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Kultur Hades, Zeus und andere Fieslinge in „Kampf der Titanen“
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05:09 09.04.2010
Halbgott in Sandalen: Sam Worthington.
Halbgott in Sandalen: Sam Worthington. Quelle: Warner Bros.
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Eine Zeus-Statue wird gleich zu Beginn gestürzt: Im mythischen Griechenland haben die Menschen die Nase voll von übellaunigen Göttern. Sie wollen ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen. Der intrigante Unterweltherrscher Hades überredet Götter-Chef Zeus, den Erdlingen eine Lektion zu verpassen. So schlägt die Stunde von Perseus, einem Abkömmling von Zeus, den dieser mit einer irdischen Frau gezeugt hat. Er verficht die Sache der Menschen.

Das Götter-Spektakel „Kampf der Titanen“, auf den Kanarischen Inseln gedreht, orientiert sich nur lose am Kassenknüller von 1981, der seinerseits mit der Perseus-Sage bereits sehr sorglos umgesprungen war. Perseus, von einem Fischer aufgezogen, will sich an Hades, der Perseus’ Stieffamilie getötet hat, rächen. Dazu muss der Halbgott mit Unterstützung irdischer Soldaten und allerlei göttlicher Nachhilfe die Medusa und sonstige antike Wesen schachmatt setzen. Andromeda, Tochter des Königs von Argos, im Originalfilm noch Perseus’ Geliebte, spielt nur als potenzielle Opfergabe und Futter für ein Seeungeheuer eine Rolle.

Aber so genau muss man die griechische Sage gar nicht kennen. Schon der Originalfilm ging nicht wegen seines fein ziselierten Drehbuchs, sondern wegen Trickfilmpionier Ray Harryhausen in die Kinogeschichte ein. Beim Anblick von Harryhausens handgemachten Monstern, mit „Stop Motion“ Millimeter für Millimeter in Gang gesetzt, blieb dem Publikum das Popcorn im Hals stecken. Mehr als Special-Effects-Rambazamba und Männer in Sandalen durfte man auch vom Remake von Louis Leterrier, der es bereits mit dem „Unglaublichen Hulk“ krachen ließ, nicht erwarten. Doch obwohl die computeranimierte Götterdämmerung mit 3-D aufgemotzt wurde, ist das Ergebnis ein arg uninspiriertes Déjà-vu-Erlebnis.

„Harry Potter“, „Herr der Ringe“, „Narnia“ und andere computeranimierte Fantasy-Abenteuer haben die Mythologie so gründlich abgegrast, dass man sich angesichts der Monsterskorpione und Monsterkraken, zombiehaften Wesen und Gruselhexen abwechselnd in einem der nämlichen Filme wähnt. Überdies wirkt das Epos wie ein Nachzügler des vor Kurzem gelaufenen Kinderabenteuers „Percy Jackson“, in dem die Perseus-Sage ins heutige New York verpflanzt wurde. Verwaschene Computerkulissen und chaotisch choreografierte Kampfszenen verstärken noch den Secondhand-Charakter der Mission.

Das gilt auch für das hochkarätige Ensemble: Ein ausgemergelter Ralph ­Fiennes – schon bei Harry Potter dabei – gibt den Oberfiesling Hades. Liam Neeson, in den „Narnia“-Epen als Erlöser tätig, kommt als Zeus wie Meister Proper daher. Sam Worthington, zuletzt als „Avatar“ in einer Identitätskrise zwischen Mensch und Nav’i befindlich, hadert nun als Halbgott Perseus mit seiner olympischen Mischpoke. Seine Miene bleibt dabei so starr, als habe er Medusa ins Auge geblickt. Selbst diese Versteinerungskünstlerin mit Schlangenfrisur, sonst ein Highlight der Kostümbildner, ist hier jedoch fad: Kein Wunder, dass die Götter ausgestorben sind.

Wenig göttlich: Müdes Remake. Cinemaxx Raschplatz, Cinemaxx Nikolaistraße, Utopia, CineStar.

Birgit Roschy