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Kultur Ilija Trojanow zu Gast im Schauspiel Hannover
Mehr Welt Kultur Ilija Trojanow zu Gast im Schauspiel Hannover
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07:18 28.01.2013
Von Martina Sulner
Ilija Trojanow stellte am Sonntag im Rahmen der „Weltausstellung Prinzenstrasse" seinen neuen Roman „EisTau" im Schauspielhaus Hannover vor. Quelle: Tobias Kleinschmidt
Hannover

Noch nie wurde es den Menschen so leicht gemacht wie heute, die Welt zu erkunden. Doch was heißt schon erkunden? Oder gar entdecken? „Die leichte Zugänglichkeit der Welt macht es schwierig, der Fremde zu begegnen“, sagt Ilija Trojanow im hannoverschen Schauspielhaus. Und wenig später konstatiert der Autor: „In fast jedem Land der Erde findet man die Reproduktionen des Heimischen und des Behaglichen.“

Der 47-Jährige ist eine Art Experte fürs Entdecken und Reisen; „ich bin nur sporadisch sesshaft“, sagt er über sich. In seinen Büchern hat der Autor - geboren in Bulgarien, aufgewachsen in Kenia und Deutschland, lange Zeit in Indien heimisch und jetzt in Wien ansässig - davon erzählt, was die Begegnung mit dem Anderen auslösen kann. Etwa in dem Romanporträt „Der Weltensammler“ über den britischen Forscher Richard Francis Burton, das mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde. Aber auch in dem Sachbuch „Kampfabsage“, in dem er gemeinsam mit dem indischen Autor Ranjit Hoskoté erklärt, warum sich Kulturen nicht bekämpfen, sondern nach und nach zusammenfließen.

Wenn Trojanow reist und auf die Welt schaut, dann nicht mit romantisch verklärtem Blick. Davon zeugt auch sein Roman „EisTau“. Das 2011 veröffentlichte Buch über einen Gletscherforscher, der am Klimawandel verzweifelt, stellte Trojanow jetzt im Schauspielhaus vor. Das war keine Lesung, sondern eine Performance: Unterbrochen von Musik trug er eine Stunde lang auswendig aus dem Buch vor.

Man könne schon depressiv werden, wenn man genau zum Thema Klimawandel recherchiere, sagt Trojanow beim anschließenden Gespräch mit Chefdramaturgin Judith Gerstenberg. Dennoch habe er, anders als seine Hauptfigur aus „EisTau“, die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die Menschheit künftig mehr Anstrengungen unternimmt, den Klimawandel aufzuhalten: „Der Mensch, das hat die Geschichte gezeigt, kann sich gegen Verrohung wehren.“

Ob und wie man das schaffen könnte, wollen am 12. Mai zwei Gäste im Schauspielhaus erläutern. In der neuen Folge der Reihe „Weltausstellung Prinzenstraße“, die Trojanow betreut und moderiert, werden die Ökovisionäre Friedrich von Borries und Niko Paech darüber sprechen, wie wir uns vom Wachstumswahn verabschieden und einer nachhaltigen Ökologie zuwenden könnten.

In insgesamt fünf Veranstaltungen wird Trojanow in den kommenden Monaten mit Gästen über den Zustand der Welt und unseren Umgang damit sprechen. Autorin Juli Zeh etwa diskutiert über den Wunsch nach einem perfekten Menschen (17. Februar). Carolin Emcke und Arnon Grünberg erzählen von ihren Erfahrungen als Kriegsreporter (3. März). Ebenfalls eingeladen ist der indische Autor Ranjit Hoskoté (24. März).

Prominentester Gast ist der Exilchinese Liao Yiwu (21. April). Der aktuelle Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels wird über den gnadenlosen Fortschrittswillen Chinas und die dortigen Menschenrechtsverletzungen sprechen.

Infos zur Veranstaltungsreihe „Weltausstellung Prinzenstraße“ unter www. schauspielhannover.de oder unter der Telefonnummer (0511) 99991111.

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