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Kultur Heda – ihr da mit dem Hute! Die Kunst des richtigen Grüßens im Büro
Mehr Welt Kultur Heda – ihr da mit dem Hute! Die Kunst des richtigen Grüßens im Büro
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17:09 25.09.2019
„Moin“ macht Karriere, „Hallo“ stirbt aus: Die richtige Begrüßung im Büro ist ein schwieriger Lernprozess. Quelle: Rawpixel.com - stock.adobe.com

Zu den nie restlos geklärten zwischenmenschlichen Verhaltensmaßregeln gehört die Frage, welche Grußformel beim zufälligen Zusammentreffen mit Kollegen im Büro anzuwenden ist. Als schicklich gilt, im zeitlichen Umfeld von Ernährungsvorgängen ein halbironisch gedehntes „Maaaahlzeit“ herauszumurmeln. Ein Wort, das im Umfeld von Freunden und Familie praktisch unbekannt ist. Niemand sagt beim Sonntagsfrühstück „Mahlzeit“. Höchstens: „Jetzt wird es aber auch mal Zeit.“

„Mahlzeit“ hat zuletzt eine heftige Ironisierung erlebt. Dabei gilt die Faustformel: Je länger der Grüßende das „Aaaaa“ dehnt, desto unernst ist es ihm. Abiturienten nutzen „Maaaaaahlzeit“ entsprechend als zwischenmenschliche Dehnungsfuge, während echte Fliesenleger bei „Mahlzeit!“ fast ohne Vokale auskommen. Es gibt Kollegen, die zischen nur ein kurzes „… Zeit!!“. Damit dokumentieren sie, dass sie keine haben.

Eine erstaunliche Karriere hat dagegen „Moin!“ erlebt. Das Anwendungsgebiet von „Moin!“ reicht inzwischen von der Nord- und Ostseeküste bis etwa in den Raum Kassel. Südlich von Kassel beginnt dann allmählich das „Servus“-Revier. Aber Achtung, Sie wissen: „Moin, Moin“ ist Gesabbel, es heißt „Moin“.

„Hallo“ ist das Graubrot des Grußwesens

„Hallo“ sagt praktisch keiner mehr. „Hallo“ ist das Graubrot des Grußwesens. Menschen, die „Hallo“ sagen, sagen auch: „Wir müssen die Tegtmeyers mal wieder einladen“, „Wenn die Sonne weg ist, ist es doch kühl“ und „Kannst du noch 200 Gramm Jagdwurst mitbringen?“ Jüngere Grüßende flüchten sich gern ins polyglotte „Hi“. „Hi“ ist aber bloß das „Hallo“ der Mehrsprachler. Gern genommen wird inzwischen auch eine Frage wie „Alles gut?“ Eine Antwort wird dabei nicht erwartet, denn dass niemals alles gut ist, weiß ja nun wirklich jeder, auch wenn es keiner sagt.

Zur Hebung der Firmenmoral empfehle ich stattdessen folgendes Sozialexperiment: Begrüßen Sie Kollegen mal mit einem Wort aus dem Kuriositätenfundus der Höflichkeit. Sie werden folgenden Effekt bemerken: Menschen antworten aus Denkfaulheit reflexhaft mit derselben absurden Grußformel, mit der sie angesprochen wurden. Sagen Sie zum Beispiel „Howdy-ho und vergelt‘s Gott!“, wird Ihnen auch der akkurateste, ironieresistenteste Mensch aus Versehen mit „Howdy-ho!“ antworten. Und zwar entgegen seiner eigentlichen Absicht. Niemand außerhalb von texanischen Ranches sagt „Howdy-ho!“ Man wird Sie rätselnd ansehen, aber mitspielen, um nichts falsch zu machen. Es könnte ja sein, dass Sie über Geheimwissen verfügen.

„Hei di ho und ahoi, Kapitän!“

Sagen Sie „Salve“. Oder völlig sinnlos „In diesem Sinne!“ Oder sagen Sie „Gott zum Gruße!“ Sie werden sich wundern. Plötzlich klingen selbst atheistische Kantianer wie bayerische Dorfpfarrer. Neulich begrüßte ich einen Bekannten mit den Worten „In Christi Blut verbunden“. Man sagt insgesamt viel zu selten „In Christi Blut verbunden“. Er antwortete schlicht „Ja“ und ging weiter. Eine gute Lösung. Versuchen Sie es auch mit „Frisch auf, Professor!“ Oder mit „Hei di ho und ahoi, Kapitän!“ Die Variante „Heda – ihr da mit dem Hute!“ bietet sich jedoch nur an, wenn der Angerufene tatsächlich etwas auf dem Kopf trägt. Und sei es eine Katzenmütze.

Im Grunde gibt es nur zwei Regeln für eine feine Begrüßung: Sie muss von Herzen kommen. Und sagen Sie NIEMALS „Buongiorno Adorno“, „Hallöchen Popöchen“, „Bis Danzig“, „Wirsing“ oder gar „Gruß an den Rest vom Schützenfest sendet der Held im Erdbeerfeld!“ Am besten sagen Sie einfach: Schönes Wochenende! Zur Not auch schon am Montag.

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Von Imre Grimm/RND

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