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Kultur Hochdotierter Violinwettbewerb beginnt in Hannover
Mehr Welt Kultur Hochdotierter Violinwettbewerb beginnt in Hannover
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06:15 04.10.2012
Von Jutta Rinas
Mit strahlendem Ton: Die Moldawierin Alexandra Conunova-Dumortier, die in Hannover studiert, begeisterte das Publikum mit ihrer hoch virtuosen Dramatik. Quelle: Dimi Anastassakis
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Hannover

Einmal noch stimmt SoJin Kim auf der Bühne ihre Geige. Prüfend fährt die Koreanerin mit den Fingern über Saiten ihres Instrumentes. Dann erklingen im Richard-Jakoby-Saal der Musikhochschule Hannover die ersten Takte von Johann Sebastian Bachs Violinsonate in g-Moll, BWV 1001. Klangschön im Ton, lyrisch, aber auch etwas zögerlich im Tempo interpretiert die 26-Jährige im schwarzen Abendkleid mit goldenen Sternen die Komposition. In den kommenden Tagen wird das Stück noch viele Male auf sehr verschiedene Weise zu hören sein. Bachs Solowerke gehören zu den Pflichtstücken für die Teilnehmer des Internationalen Joseph-Joachim-Violinwettbewerbs in der ersten Runde.

Es ist Wettbewerbszeit an der Musikhochschule Hannover: 36 Geiger aus Korea, Japan, Russland, Deutschland und den USA kämpfen in den kommenden zwei Wochen bei dem mit 140000 Euro höchstdotierten Violinwettbewerb der Welt um den Sieg. Schon in der Vorrunde wird deutlich, wie hochkarätig und zugleich verschieden die Teilnehmer sind.

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Direkt nach SoJin Kims Auftritt beispielsweise erklingt Bachs g-Moll-Sonate noch einmal, diesmal von dem Amerikaner Eric Silberger gespielt. Silberger kommt mit großen Reputationen nach Hannover: Der 24-Jährige ist unter anderem Preisträger beim Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb, einem der weltweit bedeutendsten Wettbewerbe für Geige. In den USA, in China, Russland und Frankreich hat er schon Konzerte gegeben, zu seinen Lehrern gehörten so große Geiger wie Pinchas Zukerman, Itzhak Perlman oder Dorothy Delay.

An diesem Sonntagnachmittag an der hannoverschen Musikhochschule bestätigt der 24-jährige eindrucksvoll die ihm zugeschriebene Klasse. Für Bachs barocke Töne findet er schon in den ersten Takten eine wunderbare Balance zwischen Leichtigkeit und Strenge. Silbergers Ton ist warm, facettenreich und zugleich sehr elegant. Innig interpretiert der Geiger Joseph Joachims Romanze op. 2 Nr. 1. Und wenn - wie in Eugène Ysaÿes Violinsonate op. 27 Nr. 6 - Virtuosität gefragt ist, dann lässt Eric Silberger seine Geige brillant strahlen, mit viel Kraft, aber niemals mit zu viel Druck.

Wie anders nimmt sich gegen einen so erfahrenen Geiger eine der jüngsten Teilnehmerinnen des Wettbewerbs aus - etwa die für Georgien und die Türkei antretende Veriko Tchumburidze. Fast ein bisschen unbeholfen wirkt die 16-jährige anfangs in ihrem schwarzen Kleid mit Goldrand und Schleife und ihrem Pferdeschwanz. Das ändert sich schlagartig, als Tchumburidze zu spielen beginnt. Ihr Ton ist nicht so strahlend oder warm wie der anderer Teilnehmer. Dafür agiert sie mit leidenschaftlichem Temperament. Und es ist nie langweilig, ihr zuzuhören, weil sie ihre Stücke - für ihr Alter erstaunlich genau - bis in Nuancen hinein aushört und formt.

Eine von vielen weiteren Kandidaten, die möglicherweise in den Kampf um die Preise beim Joseph-Joachim-Wettbewerb eingreifen könnten, tritt am Montagmittag an. Alexandra Conunova-Dumortier, Moldawierin, Mutter eines drei Monate alten Sohnes, hat in den vergangenen vier Jahren jedes Jahr einen Preis bei einem Wettbewerb errungen: Auf einen 2. Preis bei „Henri Marteau“ folgte 2009 ein ebensolcher bei „Ion Voicu“, 2010 einer bei „Tibor Varga“ und schließlich 2011 ein 2. Preis beim George-Enescu-Violinwettbewerb, wobei ein erster Preis nicht vergeben wurde.

Schon in Bachs Partita in h-Moll, BWV 1002, zeigt die 24-Jährige, mit was für einem strahlenden Ton sie Musik machen kann. Mal streng und dabei doch wunderbar gesanglich, dann wieder tänzerisch oder - wie in der Bourrée - hochvirtuos interpretiert sie Bachs barocke Tänze.

Auch Conunova-Dumortier spielte eine zu Herzen gehende Joseph-Joachim-Romanze. Das überragende Stück ihres Programms aber ist Eugène Ysaÿes Violinsonate op. 27 Nr. 3. Fahle Tonlandschaften lässt die Geigerin, die an der hannoverschen Musikhochschule bei Krzysztof Wegrzyn studiert, an dem gebannt lauschenden Publikum vorüberziehen. Gewaltige Klanggebirge entwickeln sich und fallen wieder in sich zusammen: Conunova-Dumortier bietet ein dramatisches und zugleich zutiefst melancholisches Stück Musik. Applaus und viele Bravorufe.

Der Wettbewerb dauert bis zum 13. Oktober. Karten gibt es telefonisch unter (0511)16841222 sowie an der Tageskasse. Vorrunde und Semifinale finden in der Musikhochschule in Hannover statt.

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