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Kultur Hope und Sandertling im Großen Sendesaal
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20:25 23.11.2012
Von Rainer Wagner
Daniel Hopedpa
Hannover

Es kann - offensichtlich - nur eines geben. Also spielte auch Daniel Hope zusammen mit der NDR Radiophilharmonie von den drei Violinkonzerten Max Bruchs das erste, das der Komponist später sein „Allerwelts-Concert“ nannte und dem er in lyrischer Xenienform ein „Polizeiliches Verbot, Betreffend M.B.’s Erstes Concert“ widmete. Der Komponist forderte die Geiger auf: „Gehen Sie hin und spielen Sie endlich einmal die anderen Concerte, die ebenso, wenn nicht besser sind.“ Es hörte aber keiner auf ihn. Und das ist eher noch schlimmer geworden. Allenfalls bekommt man, wenn auch selten, im Konzertsaal Bruchs „Schottische Fantasie“ zu hören, aber sein zweites Konzert (immerhin Pablo de Sarasate gewidmet) oder sein drittes (wie das erste Joseph Joachim zugeeignet) sind im Konzertleben so selten wie der Feldhamster in der niedersächsischen Tiefebene.

Dabei hätte die Entscheidung für eine der Alternativen den kleinen Nebeneffekt, dass die Vergleichsmöglichkeiten nicht ganz so offensichtlich sind. Eines kann man Daniel Hope zugestehen: So hat man Bruchs Violinkonzert selten gehört, so bohrend bis verbohrt, so hochsentimental bis pathetisch im Adagio. Daniel Hope ähnelt immer mehr seinem Mentor Yehudi Menuhin: Er ist ein eloquenter Schreiber, ein Denker, ein Philanthrop - und ein limitierter Geiger. Er erzeugt mit seiner Guarneri del Gesú einen sonoren Sound, einen voluminösen, dunkelbronzen glänzenden Geigenton, den er genussvoll bis genüsslich ausspielt. In Hannover tut er das auch in seiner Zugabe, einer eigenen Bearbeitung von Maurice Ravels „Kaddish“ (einem hebräischen Gebetsgesang), die Hope Joseph Joachim widmete, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Hannover Konzertmeister (und mehr) war und länderübergreifend so etwas wie der „Godfather“ der romantischen Musik; Joachim ist auch das Thema eines aktuellen CD-Projekts von Hope.

Daniel Hope hat flinke Finger, wenn es um Läufe geht, aber sein Zugriff nicht nur beim Doppelgriff ist, freundlich formuliert, diskussionsfähig. Da bekommt das modische Wort von der Feinjustierung einen musikalischen Sinn. Hopes Gestaltungswillen ist bemerkenswert - und seine Lust an der angemessen hingefetzten Bravour im Finale ebenso. Aber das Vorspiel gerät doch arg gespreizt und im langsamen Satz geht seine Ausformung bis an die Grenze zur Bedeutungshuberei. Das ist ganz entschieden Geschmackssache, den Geschmack einer Publikumsmehrheit hatte Hope hörbar getroffen; es gab auch ein paar Bravos.

Dirigent Michael Sanderling hatte da loyal und wacker mitgespielt, aber seine Qualitäten konnte er mehr in den sinfonischen Werken demonstrieren. Sanderling gehört zu einer Dirigenten-Familie. Vater Kurt Sanderling war einer der Großen. Aus erster Ehe gibt es den Sohn Thomas Sanderling (Dirigent), aus der zweiten Ehe stammen Stefan Sanderling (Dirigent) und Michael Sanderling, der erst Karriere als Cellist machte und jetzt auch am Pult überzeugt - etwa als Chefdirigent der Dresdner Philharmoniker.

Sanderling traf in Kurt Weills 2. Sinfonie den alarmistischen Tutti-Ton ebenso wie die Melancholie (nicht nur die Blechbläser waren trefflich). Zwischen dem Anspruch der absoluten Musik und dem Nachklang von „Mahagonny“-Tönen ließ Sanderling die NDR Radiophilharmonie zielstrebig und pointiert aufspielen. Das war eine zugespitzte und gewitzte Interpretation, eine neue Hörerfahrung gewiss für viele - und ein Hörgenuss.

Bei Haydns letzter „Londoner“ Sinfonie zeigte Sanderling, dass er um das Schwere im Leichten weiß. Er ließ die Radiophilharmonie im historischen Klanggestus agieren, musizierte aber nicht historisierend, sondern geistreich, spielfreudig, immer auf der (erfolgreichen) Suche nach der Pointe. Die Fortissimo-Fanfare glitzerte, das Legato hatte Glanz und Wärme. Der langsame Satz deutete an, welche Abgründe hinter vermeintlicher Schlichtheit lauern, das Menuetto klang nicht nach Ländler, sondern nach Feuerwehrball. Und das „Spirituoso“ des Finales war angemessen inspiriert.

Haydns Sinfonien sind wie Mozarts Violinkonzerte halbe Stunden der Wahrheit. Hier zeigen sich Musikalität, Stilsicherheit und Persönlichkeit. In allen Bereichen konnte Michael Sanderling punkten!

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