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Kultur "In ihrem Haus" kommt am 29. November in die Kinos
Mehr Welt Kultur "In ihrem Haus" kommt am 29. November in die Kinos
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12:34 24.11.2012
Von Stefan Stosch
Der Lehrer Germain (Fabrice Luchini) beobachtet Claude (Ernst Umhauer) mit der Mutter eines Mitschülers (Emmanuelle Seigner). Quelle: Concorde
Hannover

François Ozon schaut so brav drein wie das Wunschbild eines Schwiegersohns. Aber dann legt der sanfte 45-Jährige los. Keine Frage: Der Franzose, der so unterschiedliche Filme wie „8 Frauen“ oder „Unter dem Sand“ inszeniert hat, weiß, was er will - und warum Hollywoodfilme dumm sind. In seinem neuen Film „In ihrem Haus“, der am 29. November in den Kinos startet, inszeniert er eine vieldeutige Versuchsanordnung: Ein Schüler und ein Lehrer verlieren sich in einem voyeuristischen Spiel - und am Ende geht es um die Kunst des Geschichtenerzählens.

Monsieur Ozon, haben Sie schon Beschwerden von Französischlehrern bekommen, denen nicht gefällt, wie Sie den Lehrer Germain in Ihrem Film darstellen?

Ein echter Lehrer kam zu mir und sagte: Ich habe ein moralisches Problem mit Ihrem Film: Als Lehrer versuche ich, alle Schüler gleich zu behandeln. Germain im Film - gespielt von dem wunderbaren Fabrice Luchini - aber bevorzugt eindeutig den Schüler Claude, von dessen Aufsätzen er mehr und mehr fasziniert ist. Claude berichtet darin, wie er sich bei der Familie eines Mitschülers gewissermaßen einschleicht. Na ja, dem echten Lehrer musste ich erklären, dass dies auf keinen Fall ein moralischer Film ist.

Trotzdem scheint er gut anzukommen: Herzlichen Glückwunsch zum Hauptpreis des Filmfestivals in San Sebastian in diesem Herbst.

Danke, da bin ich sehr stolz. Aber Preise machen mich auch ein bisschen ängstlich. Die Leute glauben womöglich, dass ich ein alter Meister bin, aber ich fühle mich immer noch wie ein Student, der lernt und übt. Man muss auch aufpassen: Manchmal ist es sogar hilfreich, eine Niederlage einzustecken, weil man danach umso engagierter bei der Sache ist. Wenn man zu viel Erfolg hat, ist man schnell paralysiert.

Welche Niederlagen haben Sie denn einstecken müssen?

Wenn man das Publikum als Maßstab nimmt, waren längst nicht alle Filme erfolgreich. Und das ist wichtig, um den nächsten Film finanzieren zu können. Ich bin nicht wie Stanley Kubrick, der das eine Meisterwerk abliefern will. Ich arbeite wie Fassbinder. Ich will viele Filme machen.

Gutes Stichwort: Mit Fassbinder werden Sie oft verglichen. Wie nahe fühlen Sie sich ihm?

Fassbinder war für mich wichtig, als ich an der Filmhochschule studierte. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, in welche Richtung ich mich entwickeln sollte. Und dann entdeckte ich Fassbinder. Ich war begeistert von der absoluten Freiheit, die dieser Mann für sich in Anspruch nahm. Er hatte vor nichts Angst. Er tat, was er wollte. Er mixte Genres nach Belieben, ließ ein soziales Drama auf einen durch und durch stilisierten Film folgen. So wollte ich das auch machen.

Und? Sind Sie tatsächlich so frei?

Ich glaube schon. Meine Filme sind nicht sehr teuer. Ich habe den Final Cut, ich entscheide über das, was im Kino zu sehen ist.

Werden Sie eigentlich von der Angst getrieben, sich zu wiederholen? Ihre Filme sind so verschieden - von der musikalischen Komödie „8 Frauen“ über das Trauerdrama „Unter dem Sand“ bis zur Adaption des Fassbinder-Stückes „Tropfen auf heiße Steine“ ...

Ich mache ja praktisch jedes Jahr einen Film. Da muss schon jedes Mal was Neues her. Klar, Produzenten würden lieber sehen, wenn ich auf „8 Frauen 1“ auch „8 Frauen 2“ folgen lassen würde. Aber ich muss das Gefühl haben, dass die Sache risikoreich ist.

Könnten Sie sich vorstellen, nach Hollywood zu gehen? Tom Tykwer zum Beispiel hat gerade die internationale 100-Million-Dollar-Produktion „Cloud Atlas“ gestemmt.

Ich bin nicht an Blockbustern interessiert - nur als Zuschauer. Ansonsten langweilen mich die ganzen Spezialeffekte. In Amerika ist der Produzent der Star. In Frankreich entscheidet der Regisseur. Wenn ich einen richtig großen Film machen wollte, könnte ich das bestimmt auch in Europa - auch mit amerikanischen Schauspielern. Ich wäre vielleicht der perfekte Regisseur für das Hollywood der vierziger und fünfziger Jahre gewesen. Damals waren Produzenten noch Intellektuelle, die das Kino lieben. Leute wie Billy Wilder, Ernst Lubitsch oder Otto Preminger drehten dort.

Verstehen Sie sich als europäischer oder als französischer Regisseur?

Als französischer. Wir Franzosen sind wie die Gallier bei Asterix. Wir sind diejenigen, die engagierter als alle anderen fürs Kino streiten. Ich glaube zum Beispiel, dass das deutsche Kino in Deutschland nicht so bedeutsam ist wie das französische in Frankreich. Oder irre ich mich? Wo liegt denn bei Ihnen der Marktanteil?

So bei gut 20 Prozent.

Sehen Sie, bei uns ist der Anteil doppelt so hoch.

In Ihrem neuen Film tippen Sie viele Themen an. Was ist der Kern?

Ich wollte den Zuschauer in die Position bringen, den Prozess des Schreibens besser zu verstehen. Wie man eine Geschichte aufbaut und Charaktere entwickelt. Wie der Autor die Entscheidung zwischen Thriller, Drama und Komödie trifft. Und ich wollte zeigen, dass der Autor ein Voyeur ist und dass er manipuliert. Gute Unterhaltung und Anreize zum Nachdenken: Beides steckt für mich in dem spanischen Theaterstück von Juan Mayorga, das die Vorlage für meinen Film bildet. Da war ein reicher Schatz zu heben, anders als in manchem dummen amerikanischen Film.

Manipulieren Sie als Regisseur auch?

Natürlich, ich manipuliere Schauspieler. Aber die verdienen ihr Geld damit. Ich bin ja kein Perverser, und die Schauspieler sind keine Puppen.

Ich dachte eher ans Publikum.

Auch das Publikum wird manipuliert, selbstverständlich. Die Zuschauer wollen das doch so, schon seit Hitchcocks Zeiten. Manipulation ist die Essenz von Suspense.

Interview: Stefan Stosch

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