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Kultur Iris Hanika über das Älterwerden — oder so ähnlich
Mehr Welt Kultur Iris Hanika über das Älterwerden — oder so ähnlich
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00:15 17.12.2012
Von Martina Sulner
Iris Hanika Buch, „Tanzen auf Beton“, fragt sich die Icherzählerin immer wieder, was ihr Unbewusstes wohl treibt, warum ihr Leben - wie sie meint - so verkorkst ist. Quelle: dpa
Hannover

Etwas merkwürdig ist das schon: Als die namenlose Icherzählerin 47 Jahre alt ist, entdeckt sie Heavy Metal oder, wie sie es nennt, „Schwermetallmusik“. Irgendwann stößt die neue Metal-Enthusiastin auf die Band Ministry und hört sie fortan gern im Wechsel mit der neunten Sinfonie von Anton Bruckner.

Ministry und Bruckner, Beobachtungen im ICE und Überlegungen zur Psychoanalyse, Led-Zeppelin-Songs und russische Literatur: Die Erzählerin in Iris Hanikas neuem Buch „Tanzen auf Beton“ interessiert sich für alles Mögliche und Unmögliche. In kurzen, funkelnden Texten schreibt Hanika, die wohl weitgehend mit der Icherzählerin identisch ist, zum Beispiel über ihre Musikleidenschaft. Da geht es nicht nur um Rock, Punk und „Blödpop“, sondern auch darum, wie sich der Stellenwert von Musik während des Erwachsenwerdens ändert.

An mehreren Stellen schreibt die Autorin, Jahrgang 1962, über das Älterwerden. „Tanzen auf Beton ist eher was für junge Leute“, heißt es zum Beispiel im Buch. „Das stört uns aber nicht, weil wir sind ja im Herzen jung, sowieso, bloß der Körper ist halt schon älter und das Streben nach Freiheit von Schmerzen schon wichtiger geworden als der Sexualtrieb.“

Solche treffenden, witzigen Passagen gibt es viele in dem Roman. Doch im Grunde ist „Tanzen auf Beton“ ziemlich traurig: Die Icherzählerin beschreibt ihre langjährige, frustrierende Beziehung zu einem verheirateten Mann. Zwar ist das Zusammensein mit ihm wenig erfreulich, doch aus Angst vor kompletter Einsamkeit löst sie die Verbindung nicht - und so ganz ohne Mann dazustehen, erscheint ihr entwürdigend.

Hanikas Überlegungen zur unglückliche Liebesgeschichte wirken erst etwas banal. Nach und nach jedoch werden die Reflexionen der Autorin über ihr Verhältnis zu dem Geliebten und ihre eigene Sexualität tiefschürfender. Irgendwann erzählt sie dann, wie sie als 13-Jährige beinahe vergewaltigt wurde und sie die Scham darüber jahrzehntelang nicht los wurde - „das ist das Perfide an sexueller Gewalt, dass sich die Opfer schämen, nicht die Täter“.

Im Untertitel heißt dieses Buch „Weiterer Bericht von der unendlichen Analyse“. Über Analyse hat die Autorin bereits 2006 gemeinsam mit der Therapeutin Edith Seifert ein Buch geschrieben: „Die Wette auf das Unbewusste oder Was Sie schon immer über Psychoanalyse wissen wollten“. In „Tanzen auf Beton“ fragt sich die Icherzählerin immer wieder, was ihr Unbewusstes wohl treibt, warum ihr Leben - wie sie meint - so verkorkst ist.

Auch in ihrem vorigen Roman, „Das Eigentliche“, für den die Autorin im vergangenen Jahr in Hannover den Preis der LiteraTour Nord erhalten hat, reflektieren die Figuren beständig über ihr Verhalten und ihre Gefühle. In „Das Eigentliche“ geht es um einen Archivar, der in einem „Institut für Vergangenheitsbewirtschaftung“ arbeitet und zweifelt, ob er glücklich sein darf. Haben alle Deutschen wegen des Holocaust ihr Recht auf Glück verwirkt? Der Mann wiederum zweifelt am Sinn von Gedenkritualen.

Hanikas Romane haben etwas Fragmentarisches. Auch das aktuelle Buch wirkt auf den ersten Blick wie eine Sammlung von Reisenotizen, Tagebucheinträgen, Erzählungen und Kurzessays. Doch hinter dieser zersplitterten Form erzählt „Tanzen auf Beton“ ganz klassisch die Geschichte einer Befreiung. Der Leser (und erst recht: die Leserin) ist erleichtert, wenn die Icherzählerin sich endlich von dem Geliebten gelöst hat. Da nimmt man sogar ihre Leidenschaft für Schwermetallmusik in Kauf.

Iris Hanika: „Tanzen auf Beton“. Droschl. 167 Seiten, 19 Euro.

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