia kommen zunehmend Zweifel, ob diese Hochzeit tatsächlich das Richtige ist. Mit viel Slapstick und ebenso vielen derben Witzen liefert Sönke Wortmann („Der bewegte Mann“, „Deutschland. Ein Sommermärchen“) das deutsche Pendant zu „Hangover“ und erzählt diese Tage aus der Sicht der Braut. Nicht unbedingt neu, aber sehr amüsant.

Witziger Cop-Klamauk „21 Jump Street“ mit Jonah Hill

Für Johnny Depp war die US-Serie „21 Jump Street“ vor einem Vierteljahrhundert Startschuss zur Hollywoodkarriere. Auch die gleichnamige Kinoversion entpuppte sich in diesem Jahr als Erfolgsgeschichte - bisher spülte der Film weltweit 175 Millionen Dollar in die Kinokassen. Die Story ist simpel: Junggebliebene Polizisten werden als verdeckte Ermittler an eine Highschool geschickt, um dort Drogendealern das Handwerk zu legen. Pfundskerl Schmidt (Jonah Hill, „Superbad“) und der athletische Schönling Jenko wittern ihre große Chance als Ermittler. Der Einsatz wird für das ungleiche Dilettanten-Duo zu einer Art Zeitreise in ihre eigene Schulzeit. Johnny Depp hat in dieser schwarzhumorigen Klamauk-Comedy einen gelungenen Cameo-Auftritt.

Actionfilm „Lockout“ - Guy Pearce als Retter im Weltall

Eine Horde blutrünstiger Schwerkrimineller hat in dem Actionfilm „Lockout“ die Tochter des US-Präsidenten als Geisel genommen. Die war gerade auf Inspektionsreise zu einem Gefängnis-Raumschiff, als dort die Lage außer Kontrolle geriet. Guy Pearce („Memento“) wird als Retter in der Not auf das Raumschiff geschickt. Der Weltraum-Trash, in dem Luc Besson („Das fünfte Element“) als Co-Autor und Produzent mit an Bord war, steht in der Kinotradition sogenannter „One-Man“-Actionfilme, bei denen das Schicksal vieler Menschen in die Hände eines einzelnen, sprücheklopfenden Haudraufs gelegt wird (etwa „Die Klapperschlange“ oder „Stirb langsam“). Doch „Lockout“ wird wohl keinen Kultstatus bekommen - nur hartgesottene Actionfans könnten auf ihre Kosten kommen.

„Ausgerechnet Sibirien“: Schwierige Liebe zwischen zwei Welten

Ein pedantischer deutscher Geschäftsmann und eine geheimnisvolle Schamanentochter aus dem tiefsten Sibirien - eine schwierige Liebe. In Ralf Huettners Film „Ausgerechnet Sibirien“ prallen zwei Welten aufeinander. Der Modelogistiker Bleuel (Joachim Król) wird auf Geschäftsreise in eine sibirische Provinzstadt geschickt. Das Leben dort ist für ihn ein Kulturschock: Chaos statt Ordnung, Lebensfreude statt nüchterner Zahlen. Bei einem Spaziergang lernt er jedoch eine geheimnisvolle Sängerin kennen. Sie ist die Tochter einer Schamanin. Bleuel ist elektrisiert. Ein nachdenklicher und unterhaltsamer Film mit wunderschönen Bildern über Liebe zwischen zwei Welten.

„Sound it out“ über das Aussterben der Plattenläden

Stapelweise Schallplatten in kleinen Musikläden durchwühlen - das machen heute wohl nur noch wenige. Schließlich ist die Konkurrenz durch riesige Elektronikläden mit Musik-Abteilungen groß. Hinzu kommen die Internetplattformen zum Musik-Herunterladen. Kein Wunder, dass es mittlerweile nur noch wenige Plattenläden gibt. Diesem Phänomen widmet sich Regisseurin Jeanie Finlay: Sie stellt in ihrem Dokumentarfilm „Sound it out“ den letzten Plattenladen im Nordosten Englands vor, porträtiert den Besitzer und die Musikfans, für die der Laden fast so etwas wie der Lebensmittelpunkt ist.

„Attenberg“: Neues griechisches Kino

Von Liebe und Sex und zwischenmenschlichem Miteinander hat Marina so gut wie keine Ahnung; ohnehin hält sie nicht allzu viel von der Spezies Mensch. Was die 23-Jährige bisher über die Fortpflanzung weiß, kennt sie aus den Naturdokumentationen von David Attenborough. Höchste Zeit also für ein wenig Aufklärung – gut, dass ihr Freundin Bella dabei tatkräftig zur Seite steht. Ariane Labed, die die scheue Marina gibt, wurde bei den Filmfestspielen von Venedig mit der Coppa Volpi als beste Darstellerin geehrt. Regisseurin Athina Rachel Tsangari zählt zu den Protagonisten des neuen griechischen Kinos. „Attenberg“, ihr zweiter Langfilm, lief bereits auf mehr als 50 internationalen Festivals.

dpa/sag

08.05.2012
11.05.2012