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Kultur Hurricane 2019: So war der Auftritt von Mumford & Sons am Samstag
Mehr Welt Kultur Hurricane 2019: So war der Auftritt von Mumford & Sons am Samstag
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15:48 23.06.2019
Die österreichische Band Bilderbuch macht auf ihrem Weg zum großen Erfolg auch beim Hurricane im niedersächsischen Scheeßel halt. Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Scheeßel

Sonnabends um 12.30 Uhr ist keine dankbare Zeit, um auf einem großen Musikfestival wie dem Hurricane in Scheeßel aufzutreten – für die zehn Schüler des Goethe Gymnasiums in Schwerin, die sich als Band Highheel Sneakers nennen, ist das aber wohl nebensächlich. Die Coast Stage, kleinste von vier Bühnen des Festivals mit aktuell 68.000 Besuchern, ist wohl die prominenteste, auf der die jungen Musiker jemals aufgetreten sind. Sie haben vor zwei Monaten mit ihrer mitreißenden Mischung aus Funk, Soul, Rock und Jazz den Wettbewerb School Jam 2019 gewonnen – und damit auch diesen Auftritt.

Nur wenige Neugierige sind so früh auf dem Gelände, nachdem sie am Freitagabend noch vor den großen Bühnen gefeiert haben. Dennoch zeigt die Band, wie gut es klingen kann, wenn man der Welt noch etwas zu beweisen hat. Im intimen Rahmen des Zelts funktionieren auch ungewöhnliche Auftritte. Hier spielt Black Honey aus Brighton knallenden Indie-Rock, dessen Verruchtheit aus einem Film von Quentin Tarantino stammen könnte. Rosborough aus Derry zeigt hier, dass man nur mit Schlagzeug, Gitarre und einer durchdringenden Stimme grandiosen Progressive Rock spielen kann.

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Bei der Hitze beim Hurricane 2019 sollte man Bier und Sonnencreme richtig dosieren

Johnny Marr bringt schließlich am Sonnabend die Smiths auf die kleine Bühne, die er 1982 als Gitarrist gemeinsam mit Morrissey gründete und vor über 30 Jahren wieder auflöste. Wohl bei keinem anderen Konzert des Festivals lächeln die Fans so glücklich. In diesem Jahr bietet das Zelt nicht wie sonst oft Schutz vor Regenmassen und Unwettern, vielmehr vor unerwartet viel Sonne. Jene Besucher, die sowohl Sonnencreme als auch Bierkonsum richtig zu dosieren wissen, sind im klaren Vorteil. Auch unter dem wolkenlosen Himmel bietet ihnen dieses Hurricane Gelegenheit zu kleinen Zeitreisen und sentimentalen Erlebnissen.

Muff Potter spielt das erste Festivalkonzert seit dem vorläufigen Ende der Band vor fast zehn Jahren und hat nicht verlernt, wie dichter Indie-Gitarrenrock funktioniert. Die Toten Hosen rechnen vor, dass seit ihrem letzten Hurricane-Auftritt sogar 18 Jahre vergangen sind. Mit satter Wucht und ausreichend Selbstironie inszenieren sie sich als Punk-Veteranen, denen vor allem Gemeinschaft und Solidarität am Herzen liegen. Um Mitternacht feiern sie dann den 57. Geburtstag ihres Sängers Campino, „im Kreis der Familie“, wie der sagt. „Ich bin noch hier!“, ist seine Botschaft, die er mit dem Song „Wie viele Jahre“ untermauert.

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Bei der Punk-Supergroup Me First And The Gimme Gimmes, die alte Hits rotzig covert, steht ein weiterer Veteran am Bass. Da Fat Mike von NOFX keine Zeit hatte, vertritt ihn mal eben C.J. Ramone. Andere Bands sind zu jung, um jung geblieben sein zu können. Shame aus dem Londoner Süden und die Idles aus Bristol beeindrucken mit wütendem, politischem Post Punk. Die erst 25-jährige Alice Merton, die an der Pop-Akademie Mannheim studierte, beweist, warum ihr nicht nur mit „No Roots“ Powerpop-Welthits gelingen dürften.

Großer Auftritt am Samstag beim Hurricane 2019: Mumford & Sons

Und dann ist da die österreichische Band Bilderbuch auf ihrem Weg zum ganz großen Erfolg, mit cooler Selbstverständlichkeit, maximaler Präsenz und jener betörenden Mischung aus Falco und Prince. Vielleicht gehört sie bald schon zu den alten Helden, die auf dem Hurricane demonstrieren, was ihren Erfolg ausmacht: Bloc Party mit Komplexität und Charisma, Macklemore mit großem Gespür für die Verbindung von Unterhaltung und Anspruch oder die Wombats mit ihrer ganz eigenen Perfektionierung des britischen Indie-Gitarrenpops.

Mumford & Sons knüpfen am Sonnabend als Headliner opulente Folk-Klangteppiche, auf denen sich ebenso gut entspannen wie Purzelbäume schlagen lässt. Auch The Cure und die Foo Fighters lassen für den Sonntagabend große Momente erwarten. Frank Turner, stets liebenswerter britischer Lagerfeuerpunk und Volksheld, bringt den Glauben an die Kraft der Musik, auf diesem Festival auffallend oft mit Statements für aufmerksames Miteinander und eine offene Gesellschaft verbunden, auf die optimistische Formel: „Who would have thought that after all something as simple as Rock’n’Roll would save us all?“

Das nächste Hurricane-Festival findet vom 19. bis 21. Juni 2020 statt. Der Vorverkauf beginnt am Montagabend.

Von Thomas Kaestle/RND

Wer spielt wann? Wo gibt es einen Livestream? Und welche Auftritte werden übertragen? Alle Antworten und weitere Infos zum Hurricane Festival 2019 gibt es hier.

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