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Kultur Halb Hollywood singt in „Les Misérables“
Mehr Welt Kultur Halb Hollywood singt in „Les Misérables“
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03:40 22.02.2013
Von Stefan Stosch
Beschützer: Jean Valjean (Hugh Jackman) und Fantine (Anne Hathaway). Quelle: Universal
Hannover

Crowe spielt den unerbittlichen Inspector Javert, Jackman den Ex-Häftling Jean Valjean, der nie etwas Schlimmeres verbrochen hat, als ein Brot zu stehlen. Deshalb wird er nun ein Leben lang von Javert gejagt. Resozialisierung schließt der Gesetzeshüter von vornherein aus.

Um es gleich vorwegzunehmen: Das Sangesduell geht zugunsten des deutlich lockerer aufgestellten Jackman aus. Da macht sich die Erfahrung bemerkbar, die Jackman auf Musicalbühnen zu Beginn seiner Karriere sammelte – auch als singender und tanzender Oscar-Moderator machte er schon eine gute Figur. Crowe dagegen verharrt allzu statisch in der Sängerpose, als hätte er seinen Degen verschluckt. Vielleicht war es auch gar keine so gute Idee, die als Sänger ungeübten Schauspieler live gegen Wind- und Regenmaschinen ansingen zu lassen.

Dass sich das Kino der kassenträchtigen Bühnenvorlage von Claude-Michel Schönberg (Musik) und Alain Boubil (Libretto) annehmen würde, war lange schon ausgemacht. Nur dauerte die Umsetzung etwas länger als ursprünglich gedacht: Erste Überlegungen kursierten bereits Ende der achtziger Jahre. Nun scheint Hollywoods Prominenz eine Generation später nur auf die Gelegenheit gewartet zu haben, mal aus dem üblichen Thriller- und Komödientrott auszubrechen.

Mit dabei ist Anne Hathaway als knochendürre Arbeiterin Fantine, die mit großen Augen eine brutale Welt besingt, die für sie nur ein trauriges Schicksal als Prostituierte und einen frühen Tod bereithält. Fantines Tochter Cosette, gespielt von Amanda Seyfried, wird der großherzige Valjean später wie eine Tochter großziehen. Helena Bonham Carter und Sacha Baron Cohen machen sich derweil einen diebischen Spaß als erpresserisches Ehepaar Thénardier.

Mit Lust stürzen sich die Stars in die französische Geschichte. Sie wälzen sich im kunstvoll angerichtetem Dreck und lassen sich zu prächtigen Elendsgestalten aufhübschen, deren Mundgeruch und Krankheitsausdünstungen man förmlich zu riechen meint.

Regisseur Tom Hooper (Oscar-gepriesen seit „The King’s Speech“) tut sich jedoch ein wenig schwer damit, die Vorteile des Kinos gegenüber der Bühne auszuspielen: Die Kamera klebt geradezu an den Gesichtern seiner Darsteller, statt ihre Möglichkeiten zu nutzen. Dabei verliert der Film an Tempo. Nur selten darf die Kamera die Freiheit auskosten, etwa in dem Moment, in dem Valjean beschließt, seinen alten Sträflingsausweis zu zerreißen und ein neues Leben zu beginnen. Da wird der Zuschauer auf einen Flug hoch in den Himmel mitgenommen.

Hollywood jedenfalls hat sich von diesem Musical bezirzen lassen und reichlich Golden Globes an „Les Misérables“ verteilt. Zugleich ist das Werk für acht Oscars nominiert. Bei der Gala am Sonntag dürfte sich ein Preisregen allerdings kaum wiederholen lassen – schon allein deshalb, weil dort nicht zwischen Musical/Komödie und Drama unterschieden wird und es doch gewichtigere Filme im Angebot gibt.

Kinostart: 21. Februar 2013

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