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Kultur Gut gelaunt in den Weltuntergang
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03:32 21.09.2012
Foto: Freunde für den Weltuntergang: Penny (Keira Knightley) und Dodge (Steve Carell).
Freunde für den Weltuntergang: Penny (Keira Knightley) und Dodge (Steve Carell). Quelle: Universal
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Hamburg

Endzeit-Filme leben von der nahenden Bedrohung und wie man ihr möglicherweise noch entkommen kann - zumindest in Actionfilmen. Dann gibt es noch die Filme wie Lars von Triers „Melancholia“, die von düsterer, zerstörerischer Melancholie bestimmt sind. Die Drehbuchautorin Lorene Scafaria wählt für ihr Regiedebüt „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“ keines der beiden Genres, sondern versucht es mit einer Romantikkomödie - und driftet dabei etwas zu sehr in belanglosen Kitsch ab.

Im ersten Teil bewahrt sie dem Szenario noch etwas komödiantisches und zugleich skurriles. Scarfaria zeigt, wie unterschiedlich und zugleich hilflos die Menschen reagieren, wenn sie wissen, dass die Welt in drei Wochen untergehen wird, weil ein riesiger Asteroid auf die Erde zusteuert. Die einen stürzen sich in hemmungslose Orgien, die anderen leben stoisch ihren Alltag, als sei nichts geschehen. Zu den letzteren zählt Dodge (Steve Carell), ein biederer Versicherungsvertreter, den selbst die eigene Frau so langweilig findet, dass sie die letzten 21 Tage lieber mit ihrem Liebhaber verbringt.

Da tritt plötzlich die völlig überdrehte Nachbarin Penny (Keira Knightley) in Dodges Leben und weil sie gerade die Nase von ihrem x-ten für sie bedeutungslosen Freund mächtig voll hat und noch dazu eine aufgebrachte Meute das Haus von Dodge und Penny zu plündern droht, macht sich ausgerechnet dieses ungleiche Paar gemeinsam auf die Flucht. Dodge auf der Suche nach seiner ersten großen Liebe, Penny zu ihrer Familie in England, zu der Dodge ihr verspricht sie zu bringen. So weit, so gut.

Doch dann schwenkt Scafaria zur Romantikkomödie, die nur noch schwer zu ertragen ist. Warum der stoische Dodge und die hysterisch-pubertäre Penny durch eine seltsam verlassene Welt fahren, als sei die Menschheit schon ausgestorben, ist da noch zu verkraften. Die platten Dialoge über den Sinn des Lebens und die Kraft der Liebe nicht, ebenso wenig die rührselige Wiedervereinigung von Dodge mit seinem Vater (Martin Sheen) und der allzu bildhafte Einsatz von Evergreens wie dem Beach Boy-Klassiker „Wouldn't it be nice if we were older?“ oder „The sun ain't gonna shine anymore“ der Walker Brothers.

Das alles toppt nur noch die in wenigen Tagen gewachsene Liebe zwischen Penny und Dodge. Von knisternder Spannung zwischen den beiden und glaubhafter Seelenverwandtschaft keine Spur. Das wäre ja noch durchaus verständlich. Das nahende Ende und die damit verbundene Not machen schließlich erfinderisch und eben nicht allzu wählerisch. Doch genau das ist es, was Scafaria dem Zuschauer nicht glauben machen will. Sie setzt stattdessen auf verkitschte Romantik und verschenkt damit den spannenden Stoff, samt der anfänglich vielversprechenden Komik. 

dpa

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