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Kultur „Kunst ist kein Wettrennen“
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20:53 21.04.2015
Foto: Pianist Lang Lang.
Pianist Lang Lang. Quelle: Gläser/Schneider/DG
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Lang Lang, klassische Musik ist Ihr Beruf. Aber was hören Sie privat? Nur Beethoven, Chopin und Mozart oder auch andere Musik?
Hauptsächlich höre ich schon klassische Musik, aber ich schätze auch einige Künstler anderer Genres, so wie Alicia Keys und John Legend.

Auch Heavy Metal? Bei den Grammys 2014 haben Sie mit der Heavy-Metal-Band Metallica den Song „One“ in einer neuen, gemeinsamen Version gespielt. Wie kam es dazu?
Die Idee wurde uns von den Grammy-Machern vorgestellt, die wollten die Grammys auch mal nach China bringen. Metallica hatte dort gerade eine Tour absolviert. Sie fragten bei uns nach, und beide Seiten waren sofort Feuer und Flamme.

Wie haben Sie sich vorbereitet? Von Ihrem klassischen Repertoire ist Heavy Metal ja doch ein Stück entfernt.
Ich muss gestehen, ich habe nicht das „Handbuch Heavy Rock“ durchgearbeitet. Ich fand, am besten komme ich einfach mit der Band zusammen und lasse es laufen.

Und wie war es? Sie wirken auf Youtube-Videos, als hätten Sie viel Spaß, und auch von Metallica gab es Lob. Aber es kam auch Kritik – etwa, dass da Superstars bloß nebeneinander her spielen, keine echte musikalische Berührung haben.
Ich finde, es ist extrem gut gelaufen und Metallica fand das auch. Natürlich gab es verschiedene Meinungen, jede Menge Diskussionen. Genauso soll es doch sein, oder?

Sie machen häufig Ausflüge in andere Musikgenres. Bei den Grammys 2015 haben Sie mit Pharrell Williams „Happy“ performt. Mit Herbie Hancock haben Sie zusammen improvisiert. Wirkt sich das auch in der Klassik auf Ihre Interpretationen aus?
Nicht direkt, sodass es etwa Einfluss darauf hätte, wie ich die Phrasierung eines Mozart-Konzert angehe oder das Tempo bei einer Beethoven-Sonate nehme. Aber da diese Begegnungen einen Eindruck bei mir als Person hinterlassen, glaube ich schon, dass mein Musizieren das indirekt auch widerspiegelt.

Sie sind auch sonst für unerwartete Begegnungen gut. 2014 haben Sie mit dem Altmeister des Originalklangs, Nikolaus Harnoncourt, eine CD mit Mozart-Klavierkonzerten aufgenommen, Ihre erste Mozart-CD überhaupt. Wie kam es dazu?
Wir hatten vorher schon zusammen gespielt und ich hatte ihn zu Hause besucht, dort hat er mir seine historischen Instrumente gezeigt. Wir haben unmittelbar eine musikalische Verbundenheit gespürt, und mein Wunsch, mit ihm zu arbeiten und Mozart mit ihm aufzunehmen, wuchs über mehrere Jahre.

Was haben Sie von ihm gelernt?
Nikolaus Harnoncourt hat mir unzählige Anregungen gegeben. Eine Vorstellung, die mich besonders beeindruckt hat, war, dass man vollkommen frei sein muss, um Mozart zu spielen. Er sagte mir, ich solle Mozart so phrasieren, wie Frank Sinatra es getan hätte.

Zur Person

Lang Lang, geboren am 14. Juni 1982 in Shenyang, gilt als der Popstar der Klassik. Neben Solorecitals in allen großen Konzerthäusern der Welt und Auftritten mit allen großen Orchestern macht der Pianist immer wieder mit anderen spektakulären Konzerten von sich reden. Er tritt viel bei Open-Airs auf (unter anderem in Herrenhausen 2007), war in den USA bei der Grammy-Verleihung und in Deutschland schon bei „Wetten dass ...“ zu Gast. Er spielte auch schon für die Queen und für Barack Obama. Für Lang Langs Konzert am kommenden Sonntag um 19.30 Uhr im hannoverschen Kuppelsaal gibt es nur noch Hörkarten zum Preis von 15,40 Euro an allen HAZ-Ticketshops oder unter Telefon
(05 11) 12 12 33 33.

In Hannover spielen Sie alle vier Scherzi von Chopin, einem Komponisten, der Ihnen viel bedeutet. Sie haben schon viele Werke von ihm aufgenommen. Warum diese nicht?
Ich muss mit einem Stück erst lange Zeit verbracht haben, bevor ich es aufnehmen kann. Chopins Etüden und Klavierkonzerte haben mich beide von frühester Kindheit an begleitet, also hatte ich ein oder zwei Jahrzehnte mit diesen Werken zugebracht, bevor ich sie aufgenommen habe. Jetzt, da die Scherzi Teil meines aktuellen Konzertprogramms sind, lerne ich auch sie wirklich kennen. Langsam, aber sicher wächst bei mir der Appetit darauf, auch sie aufzunehmen.

Was bedeuten Ihnen Twitter, Facebook, Instagram? Sie informieren ja nicht nur über Konzerte. Sie bringen Ihren Fans auf Twitter in Clips namens Mandarin Monday gerade sogar Chinesisch bei.
Ich bin von den neuen Medien begeistert. Es gefällt mir, mit Freunden und Fans in Berührung zu sein. Ich glaube auch, dass sie die Gelegenheit bieten, andere Publikumsgruppen zu erreichen.

Sie geben 120 Konzerte im Jahr, jeden dritten Tag eines, überall in der Welt. Wann bleibt Zeit zum Üben?
Man braucht nicht immer ein Piano zum Üben. Im Auto oder im Flugzeug kann man sich auch perfekt vorbereiten, da kann man Noten lesen. Wenn ich auf Tournee bin, versuche ich, zwei Stunden Üben hinzukriegen, mit Glück bekomme ich einen Übungsraum im Konzertgebäude oder sogar im Hotel.

In Ihrer Biografie beschreiben Sie eindringlich, dass Ihre Kindheit darauf ausgerichtet war, ein Nummer-eins-Pianist zu werden. Jetzt sind Sie es. Sind Sie zufrieden damit?
Ich denke jetzt nicht mehr in Konkurrenzbegriffen wie dem von der „Nummer eins“. Das gibt es in der Kunst gar nicht. Als ich in die USA gezogen bin, um am Curtis Institut zu studieren, hat mir mein Lehrer Gary Graffman eine ganz neue Welt eröffnet. Er hat mich auch gelehrt, dass die Kunst kein Wettrennen ist.

Bleibt Zeit für Hobbies? Sie gelten als Fußballfan, ja man sagt Ihnen sogar eine Vorliebe für den FC Bayern München nach. Können Sie deren Spiele überhaupt verfolgen?
Ich bin ein Riesen-Fußballfan. Ob es ein Hobby ist, weiß ich aber nicht so genau, ich spiele ja nicht selber. Mit Musikmachen habe ich alle Hände voll zu tun und in meiner Freizeit treffe ich gerne Freunde oder mache schöne Sachen – ein Besuch im Museum, ein Film oder einfach ein Spaziergang im Park.

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