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Kultur Ice Age 4 kommt in die Kinos
Mehr Welt Kultur Ice Age 4 kommt in die Kinos
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18:52 29.06.2012
Voll verschroben: Urzeithörnchen Scrat und seine Kollegen kommen am Montag in die Kinos. Quelle: 20th Century Fox
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Hannover

Die schönste Rutschpartie des Jahres geht wieder los. Die Eiszeithelden der familienfreundlichen Computer-Animationskomödie brechen auf zur vierten Fahrt – dieses Mal ausnahmsweise an einem Montag, um dem „Amazing Spider-Man“ aus dem Weg zu gehen. Das Neue an „Ice Age 4“: 3-D. Da kommen Schnuten und Rüssel noch besser zur Geltung. Aber sonst?

Zehn Jahre ist es her, da war Mammut Manny biestig, Faultier Sid stinkefaul und Säbelzahntiger Diego tückisch, doch längst sind alle ein Herz und eine Seele. Statt über neuen Konflikten zu grübeln, hat Scrat die Regie übernommen. Die Promenadenmischung aus Ratte und Eichhörnchen wusste immer schon, worauf es ankommt: auf die Nuss. Die anderen bekamen es mit der Liebe oder mit psychischen Krisen zu tun. Scrat jagt die Nuss. Und das Beste: Er kriegt sie nie.

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Scrat wurde ursprünglich nur für den Trailer entwickelt. Mittlerweile dreht sich alles um Scrat – und Scrat dreht seinerseits die Erde. Gleich zu Beginn saust er zum Erdmittelpunkt, einem bleiernen Kern, der unter Scrats Pfoten wie eine Lauftrommel in Bewegung gerät, bis die Kräfte nach außen wirken, die noch ungeteilte Erdfläche reißt, Kontinente driften. Gräben reißen, Gletscher verlieren Eisbrocken, Schollen brechen, die Eiszeit-Wohngemeinschaft wird getrennt.

Auf einem Schiff aus Eis geht es auf hohe See. Über der eisigen Seereise liegt unübersehbar der vergnügliche Fluch der Karibik, verschoben in Urzeit und Arktis, mit voller Kraft voraus, hohem Tempo und viel Spaß. Schon ist das Heldenepos da: eine Odyssee, in der sogar Sirenen singen. An Bord sind Mammut Manny, Tiger Diego und Faultier Sid. Der keckernde, lispelnde Otto-Sid-Waalkes ist mit seinen 64 Jahren immer noch sehr glaubwürdig. Mammut-Tochter Peaches ist mit girliehafter Ponymähne auf Männerfang und spendet einen Hauch von Highschool-Komödie.

Technisch ist das alles vom Feinsten: Das Eis hat wunderbare Blautöne und Reflexe. Fluten und Gischt schütteln die Filmemacher mit dem kleinen Finger aus dem Rechner. Aber sie wollen mehr - nämlich auf die interaktiven Videospiele zum Film einstimmen, in denen weiter geflitzt, gehüpft und geschoben werden darf. Und welche Zielgruppe wurde bislang vernachlässigt? Genau, die Generation 60 plus. Auf einem talabwärts rutschenden Baumstamm-Bob prescht sie in die Geschichte: Abgesetzt wird hier Sids zahnlose Faultier-Großmutter, deren Gestank Gewässer und Haie umkippen lässt. Die Oma ist erfrischend immun gegen die leicht abgestandene Harmonie.

Scrat aber lässt sich von all dem nicht beeindrucken: Dieser Film feiert das Vieh mit den absurdesten Missgeschicken und Pointen. Auf ihn läuft alles zu. Selbst die Musik, in derimmer schon untergründig auch „Titanic“ und Beethovens Neunte eine Rolle spielten, mündet mächtig ins Sinfonische, wenn Scrat in Scratlantis einzieht, einem (wegen einer Nuss!) untergegangenen Kontinent, eine zugleich antike Scrat-Polis, wo scratonische Philosophen zwischen Tempelsäulen kauern und zum Choreinsatz Ruhe und Muße erbitten. Da haben sie Pech. Denn die hymnische Ode gilt Scrat, diesem sprühenden Götterfunken - auf dass die Nuss auf ewig unerreicht bleibe. Zumindest bis zum fünften Teil.

Von Montag an in den Kinos.

Ronald Meyer-Arlt 02.07.2012
28.06.2012
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